Internationale Akademie für Philosophie (IAP)
Autor: Redaktion | Stand: 13.5.2025
Die Internationale Akademie für Philosophie (IAP) war eine von 1986 bis 2024 bestehende, bis 2020 staatlich anerkannte private Hochschule in Liechtenstein. Sie betrieb Forschung und Lehre in Philosophie mit den Spezialgebieten Klassische Philosophie, Metaphysik und Realistische Phänomenologie.
Auf Einladung von Prinz Nikolaus von Liechtenstein verlegte die 1980 in Irving/Texas (USA) unter Leitung des österreichischen Philosophen Josef Seifert (*1945) gegründete «International Academy of Philosophy» ihre Tätigkeit ins Fürstentum Liechtenstein, wo sie 1986 als «Internationale Akademie für Philosophie» eröffnet wurde. 1986–1998 hatte sie ihren Sitz in Schaan, 1998–2003 in Triesenberg (Gaflei), 2003–2016 in Bendern, 2016–2022 in Mauren und danach in Schaanwald. 2004–2012 bestand auch ein Campus an der Päpstlichen Katholischen Universität in Santiago de Chile (Chile).
Die von einer privatrechtlichen Stiftung unter dem Vorsitz von Prinz Nikolaus getragene IAP war die erste Hochschuleinrichtung in Liechtenstein. Sie vergab die von Liechtenstein, Österreich und Deutschland anerkannten Grade Bac. phil., Mag. phil. und Dr. phil., zudem war an ihr eine Habilitation möglich. Ihre aktivste Phase verzeichnete die Hochschule, unter deren Dach mehrere Schriftenreihen erschienen, bis Anfang der 2000er-Jahre. Sie verlieh mehreren international bekannten Persönlichkeiten die Ehrendoktorwürde, darunter dem österreichischen Psychologen Viktor E. Frankl (1989), dem italienischen Präsidenten Francesco Cossiga (1991) und dem russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn (1993).
2007–2012 wurde der Lehrbetrieb vorübergehend sistiert, 2013 erfolgte eine provisorische Bewilligung zur Wiederaufnahme des Doktoratsstudiengangs. Nach Beendigung eines Evaluierungsprozesses entzog die Regierung der IAP 2020 die Akkreditierung als Hochschule; Abschlüsse konnten noch bis 2022 gemacht werden. 2024 stellte sie ihren Betrieb ein. Insgesamt haben schätzungsweise rund 150 Studierende aus mehr als 30 Nationen einen Grad an der Hochschule erworben. Die weit überwiegende Mehrheit davon stammte nicht aus Liechtenstein.
Die der IAP zugeschriebene Nähe zu konservativ-traditionalistischen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche sorgte insbesondere während der Anfangsjahre für Kritik.
Werke
- Realistische Phänomenologie. Philosophische Studien der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein und an der Pontificia Universidad Católica de Chile en Santiago, u.a. Frankfurt a. M. 2009–2012.
- Philosophie und Realistische Phänomenologie. Studien der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein, Heidelberg 1992–2007.
- Internationale Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein, Reihe: Akademie-Reden, Heidelberg 1991–1998.
Quellen
- Landtag und Regierung. Bericht des Landtages, Rechenschaftsbericht der Regierung an den Hohen Landtag, 1986–2024 (ab 1999: Landtag, Regierung und Gerichte. Bericht des Landtages, Rechenschaftsbericht der Regierung an den Hohen Landtag, Berichte der Gerichte, Landesrechnung).
- Maulwurf, Nr. 3, Januar 1986, S. 13; Nr. 4, April 1986, S. 1–7; Nr. 5, Juli 1986, S. 7; Nr. 6, November 1986, S. 7–9.
Literatur
- Elias Quaderer: Älteste Hochschuleinrichtung im Land schliesst ihre Türen, in: Liechtensteiner Vaterland, 29.7.2024, S. 3.
- Das liechtensteinische Bildungswesen, hg. vom Presse- und Informationsamt, Vaduz 22002, S. 44.
- Internationale Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein. Ein Hochschulinstitut für Unterricht und Forschung auf dem Gebiet der Philosophie, Informationsbroschüre für The European Credit Transfer System (ECTS), Triesenberg 1999.
- Ralph Kellenberger: Kultur und Identität im kleinen Staat. Das Beispiel Liechtenstein, Bonn 1996, S. 152.
- Graham Martin: Projekte zur Gründung einer Hochschule im Fürstentum Liechtenstein, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 90 (1991), S. 301–316, hier S. 314f.
- Hansjürg Vorburger: Päpstlichen Wünschen verschliesst man sich nicht, in: Die Weltwoche, 15.5.1986, S. 43.
Zitierweise
Redaktion, «Internationale Akademie für Philosophie (IAP)», Stand: 13.5.2025, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Internationale_Akademie_f%C3%BCr_Philosophie_(IAP), abgerufen am 11.2.2026.