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Kartografie

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Autor: Paul Vogt | Stand: 31.12.2011

Die Kartografie befasst sich mit der massstäblichen Darstellung der Erdoberfläche. Ursprünglich beruhte sie v.a. auf der Beobachtung des Raums, seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts basiert sie auf Messungen und mathematischen Berechnungen. Unter Karten im engeren Sinn werden meist gedruckte Werke im Massstab von 1 : 10 000 oder grösser verstanden, während räumliche Darstellungen im Massstab bis 1 : 5000 meist als Pläne bezeichnet werden.

Die älteste Karte, die das liechtensteinische Territorium mit umfasst, ist die Peutinger’sche Tafel, eine römische Strassenkarte aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts finden sich gedruckte regionale Karten, auf denen auch das liechtensteinische Territorium dargestellt ist, besonders Karten zum Schwäbischen Kreis, zu Graubünden, zu den eidgenössischen Orten und zum Rhein, im 19. Jahrhundert zum Rheinbund und zum Deutschen Bund. Die frühen Karten sind oft kaum mehr als Skizzen.

Als erste Landeskarte kann eine gezeichnete Panoramaansicht der Herrschaften Vaduz und Schellenberg gelten, die um 1600 entstand (Tiroler Landesarchiv). Die Emser Chronik (→ Chroniken) von Johann Georg Schleh (1616) enthält eine Karte, die den Wunsch der Grafen von Hohenems zur Errichtung eines Pufferstaats im Rheintal dokumentiert. Aus dem 18. Jahrhundert sind v.a. die beiden Liechtenstein-Karten von Johann Jacob Heber und Johann Lambert Kolleffel zu erwähnen (beide Karten wurden faksimiliert). Die Heber-Karte (1721, fürstliche Sammlungen) zeigt das gesamte Staatsgebiet inklusive Berggebiet; die Informationen sind detailliert, die Massstäbe noch verzerrt. Die Kolleffel-Karte (1756, ZB Zürich) ist eine Panoramaansicht, die sich auf das liechtensteinische Gebiet im Rheintal beschränkt. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts befassten sich österreichische Militärkartografen auch mit Liechtenstein. Ihre Karten beruhten auf Berechnungen, der Massstab ist zuverlässiger (Kartenmaterial im Kriegsarchiv Wien). Erstmals gedruckt wurde eine solche topografische Karte für Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein 1823, als die militärische Geheimhaltung aufgegeben wurde. Noch unter bayerischer Herrschaft erschien 1807 eine Karte, die Liechtenstein (historisch unzutreffend) als «Theil von Baiern» zeigt. Diese gab erstmals sämtliche Gebirge und Orte relativ genau wieder. Die Federzeichnung «Liechtenstein gezeichnet vor dem Jahr 1835» (Pfarreiarchiv Triesen/Landesmuseum; Massstab ca. 1 : 50 000) zeigt das gesamte Staatsgebiet reliefartig senkrecht von oben.

Bis zur Einführung der amtlichen Vermessung (1865) sind aus Liechtenstein v.a. Pläne zu erwähnen, die im Zusammenhang mit der Rheinkorrektur entstanden. Besonders wertvoll ist aufgrund der detaillierten Darstellung des Talgebiets die «Uibersichtskarte des Rhein Strohms längs dem souverainen Fürstenthum Liechtenstein» (1842). Weiter sind die Pläne zur Aufteilung der «Gemeinheiten» (Gemeindeboden, Allmende) und zur Entwässerung der Talebene anzuführen, aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert die Waldpläne. Mit der amtlichen Vermessung (ab 1865) wurden erstmals eine amtliche Übersichtskarte sowie detaillierte Katasterpläne im Massstab 1 : 2000 erstellt, auf denen sämtliche Grundstücksparzellen eingezeichnet sind. Die «Karte des souv. Fürstenthumes Liechtenstein» von Gerster (1894) war die erste farbig gedruckte Karte mit Liechtenstein im Zentrum (Massstab 1 : 75 000); sie diente auch als Schulkarte.

Nach dem Zollanschluss an die Schweiz (1924) lehnte sich Liechtenstein auch in der Kartografie an die Schweiz an. Liechtenstein wurde vermehrt auf eigenständigen Karten dargestellt. In den 1920er Jahren erschienen die ersten Karten für touristische Zwecke (u.a. Wanderkarten), 1925 und 1952 neue Schulkarten. 1947 wurde von der Regierung die erste amtliche Landeskarte (Massstab 1 : 10 000) herausgegeben, 1952 die erste geologische Karte. Nach 1970 hat sich der Bedarf an Karten und Plänen ständig erweitert; Stichworte wie Orts-, Zonen- und Verkehrspläne, Strassen-, Wander-, Bike- und Tourismuskarten usw. geben entsprechende Hinweise.

Amtliche Karten gibt in Liechtenstein die Abteilung «Vermessung und Geoinformation» beim liechtensteinischen Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit der eidgenössischen Landestopografie heraus. Spezialpläne stellen auch die Umweltämter und die Gemeinden zur Verfügung. Raumbezogene Informationen werden seit 1994 in einem Geoinformationssystem (GIS) des Tiefbauamts digital bearbeitet und verwaltet. Das GIS wird sowohl für amtliche wie gewerbliche Zwecke genutzt. Die Informationen werden auf verschiedenen Ebenen je nach dem Anwendungszweck (z.B. Landesvermessung, Raum- und Umweltpolitik usw.) zur Verfügung gestellt.

Archive

Kriegsarchiv Wien; LI LA; TLA; SFL; ZB Zürich.

Literatur

K. Scharr: Kartografie des Fürstentums Liechtenstein, 14.–19. Jahrhundert, in: Bausteine 3, 1999, 139–161; Herrmann: Kunstdenkmäler 2, 2007.

Zitierweise

Paul Vogt, «Kartografie», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Kartografie, abgerufen am 17.2.2019.

Medien

«Karte des souv. Fürstenthumes Liechtenstein, bearbeitet von J.S. Gerster nach den neuesten offiziellen topographischen Blättern Oesterreichs, Bayerns und Württembergs, St. Gallen, Amstein 1894» (LI LA). Massstab 1 : 75000. Chromolithografie aus: J.S. Gerster’s Hand-Karte von Vorarlberg und Liechtenstein etc. Die Schulkarte von 1894 war der erste liechtensteinische Farbdruck.