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Kleinhandel

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Autor: Patrick Sele | Stand: 31.12.2011

Unter Kleinhandel oder Einzelhandel versteht man im Gegensatz zum Grosshandel den Handel mit Waren in kleinen Mengen. Der Kleinhandel findet zumeist im lokalen oder regionalen Rahmen statt. Zu den im Kleinhandel Tätigen gehören einerseits die Hausierer, andererseits die ortsansässigen Inhaber von Handlungen (Läden). Die nachfolgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die Tätigkeit der Letzteren.

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Kleinhandel von sehr untergeordneter Bedeutung und das Warenangebot mehr als bescheiden. Was die zumeist bäuerliche Bevölkerung nicht selbst herstellte, besorgte sie sich in der Schweiz oder in Feldkirch. 1808 gab es in Liechtenstein 17 Handlungen, in denen v.a. Tabak, Kaffee, Salz und Nägel angeboten wurden und deren Jahresumsatz insgesamt 2713 Gulden betrug. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Kleinhandel einen Aufschwung. Dieser äusserte sich in einer Erweiterung des Warenangebots und einem Anstieg des Umsatzes. Ab 1893 entstanden als neuartige Handlungen genossenschaftlich geführte Konsumvereine. Um 1914 zählte man rund zehnmal mehr Handlungen als 100 Jahre zuvor.

1809 wurde der Kleinhandel bewilligungspflichtig. Nach 1865 genügte für die Ausübung des Kleinhandels die blosse Anmeldung. Nie verwirklicht wurde die Forderung, für den Kleinhandel den Befähigungsnachweis einzuführen.

Erstmals 1843 erscheinen gesundheitspolizeiliche Vorschriften zum Verkauf von Lebensmitteln. Seit 1910 gibt es gesetzliche Regelungen zum Verkauf alkoholischer Getränke und seit 1915 solche zu Ausverkäufen.

Seit dem 19. Jahrhundert wirkten Vertreter des Kleinhandels bei den Behörden darauf hin, die Tätigkeit der als Konkurrenten empfundenen Hausierer verbieten zu lassen, was jedoch nie gelang. Ebenfalls nicht verwirklicht wurde in der wirtschaftlichen Krisenzeit der 1930er Jahre die Forderung, für den Kleinhandel keine Gewerbekonzessionen mehr zu erteilen. Dafür wurde 1937 zum Schutz des Kleinhandels ein Warenhausverbot erlassen. Dieses war bis 1969 in Kraft.

In der Nachkriegszeit kam es mit der Zunahme des Wohlstands zu einer weiteren Ausweitung des Warenangebots und zu einer Spezialisierung des Kleinhandels. Wegen der schwachen Regulierung des Kleinhandels erhöhte sich die Zahl der Läden ständig. Mit der zunehmenden Motorisierung der Bevölkerung und der Errichtung grosser Einkaufszentren in der schweizerischen Nachbarschaft ab den 1960er Jahren verminderte sich die Schutzwirkung des Warenhausverbots für den liechtensteinischen Kleinhandel zunehmend. Ebenfalls nachteilig wirkte sich die Umkehr der Warenströme an der schweizerisch-österreichischer Grenze aus, welche dazu führte, dass für Kunden aus der Schweiz und Liechtenstein das Einkaufen in Österreich attraktiv wurde. Infolge dieser Entwicklung verlangsamte sich das Wachstum des Kleinhandels seit den 1960er Jahren deutlich.

Besonders stark von dieser Entwicklung betroffen waren die Lebensmittelhandlungen; es kam zum «Ladensterben». Zählte Liechtenstein 1946 148 solche Geschäfte, so waren es 1995 noch 71. In Planken gibt es seit 1975 kein Lebensmittelgeschäft mehr.

Zwischen 2001 und 2004 erhöhte sich der Anteil derjenigen liechtensteinischen Kunden, die mindestens zwei- bis dreimal im Jahr im österreichischen Feldkirch einkauften von 22 auf 40 %. Diese Zunahme ging hauptsächlich auf Kosten der schweizerischen Einkaufsorte, während die Attraktivität Liechtensteins für liechtensteinische Kunden nur geringfügig sank.

Quellen

Schuppler/Ospelt: Beschreibung 1815, 1975, 376.

Literatur

Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 259–262; B. Beck: Das Gewerbe, in: Wirtschaft, 1982, 31–37, bes. 33f.; Geiger: Krisenzeit 1, 22000, 142, 185, 265–268; LVbl., 25.6.2004; Merki: Wirtschaftswunder, 2007, 122–126.

Zitierweise

Patrick Sele, «Kleinhandel», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Kleinhandel, abgerufen am 22.2.2019.