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Konjunktur

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Autor: Carsten-Henning Schlag | Stand: 31.12.2011

Unter Wirtschaftswachstum wird die langfristige Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei voller oder zumindest normaler Auslastung aller Kapazitäten, also die Veränderung des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft verstanden (→ Volkseinkommen). Davon weicht die Entwicklung des tatsächlichen BIP aufgrund von Konjunkturschwankungen ab. Letztere können als kurzfristige Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials interpretiert werden. Das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft lässt sich in der Realität nicht direkt beobachten. Es wird daher anhand ökonometrischer Methoden geschätzt. Die historische Konjunkturentwicklung in Liechtenstein ist kaum untersucht. Erst seit der Gründung einer Konjunkturforschungsstelle (KOFL) an der Universität Liechtenstein 2004 ist die einschlägige Forschung institutionalisiert.

Das Produktionspotenzial und damit die Trendkomponente des BIP hat sich in Liechtenstein seit Ende der 1990er Jahre mit einem Zuwachs von real knapp 2 % entwickelt. Der Zuwachs der Trendkomponenten der Direktexporte, der Beschäftigung und der AHV-pflichtigen Einkommen liegen im gleichen Zeitraum zwischen 2,5 % und 3,3 %.

Der Bestimmung des kurzfristigen Konjunkturmusters des BIP für Liechtenstein sind aus verschiedenen statistischen Gründen gegenwärtig noch enge Grenzen gesetzt. Approximationen lassen sich jedoch seit 1980 anhand der Zeitreihen für das AHV-pflichtige Einkommen, für die Gesamtbeschäftigung und für die Steuereinnahmen durchführen. Die drei trendbereinigten Zeitreihen weisen einen symmetrischen Verlauf auf, sowohl in Bezug auf die Länge der Konjunkturzyklen als auch auf die Dauer der Auf- und Abschwungphasen.

Im Zeitraum von 1980 bis 2001 zeichnen sich in Liechtenstein zwei vollständige Konjunkturzyklen ab. Der erste beginnt 1982 bzw. 1981 jeweils mit einem oberen Wendepunkt. Nach 1982 beginnt die Abschwungphase, die in Bezug auf die drei Zeitreihen zwei bis fünf Jahre anhält und von einer Aufschwungphase abgelöst wird. Der untere Wendepunkt der trendbereinigten Zeitreihen liegt um das Jahr 1985. Die erste Aufschwungphase reicht von sieben Jahren in Bezug auf die Beschäftigung bis zu vier Jahren bei den AHV-pflichtigen Einkommen. Insgesamt erstreckt sich der erste Konjunkturzyklus über acht bis zehn Jahre. Der zweite Konjunkturzyklus beginnt 1992 bzw. 1990 erneut mit einem oberen Wendepunkt. Dieser Zyklus hält neun bis elf Jahre an.

Literatur

C.-H. Schlag: Wachstum und Konjunktur im Fürstentum Liechtenstein, KOFL Working Paper 1, 2004; K. Kellermann, C.-H. Schlag: Ermittlung des erwarteten Trendwachstums der liechtensteinischen Volkswirtschaft bis 2012, KOFL Studie 5, 2007.

Zitierweise

Carsten-Henning Schlag, «Konjunktur», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Konjunktur, abgerufen am 21.2.2019.