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Konkordat

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Autor: Herbert Wille | Stand: 31.12.2011

Konkordate sind völkerrechtliche Verträge zwischen einem Staat und dem Heiligen Stuhl, welche die gemeinsam berührenden kirchlichen und staatskirchenrechtlichen Angelegenheiten regeln. Nachdem Österreich 1855 mit dem Hl. Stuhl eine Übereinkunft erzielt hatte, die das josephinische Staatskirchentum beseitigte (→ Josephinismus), kamen auch in Liechtenstein Bestrebungen auf, strittige sowohl staatliche wie kirchliche Belange betreffende Fragen im gegenseitigen Einvernehmen durch ein Konkordat zu regeln. Damals bestanden weder mit dem Hl. Stuhl noch mit dem bischöflichen Ordinariat in Chur Vereinbarungen. Der Bischof von Chur strebte an, die Kirche aus der Botmässigkeit des Staats zu lösen; sein Hauptaugenmerk richtete sich auf die Ehe-, die Kirchenguts- und die Zehntenfrage. Der Staat drängte darauf, seine Ordnungsvorstellungen durchzusetzen. Ein Konkordat kam nicht zustande; die politische Situation in einzelnen Staaten des Deutschen Bunds und besonders die Auseinandersetzungen um das Konkordat in Österreich liessen 1865 einen Abschluss nicht opportun erscheinen. In der Folge wurden mit dem bischöflichen Ordinariat Regelungen in Einzelbereichen getroffen (→ Kirche und Staat). Die Konkordatsfrage erlangte durch die 1997 erfolgte einseitige Errichtung des Erzbistums Vaduz durch den Hl. Stuhl wieder Aktualität. Der Landtag sprach sich am 17.12.1997 für Verhandlungen im Hinblick auf den Abschluss eines Konkordats mit dem Hl. Stuhl aus. Diese Angelegenheit ist noch ungelöst.

Literatur

Geiger: Geschichte, 1970, 230–234; H. Wille: Staat und Kirche im Fürstentum Liechtenstein, 1972, 52–55; Staat und Kirche, Hg. H. Wille, G. Baur, 1999.

Zitierweise

Herbert Wille, «Konkordat», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Konkordat, abgerufen am 21.4.2019.