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Kriss, Valentin

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Autorin: Ursula Neumayr | Stand: 31.12.2011

Priester. *1630 Balzers, †1692 Triesen. Sohn des Zacharias und der Barbara Wüestner, sechs Geschwister. Kriss besuchte das Gymnasium der Jesuiten in Feldkirch und studierte ab 1656 in Freiburg i.Br., ab 1657 in Dillingen Theologie. 1661 wurde er zum Priester geweiht. 1662–64 war er Pfarrvikar in Schaan, 1663–64 auch Kaplan zu St. Florin in Vaduz. 1664 übernahm er die Pfarrei Triesen und führte diese bis zu seinem Tod 1692. Ab 1670 fungierte er als Kämmerer des Kapitels unter der Landquart und stand damit an der Spitze einer beachtlichen Zahl von Pfarreien. 1671 ist er als Brudermeister der St.-Anna-Bruderschaft in Vaduz erwähnt.

Während seiner Tätigkeit als Pfarrer in Triesen erfuhr der Pfarrhof eine bauliche Erweiterung, es konnte ein neuer Hochaltar angeschafft und das jährliche Einkommen der Pfarrkirche bedeutend erhöht werden. Wichtige Neuerungen umfassten die Anlegung neuer Urbarien sowie eine den Entschlüssen des Konzils von Trient entsprechende Führung der Pfarrbücher. 1677 geriet Kriss in Streit mit der Gemeinde um Zehntrechte. 1683 führte er zusammen mit den Vaduzer Hofkaplänen Franz Schick und Johann Ludescher und dem Schaaner Hofkaplan Gerold Hartmann beim Bischof von Chur Beschwerde wegen der Verletzung der Patronatspflicht durch Graf Karl Ferdinand von Hohenems. Über Kriss’ seelsorgerische Tätigkeit ist wenig bekannt. Durch sein mutiges Eintreten für einige wegen Hexerei angeklagte Personen und seine Beteiligung an einer Beschwerdeschrift gegen die Hexenprozesse an den Kaiser 1680 trug Kriss massgeblich zum Ende der Hexenverfolgungen in Liechtenstein bei.

Kriss’ Nachlass stellt einen Markstein für das Sozialleben Liechtensteins dar, wobei die Studienstiftung Valentin von Kriss von 1689 von zentraler Bedeutung ist. Als Erste der bekannten Schulstiftungen besticht sie im Umfang wie auch in ihrer Wirkungsgeschichte. Mit der Frühmesspfründenstiftung schuf Kriss 1689 eine beständige, vergleichsweise gut dotierte Kooperatur in Triesenberg – eine Einrichtung, die seit einiger Zeit eine vordringliche Notwendigkeit darstellte. Kriss hatte dafür aus eigenen Mitteln Haus, Stallungen und Grundstücke angeschafft sowie bestehende Stiftungen eingebunden. In seinem umfangreichen Testament von 1690 berücksichtigte er neben Familienmitgliedern – den Bruder Michl nur, wenn er katholisch blieb – auch seine Gemeinde: priesterliche Gegenstände gingen an Kooperator Kindle, sämtliches Mobiliar im Pfarrhof war «um leidliche Bezahlung» dem Nachfolger zu überlassen, einzelne Bruderschaften erhielten Geldspenden. Zur Errichtung der späteren Kapelle St. Antonius in Triesenberg waren ein Rosenkranzbild, ein Kruzifix sowie 25 Gulden vorgesehen. Kriss’ Bibliothek, die testamentarisch an die Kooperatur kam, ist im Detail noch nicht ausgewertet, doch rechtfertigen die erhaltenen Bücher das Urteil Johann Baptist Büchels, dass es sich bei Kriss um einen «sehr gelehrten Mann» handelte.

Archive

LI LA.

Literatur

Büchel: Triesen, 1902, 42–45; 65–74; J.B. Büchel: Bücher-Verzeichnis der alten bis anhin zur Triesner Cooperaturpfründe gehörenden Bibliothek, in: JBL 9 (1909), 113–132; Die Matrikel der Universität Dillingen 2, Bearb. Th. Specht, 1912/13, 779; Die Matrikel der Universität Freiburg i.Br. von 1656–1806 1, Bearb. F. Schaub, 1944, 5; Tschaikner: Hexen, 1998, 27–38.

Zitierweise

Ursula Neumayr, «Kriss, Valentin», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Kriss,_Valentin, abgerufen am 19.2.2019.