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LGT Bank in Liechtenstein

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Autor: Alexander Meili | Stand: 31.12.2011

Die LGT Bank in Liechtenstein wurde am 24.11.1920 in Vaduz als erste Privatbank Liechtensteins unter dem Namen «Bank in Liechtenstein AG» (BiL) gegründet. Die Gründung erfolgte durch ein Konsortium unter der Führung der seit 1863 bestehenden Anglo-Österreichischen Bank. Seit 1919 hatte die liechtensteinische Regierung Interessenten für die Errichtung einer Bank gesucht, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nach der Krise des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der österreichischen Kronenwährung zu fördern (→ Banken). Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise erwarb das liechtensteinische Fürstenhaus 1930 auf Ersuchen der Regierung und der BiL die Aktienmehrheit (über 90 %), wodurch eine Übernahme durch deutsche Interessenten vermieden wurde. 1970 wurde das Aktienkapital von der neu gegründeten Fürst von Liechtenstein-Stiftung übernommen. Die LGT Bank in Liechtenstein bildet heute den Kern des fürstlichen Vermögens.

Von Anfang an konzentrierte sich die BiL auf das internationale Geschäft, besonders auf Börsengeschäfte und die Gründung und Beratung von Domizil- und Holdinggesellschaften, zunächst aus den Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie. Damit markiert die BiL den Anfang des liechtensteinischen Treuhand- und Gesellschaftswesens (→ Finanzdienstleistungen). Erst 1937 nahm sie auch das Spar- und Hypothekargeschäft auf. Der Geschäftsgang wurde in den 1930er Jahren durch die Weltwirtschaftskrise und den Abzug ausländischer Gelder (besonders 1932–38) gedrückt. Die Bilanzsumme halbierte sich zwischen 1928 und 1940 und stieg erst nach dem Krieg wieder stärker an. In der NS-Zeit verwaltete die BiL auch Vermögen geflüchteter Juden. Sie beteiligte sich im Zweiten Weltkrieg durch Kredite an der Finanzierung liechtensteinischer Industrieexporte nach Deutschland. Nach 1945 wandelte sich die BiL im Zug des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs zu einer einflussreichen Handelsbank. Seit Anfang der 1970er Jahre tätigt sie als Universalbank alle bankmässigen Geschäfte, ist aber nach wie vor stark auf das Auslandsgeschäft (Vermögensverwaltung) konzentriert. 1977 überschritt ihre Bilanzsumme erstmals die Milliardengrenze. Das betreute Kundenvermögen belief sich 2006 auf 62,4 Mia. Fr.

1982 gründete die BiL als erste liechtensteinische Bank eine Repräsentanz im Ausland (London). Heute ist sie weltweit vertreten. Für die Geschäftsbereiche private banking, Investment, institutionelle Vermögensverwaltung, Publikumsfonds und Treuhand wurden Tochtergesellschaften gegründet. 1989 übernahm die BiL die GT Management PLC, London, 1990 folgte die Gründung der BIL GT Gruppe AG (Vaduz) als Holdinggesellschaft aller Gruppenteile. Diese benannte sich 1996 in Liechtenstein Global Trust (LGT) um. Unter dessen Dach befindet sich auch die neu «LGT Bank in Liechtenstein» genannte BiL.

Nachdem 2008 gestohlene Kundendaten in die Hände der deutschen Finanzbehörden geraten waren, kündigte die LGT Bank in Liechtenstein an, das traditionelle offshore-Geschäft aufzugeben und sich auf die Verwaltung von Geldern zu beschränken, die mit der Steuergesetzgebung ihrer Herkunftsländer übereinstimmten. Die Tochter LGT Treuhand AG wurde 2009 abgestossen.

Quellen

Geschäftsberichte 1922–.

Literatur

O. Seger, W. Nuener: 50 Jahre Bank in Liechtenstein AG, 1971; 75 Jahre LGT Bank in Liechtenstein, 1996; Meili: Bankwesen, 2001; Lussy/López: Finanzbeziehungen, 2005; Geiger et al.: NS-Zeit, 2005; Merki: Wirtschaftswunder, 2007.

Zitierweise

Alexander Meili, «LGT Bank in Liechtenstein», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/LGT_Bank_in_Liechtenstein, abgerufen am 25.3.2019.

Medien

Die Mitarbeiter der BiL in den 1920er Jahren vor ihren Büroräumlichkeiten im Regierungsgebäude © LGT Bank in Liechtenstein, Vaduz. Obere Reihe von links: B.B. Voigt, Karl Guschlbauer, Franz Schredt, Frau Wimmer aus Feldkirch. Unten von links: Johann Ospelt, Wilhelm Fehr, Max Fehrlin.
Personal- und Bilanzsummenentwicklung, 1921-2010