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Landesbeschreibungen

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Autor: Pio Schurti | Stand: 31.12.2011

Unter Landesbeschreibung verstand man bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Beschreibungen von Ländern, ihren Grenzen, ihrer Bevölkerung und der Rechte der Landesherren. Sie waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern ein Instrument zur Verbesserung der Verwaltung des Landes, da sich die Obrigkeit oft kein Bild von den lokalen Verhältnissen machen konnte. So hatten die Fürsten von Liechtenstein (bis 1842) und in der Regel auch die fürstlichen Beamten in Wien (Hofkanzlei) das Fürstentum nie besucht.

Die älteste bekannte liechtensteinische Landesbeschreibung entstand 1784. Es ist nicht gesichert, ob sie aus der Feder von Landvogt Franz Michael Gilm von Rosenegg oder von Rentmeister Josef Fritz stammt. Obwohl die ersten Seiten des Dokuments fehlen, gibt es einen umfassenden Überblick über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes und der einzelnen Gemeinden, das religiöse Leben und den Volkscharakter. 1808 wurde Georg Hauer von Fürst Johann I. nach Liechtenstein entsandt, um über die Landesverwaltung und die herrschaftliche Ökonomie zu berichten sowie nötige Reformen aufzuzeigen. Hauers «Lokalisierungsbericht», der unter anderem eine Verwaltungsreform und die Verpachtung der fürstlichen Rechte als einfachste und einträglichste Nutzungsform vorschlug, diente als Grundlage für die Dienstinstruktion für den neuen Landvogt Joseph Schuppler. Dessen Landesbeschreibung von 1815 ist die umfangreichste und bedeutendste. Sie umfasst eine historisch-geografische Darstellung einschliesslich wenig schmeichelhafter Ausführungen über Bildung, Lebensart, Sitten und Bräuche der Bevölkerung, eine Beschreibung der herrschaftlichen Güter sowie detaillierte Ausführungen über die «landesfürstlichen und obrigkeitlichen Einkünfte und Ausgaben». Mit der Landesbeschreibung wollte Schuppler, der sich in Liechtenstein nie wohl fühlte, über die Vollstreckung der Dienstinstruktion Rechenschaft ablegen und sich für eine Versetzung empfehlen.

In Form, Stil und Inhalt, nicht aber in der Intention ist der 1890 von Landesverweser Karl von In der Maur verfasste Rechenschaftsbericht über seine ersten sechs Jahre als Landesverweser (1884–90) mit den Landesbeschreibungen vergleichbar. In der Maur verzichtete auf historisch-geografische Beschreibungen, ging aber weit über einen blossen Tätigkeitsbericht als Exekutivorgan hinaus. So behandelte er zum Beispiel auch den liechtensteinischen Volkscharakter und die Situation der Kirche im Land.

Landesbeschreibungen anderer Art sind die zahlreichen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als umfangreichere Beilagen von Zeitungen und Zeitschriften oder als Monografien erschienenen, eher landeskundlich-touristisch ausgerichteten Beschreibungen des Fürstentums Liechtenstein. Dazu gehören unter anderem die Beschreibungen der ausländischen Autoren Friedrich Umlauft («Das Fürstentum Liechtenstein», 1891), Jakob Christoph Heer («Vorarlberg und Liechtenstein», 1906»), Woldemar von Falz-Fein (1877–1946, 1931 in Ruggell eingebürgert; «Fürstentum Liechtenstein», 1935), Erwin Hinderer («Offizieller Reiseführer durch das Fürstentum Liechtenstein», 1935), Hermann Hiltbrunner («Fürstentum Liechtenstein», 1946), Barbara Greene («Liechtenstein», 1947), Hubert d’Havrincourt («Liechtenstein», 1964), Manfred Schlapp (*1943; «Das ist Liechtenstein», 1980), Jakob Eschenmoser («Fürstentum Liechtenstein», 1985) und Alphons Matt («Unbekannter Nachbar Liechtenstein», 1986). 1956 und 2006 gab der Staat aus Anlass der Souveränitätsjubiläen jeweils ein illustriertes Buch über Liechtenstein heraus.

Literatur

Schuppler/Ospelt: Beschreibung 1815, 1975; Hauer/Vogt: Lokalisierungs-Bericht 1808, 1983; In der Maur/Vogt: Rechenschaftsbericht 1884–90, 1990; Vogt: Brücken, 1990, 88–92.

Zitierweise

Pio Schurti, «Landesbeschreibungen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Landesbeschreibungen, abgerufen am 21.4.2019.