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Lawena

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Autor: Fabian Frommelt | Stand: 31.12.2011

Alp, Gemeinde Triesen. 743,8 ha, davon 209 ha produktive Weide. Alphütte auf 1525 m ü.M. Das kesselartige Lawena-Tal mündet als einziges Hochtal Liechtensteins ins Rheintal. Name von alträtoromanisch lavé(g)na (Lawine).

Bei der ersten Erwähnung um 1509/17 (Luænen) stand die Lawena bereits im Besitz der Dorfgemeinde Triesen. Diese teilte sie durch ihre Dorfordnung von 1595 dem Oberdorf zur Nutzung zu, die Alp Valüna dem Unterdorf. Nachdem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Unwetter und ein Felssturz (1659) einen Teil der Weiden in der Lawena zerstört hatten, kam es zu jahrzehntelangen Prozessen zwischen den beiden Dorfteilen und 1718 zur Aufhebung der Alpteilung. Besitzer der Lawena waren bei der Anlage des Grundbuchs 1809 die Bürger der Gemeinde Triesen. 2004 ging die Lawena von der Gemeinde an die Bürgergenossenschaft Triesen über.

Das Brandisische Urbar (um 1509/17) verzeichnete für die Lawena ein Vogelmolken von 1 Viertel Schmalz und 6 Käsen (1861 abgelöst). 1809 waren für die Lawena je 60 Kühe und Rinder sowie 1000 Schafe zugelassen, heute maximal 120 Grossvieheinheiten. Das Triesner Alpstatut von 1867 zählte sie bereits zu den Galtalpen, aber erst Ende der 1950er Jahre stellte man den Sennereibetrieb ein. Gealpt wurden 1892 zehn Kühe und 143 Stück Galtvieh, 2004 25 Kühe ohne Verkäsung, 168 Kälber und Rinder und 62 Schafe. 1962 waren es noch 740 Schafe gewesen. Gesömmert wurden früher auch Pferde, Stiere, Ochsen, Ziegen, Schweine.

Seit 1778 ist die Verpachtung der Lawena belegt; die Pächter stammten bis 1873 aus der Schweizer Nachbarschaft, danach aus Triesen. 1888–1957 und 1982–2001 wurde die Lawena von der Gemeinde selbst durch einen Betriebsleiter bewirtschaftet. 1957–61 war sie an die Alpbenützergenossenschaft Triesen verpachtet, 1961–81 und ab 2002 an Einzelpersonen.

1808 sind die Sennhütte und Ställe erwähnt; es folgten 1845 eine neue Alphütte und 1862/69 zwei Kuhställe. 1882–1900 erfolgte die Erschliessung der Lawena mit einer fahrbaren Strasse. 1901 wurde eine «Touristenstation» in die Sennhütte integriert; 1916–23 war der Gastwirtschaftsbetrieb infolge des Ersten Weltkriegs eingestellt. Im Winter 1923/24 zerstörte eine Lawine die Alphütte samt Wirtschaft, worauf im bestehenden Stall Alp- und Unterkunftsräume eingerichtet wurden. 1937/38 errichtete die Gemeinde zwei neue Ställe (Säss und Rassla). 1966 riss eine Staublawine die Stallung auf dem Säss weg. Die 1967/68 an gleicher Stelle gebaute Alp- und Touristenhütte mit Stall gilt als lawinensicher. 1981 trat das generelle Berglandsanierungsprojekt Lawena in Kraft (→ Berggebietssanierung).

Auf eine gewerbliche Nutzung weisen die Flurnamen «Kalchofa» (Kalkofen) und «Kolplätzli» (Holzkohlenproduktion) hin, «Branntawiilöcher» auf das Graben von Enzianwurzeln (Schnapsbrennerei). Lukrativ war die vom 18. Jahrhundert bis 1947 betriebene Abholzung der Lawena: Das meist an Private verkaufte Holz wurde mittels einer um 1770 errichteten «Klus» (Bachsperre) durch das Lawenatobel getriftet. 1915 trat die Gemeinde Triesen die Rechte an den Quellen des oberen Lawenatals gegen 20 000 Kronen und die Übernahme des Unterhalts der Lawenastrasse an das Land Liechtenstein ab, das bis 1927 das Lawenawerk baute. Das Hochjagdrevier Lawena umfasst mit den Gebieten Münz, Platta, Gasenza und Wang 1307 ha. Ein 1938 unterhalb der Alphütte gebautes Jagdhaus befindet sich seit 1963 im Eigentum der Gemeinde Triesen. Das abgelegene, geologisch interessante Lawenatal ist ein Refugium für die Alpenflora und -fauna.

Archive

LI LA; GAT.

Literatur

G. Negele: Lawena-Hochalpe, in: Bergheimat 1974, 55–68; Büchel: Gemeinde Triesen 1, 1989, 390–468; FLNB I/1.

Zitierweise

Fabian Frommelt, «Lawena», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Lawena, abgerufen am 25.3.2019.

Medien

Schafe in der Demmera im hinteren Lawenatal, 1924 (Stiftung Kanonikus Anton Frommelt). Foto: Anton Frommelt.