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Liechtenstein, Alois I. Josef von

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Autor: Herbert Haupt | Stand: 31.12.2011

Landesfürst. *14.5.1759 Wien, †24.3.1805 Wien, // Wranau. Sohn des Franz Josef I. und der Maria Leopoldine Gräfin von Sternberg, sieben Geschwister, unter anderem Johann I. Josef.  15.11.1783 Karoline Reichsgräfin von Manderscheidt-Blankenheim (*14.11.1768, †11.6.1831).

Alois I. liess schon in jungen Jahren eine ausgeprägte Neigung zu Kunst und Wissenschaft erkennen, der in der Ausbildung nach Kräften Rechnung getragen wurde. Nach einem kurzen und ungeliebten Zwischenspiel im bayerischen Erbfolgekrieg 1778–79 quittierte Alois I. 1786 im Rang eines Oberstleutnants im Regiment Lacy endgültig den Militärdienst. Schon fünf Jahre zuvor hatte er 1781 im Alter von nur 22 Jahren das Majorat und damit die Regentschaft in der Familie und in Liechtenstein übernommen. Alois I. führte die von seinem Vater Franz Josef I. eingeleitete Modernisierung und Intensivierung der fürstlichen Gutsbetriebe erfolgreich weiter. Der Fürst war einer der prominentesten Förderer der eben neu entstandenen «Ökonomischen Gesellschaften» in Österreich. Planmässige Züchtungen verbesserten die Qualität des Viehbestands und garantierten höhere Umsätze und mehr Gewinn. Die von Alois I. im Bereich der Agrarwirtschaft eingesetzten rationellen Methoden erinnern an spätere Aktivitäten des zur Legende gewordenen Erzherzogs Johann in der Steiermark. Alois I. liess auf seinen Forsten ausländische Nutz- und Edelhölzer in grossem Stil anpflanzen – glaubhafte Schätzungen sprechen von Hunderttausenden von Bäumen. Zu diesem Zweck waren im Auftrag des Fürsten Botaniker und Forstexperten in ganz Europa und in Nordamerika unterwegs. Neu angelegte Transportwege erschlossen neue Produktionsgebiete und neue Absatzmärkte. Daneben pflegte Alois I. den hochadeligen Lebensstil mit den Schwerpunkten Architektur, Theater und Musik. Die zeitgemässe Umgestaltung der fürstlichen Bauten, beispielsweise des Majoratspalais in der Herrengasse in Wien, lag in den Händen von Josef Hardtmuth (1758–1816). Der geniale Architekt, Erfinder und Techniker hatte 1790 seinen Dienst als fürstlicher Hofarchitekt angetreten. In seine Verantwortung als fürstlicher Baudirektor fiel die Ausschmückung des Eisgruber Schlossparks mit klassizistischen Kleinbauten sowie mit orientalischen und romantischen Objekten (Türkischer Turm, Moschee). Im neu erbauten, zweistöckigen Schlosstheater in Feldsberg gastierten jährlich prominente Theatergesellschaften, wie das Ensemble des Wiener Theaters in der Josefstadt, des Stadttheaters Baden und des Brünner Theaters. Es folgten Theaterein- und -neubauten im Schloss Eisgrub und im Wiener Palais. Alois I. unterhielt seit 1789 ein fest engagiertes Hausorchester, an dessen Leitung kurzzeitig auch Wolfgang Amadeus Mozart Interesse zeigte. Es scheint, dass Mozart eine Serenade und seine bekannte «Nacht Musique» in c-moll (KV 388) für Blasinstrumente für die fürstliche Hauskapelle schrieb. Die besondere Liebe des Fürsten galt den grafischen Künsten und der Bibliothek. Sie äusserte sich im Ankauf bibliophiler Raritäten, aber auch in der Erwerbung kompletter Sammlungsbestände, darunter der Bibliothek des Fürsten Carl de Ligne (1793) und der Kupferstichsammlung des Barons Gundel (1783). Unter Alois I. wurde die liechtensteinische Bibliothek zu einer der grössten und bestbestückten Österreichs. Zu ihrer Unterbringung erbaute der Fürst im Wiener Majoratspalais in der Herrengasse neue Räume. Der in klassizistischem Stil errichtete und ausgestattete 56 m lange Hauptraum der fürstlichen Bibliothek galt schon bald als eine besondere Sehenswürdigkeit Wiens. Ganz in der Tradition der Familie stand das Bemühen des Fürsten um die Erhaltung und den Ausbau der Gemäldegalerie, an deren Spitze während der gesamten Regierungszeit Alois I. der Galerieinspektor Johann Anton Dallinger von Dalling stand. Von ihm stammt auch der im Todesjahr des Fürsten 1805 verfasste handschriftliche Katalog der Majoratsgalerie. Insgesamt umfasste die Galerie in Wien damals ca. 800 Bilder, unter ihnen 306 Gemälde, die im Auftrag des Fürsten von Händlern und Privatpersonen neu erworben worden waren.

Alois I. hielt sich bewusst und konsequent von politischen Aktivitäten fern. Die weltgeschichtlichen Ereignisse der Zeit (Französische Revolution, Napoleonische Kriege, Ausrufung des Kaisertums Österreich) hatten auf das ruhige und primär auf die Interessen der Familie orientierte Leben des Fürsten keinen sichtbaren Einfluss. Die Verleihung des Ordens vom Goldenen Vlies durch Kaiser Leopold II. am 23.11.1790 war Ausdruck der Anerkennung für einen zurückhaltenden Adeligen, dessen grosszügiger Unterstützung sich das Kaiserhaus auch in schwieriger Lage jederzeit sicher sein konnte. Der immer wieder von Krankheiten heimgesuchte Fürst starb im März 1805 im Alter von 46 Jahren in Wien. Da seine Ehe mit der Reichsgräfin Karoline von Manderscheidt-Blankenheim kinderlos geblieben war, folgte ihm sein jüngerer Bruder Johann I. Josef in der Regierung.

Alois I. respektierte die althergebrachten Rechtsgewohnheiten seiner liechtensteinischen Untertanen. Er ergriff die Initiative zur Errichtung eines geordneten Schulwesens in Liechtenstein (1805). Auf dem Totenbett vermachte er den Hausarmen in Liechtenstein für 400 Gulden Korn.

Literatur

Wurzbach 15, 139f.; J. von Falke: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein 3, 1882, 275–280; Helbert/Büchel: Chronik, 1929, 121; Malin: Geschichte, 1953, 28, 31, 76–79; G. Wilhelm: Die Fürsten von Liechtenstein und ihre Beziehungen zu Kunst und Wissenschaft, in: Jahrbuch der liechtensteinischen Kunstgesellschaft 1976, 9–180, bes. 134–143; G. Wilhelm: Joseph Hardtmuth 1758–1816, 1990; E. Oberhammer: Die Fürstlich Liechtensteinische Fideikommissbibliothek, in: Archives et Bibliothèques de Belgique 63 (1992), 181–189; H. Wanger: Die Regierenden Fürsten von Liechtenstein, 1995, 115–119; G. Schöpfer: Klar und fest, 1996, 92–96; S. Körner: Die Gärten des Fürsten Aloys von Liechtenstein, in: JBL 104 (2005), 85–136.

Abbildungen

Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein.

Zitierweise

Herbert Haupt, «Liechtenstein, Alois I. Josef von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Liechtenstein,_Alois_I._Josef_von, abgerufen am 21.2.2019.

Normdaten

GND: 129115460

Medien

Alois I. Josef von Liechtenstein, 1794. Ölgemälde von Eduard Ströhling (*1768, † nach 1826). © LIECHTENSTEIN, The Princely Collections, Vaduz–Vienna.