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Liechtenstein, Eduard von

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Autorin: Evelin Oberhammer | Stand: 31.12.2011

Diplomat. *2.9.1872 Laibach (Ljubljana, Slowenien), †8.3.1951 Monte Carlo, Österreicher, ab 1919 von Vaduz. Sohn des Alois und der Anna, geb. Gräfin von Degenfeld-Schonburg, ein Bruder.  31.8.1898 Olga Gräfin von Pückler und Limpurg (*11.4.1873, †14.2.1966), sechs Kinder.

Kindheit in Berlin. 1881–91 Gymnasium in Wien und Kalksburg (NÖ), bis 1898 Studium der Rechtswissenschaften in Wien, Freiburg i.Üe., Graz und Innsbruck, Dr. iur. 1897 trat Eduard in den österreichischen Verwaltungsdienst ein, den er im Land Salzburg, als Bezirkshauptmann von Marienbad (Mariánské Lázně, CZ) sowie im österreichischen Innenministerium versah. Pläne, wonach er das Amt des Landespräsidenten von Salzburg erhalten sollte (1913), kamen nicht zustande. 1914 wurde Eduard mit der Leitung des Kriegs-Hilfs-Büros betraut. Sein Engagement für humanitäre Fragen brachte ihm 1918 eine Berufung in das Ministerium für soziale Fürsorge. Am 26.5.1918 schied er aus dem Staatsdienst aus und wurde bis Ende 1918 Präsident der Allgemeinen Pensionsanstalt für Angestellte und Verwaltungsrat der Bodencreditanstalt. 1919–21 war Eduard Geschäftsträger der liechtensteinischen Gesandtschaft in Wien, deren Errichtung er, ebenso wie die der Gesandtschaft in Bern (beide 1919), angeregt hatte. Als Voraussetzung dafür trat er aus dem deutschösterreichischen Staatsverband aus und nahm die liechtensteinische Staatsbürgerschaft an. Seine Amtstätigkeit war von Kompetenz- und Interessenskonflikten mit den liechtensteinischen Behörden und Exponenten der Volkspartei, vor allem Wilhelm Beck, überschattet. Eduard wollte, dass die Wiener Gesandtschaft die liechtensteinische Aussenpolitik führte. 1920 wurden ein Handelsvertrag und ein Postabkommen mit Österreich unterzeichnet. Eduards Bemühungen um die völkerrechtliche Anerkennung der Souveränität und die Neutralität des Landes an der Pariser Friedenskonferenz, unter anderem durch das Verfassen einer an die Ententemächte gerichteten Denkschrift 1919, blieben dagegen ohne sichtbaren Erfolg.

Seine Rolle in den Zollvertragsverhandlungen mit der Schweiz, die er im Buch «Liechtensteins Weg von Österreich zur Schweiz» (1946) beschrieb, wurde schon 1919/20 in den liechtensteinischen Zeitungen debattiert. 1948 kritisierte Ferdinand Nigg im «Liechtensteiner Vaterland» Eduards Buch heftig, wohingegen das «Liechtensteiner Volksblatt» Eduard unterstützte.

1919 hatte Eduard aufgrund der hohen Erbschaftsteuer für Ausländer in der Tschechoslowakei vorgeschlagen, drei Thronfolger zu überspringen und auf Johann II. dessen Grossneffen Franz Josef folgen zu lassen. 1923 verzichteten die Prinzen Franz und Alois auf ihre Thronfolgerechte, nicht aber Prinz Franz, der Bruder des Fürsten. 1912 preussischer Roter Adler-Orden, 1915 Hofrat, 1916 Ehrenmitglied des Militär-, Witwen- und Waisenfonds.

Literatur

I. Froschauer: Dr. Eduard Prinz von und zu Liechtenstein, 1985; C. Sulzbacher: Die aussenpolitische Gesandtschaftstätigkeit des liechtensteinischen Gesandten in Österreich Dr. Eduard Prinz von und zu Liechtenstein 1919– 1921, Diplomarbeit Salzburg, Ms. 1997 (LBFL); M. Hofstetter: Der Zollvertrag zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein, Liz. Freiburg i.Üe., Ms. 2000 (LBFL), 114–121.

Zitierweise

Evelin Oberhammer, «Liechtenstein, Eduard von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Liechtenstein,_Eduard_von, abgerufen am 16.2.2019.

Normdaten

GND: 118838814

Medien

Eduard von Liechtenstein, 1920. Detail einer Fotografie (Bildarchiv LLM).