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Liechtenstein, Karl Eusebius von

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Autor: Herbert Haupt | Stand: 31.12.2011

*April 1611, †5.2.1684 Schwarzkosteletz (Kostelec nad Černými Lesy), // Schwarzkosteletz, ab 1699 Wranau. Sohn Karls I. und der Anna Maria Černohorský von Boskowitz, vier Geschwister.  September 1644 Johanna Beatrix Gräfin von Dietrichstein (†26.3.1676), Tochter von Karl Eusebius’ Schwester Anna Maria, elf Kinder, unter anderem Johann Adam I. Andreas.

Karl Eusebius verbrachte die Kindheit in Wien, seit 1622 am väterlichen Hof in Schloss Eisgrub. Nach dem Tod Fürst Karls 1627 absolvierte er gemeinsam mit seinem Vetter Hartmann eine mehrjährige Kavalierstour («Länderreise»). 1627–32 führte Karl Eusebius’ Onkel Maximilian I. die vormundschaftliche Regierung. 1632 erfolgte die Huldigung der Stände in den Herzogtümern Troppau und Jägerndorf. Nach Aufenthalten am Kaiserhof in Wien versah Karl Eusebius 1639–41 das Amt eines Oberhauptmanns der Herzogtümer Ober- und Niederschlesiens. Durch die Pest und die Plünderungen kam es im Dreissigjährigen Krieg zum wirtschaftlichen Niedergang der fürstlichen Herrschaften in Böhmen, Mähren und Niederösterreich. 1645 erzwang der Einfall der Schweden die Flucht Karl Eusebius’ und seiner Frau nach Graz. Nach der Rückkehr widmete er sich dem Wiederaufbau des zerstörten Familienbesitzes. Immer wieder sah sich der Fürst mit finanziellen Forderungen konfrontiert. Sie beruhten auf der Anschuldigung, sein Vater Fürst Karl I. habe sich während seiner Statthalterschaft in Böhmen zum Schaden des Fiskus bereichert. Nachdem sich Karl Eusebius zur Zahlung eines bedeutenden Kriegsdarlehens bereit erklärt hatte, endete der jahrzehntelange Prozess am 15.5.1665 mit der Erteilung der «Generalabsolution» durch Kaiser Leopold I. Karl Eusebius zog sich in der Folge immer mehr nach Feldsberg zurück, das er nach kaiserlichem Vorbild zur fürstlichen Residenz ausbaute. Für politische Ämter stand Karl Eusebius nicht mehr zur Verfügung. Sein Verdienst um das fürstliche Haus bestand im kulturellen Bereich. In der Person von Karl Eusebius manifestiert sich die Macht kulturellen Schaffens als eine die Zeit überdauernde Kraft, die gleichwertig und im Zusammenspiel mit Wirtschaft und Politik dem fürstlichen Haus zu Ruhm und weitreichender Anerkennung verhalf. Die Gründung der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein, die berühmten liechtensteinischen Gestüte sowie das Engagement des Fürsten auf dem Gebiet der Architektur sicherten Karl Eusebius einen Platz in der ersten Reihe des an kunstsinnigen Fürsten so reichen 17. Jahrhunderts.

Literatur

Wurzbach 15, 130; J. von Falke: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein 2, 1877, 301–322; V. Fleischer: Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein als Bauherr und Kunstsammler (1611–1684), 1910; H. Wanger: Die Regierenden Fürsten von Liechtenstein, 1995, 55–63; G. Schöpfer: Klar und fest, 1996, 49–53; H. Haupt: Von der Leidenschaft zum Schönen, 2 Bde., 1998.

Abbildungen

Hausarchiv des Regierenden Fürsten von Liechtenstein, Vaduz; Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein.

Zitierweise

Herbert Haupt, «Liechtenstein, Karl Eusebius von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Liechtenstein,_Karl_Eusebius_von, abgerufen am 20.2.2019.

Normdaten

GND: 1089449372

Medien

Karl Eusebius von Liechtenstein, um 1640. Ölgemälde eines unbekannten Meisters. © LIECHTENSTEIN, The Princely Collections, Vaduz–Vienna.