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Liechtenstein, Karl I. von

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Autor: Herbert Haupt | Stand: 31.12.2011

*30.7.1569 vermutlich Feldsberg, †12.2.1627 Prag, // Troppau, ab 1633 Wranau, eventuell, ab 1599 katholisch. Ältester Sohn Hartmanns II. und der Anna Gräfin von Ortenburg, acht Geschwister, unter anderem Maximilian I. und Gundaker.  um 1592 Anna Maria Černohorský von Boskowitz (* um 1576, †6.6.1625), fünf Kinder, unter anderem Karl Eusebius.

Der im evangelischen Glauben erzogene Karl I. besuchte die Schule der Mährischen Brüder in Eibenschütz (Ivančice) bei Brünn und ab 1585 die Universität von Basel. 1592 wurde er Kämmerer von Erzherzog Matthias von Österreich, 1595 Beisitzer im mährischen Landrecht, dem Ständeparlament. 1596 folgte er seinem Onkel Johann Septimius als Senior der Familie. 1600 wurde er von Kaiser Rudolf II. als Obersthofmeister nach Prag berufen. Er versah dieses höchste Hofamt, mit dem der Vorsitz im Geheimen Rat verbunden war, mit Unterbrechungen bis zum Herbst 1607. 1602 oder 1603 wurde er mit dem Indigenat in Ungarn bedacht, 1604–07 war er Landeshauptmann von Mähren. Am 17.5.1606 verlieh Kaiser Rudolf II. ihm und den jeweils erstgeborenen Nachkommen das Prädikat «Hoch- und Wohlgeboren». Karl I. schuf im Familienvertrag («Erbeinigung») mit seinen Brüdern Maximilian und Gundaker vom 29.9.1606 die Grundlage für das noch heute gültige Hausrecht. Dieses setzte als wichtigste Neuerung den Übergang vom Seniorat zum Majorat fest. Als «Primogenitus» und erstem «Regierer des Hauses» entfielen auf Karl I. die niederösterreichischen Herrschaften Feldsberg und Herrenbaumgarten sowie die mährischen Dominien Eisgrub und Plumenau (Plumlov). Ausserdem besass er Mährisch-Aussee (Úsov) und Czernahora (Černá Hora). Das von Kaiser Rudolf II. im März 1607 verliehene Grosse Palatinat begründete unter anderem die von Karl I. in der Folge kontinuierlich wahrgenommene Münzhoheit. Im habsburgischen Nachfolgestreit stand Karl I. in massgeblicher Funktion an der Seite von Erzherzog Matthias. Am 20.12.1608 erhob dieser ihn in den erblichen Fürstenstand und verlieh ihm am 30.5.1612, kurz vor seiner Wahl zum Kaiser, die Präzedenz im Herrenstand der Landtage Österreichs und Mährens. Seit der Verleihung des schlesischen Herzogtums Troppau am 4.1.1614 durch Kaiser Matthias führte Karl I. auch den Titel eines Herzogs. Am 6.8.1618 erfolgte die Verleihung des Ehrenprädikats «Oheim» durch Kaiser Matthias, am 23.6.1620 die Bestätigung des erblichen Fürstenstands durch Kaiser Ferdinand II. Während des Aufstands der böhmischen Stände 1619–20 verlor Karl I. das Herzogtum Troppau und alle Besitzungen in Mähren. Gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian nahm er in führender Position an der Schlacht am Weissen Berg teil (7.11.1620). Nach dem Sieg der kaiserlichen Armee führte Karl I. im Auftrag Kaiser Ferdinands II. den Prozess gegen die gefangen genommenen Anführer des böhmischen Aufstands durch und präsidierte deren öffentliche Hinrichtung am 21.6.1621 am Altstädter Ring in Prag. Am 17.1.1622 ernannte ihn der Kaiser ihn zum kaiserlichen, bevollmächtigten Statthalter (Vizekönig) von Böhmen. Als Belohnung für geleistete Dienste belehnte der Kaiser ihn am 15.3.1622 mit dem Herzogtum Jägerndorf und schenkte ihm mehrere Herrschaften in Mähren. Auch erhielt er das Herzogtum Troppau zurück. Karl I. vermehrte den liechtensteinischen Grundbesitz zusätzlich durch den billigen Erwerb konfiszierter «Rebellengüter», darunter der böhmischen Herrschaften Schwarzkosteletz (Kostelec nad Černými Lesy), Aurinowes (Úhříněves) und Skworetz (Škvorec). Die erforderlichen Geldsummen hatte sich Karl I. nicht zuletzt durch die Beteiligung am berüchtigten Prager Münzkonsortium 1622 gesichert. Am 27.4.1622 wurde Karl I. als erstes Mitglied des Hauses mit dem Orden vom Goldenen Vlies ausgezeichnet. Nach seinem Tod kamen die Bestimmungen der «Erbeinigung» hinsichtlich des Familienbesitzes und der Nachfolge erstmals zur Anwendung, und Fürst Maximilian übernahm für Karls noch minderjährigen Sohn Karl Eusebius bis 1632 die vormundschaftliche Regierung.

Archive

Hausarchiv des Regierenden Fürsten von Liechtenstein, Vaduz.

Literatur

J. von Falke: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein 2, 1877, 125–242; ADB 18, 614–618; H. Haupt: Fürst Karl I. von Liechtenstein, Obersthofmeister Kaiser Rudolfs II. und Vizekönig von Böhmen, 2 Bde., 1983; NDB 14, 515f.; H. Wanger: Die Regierenden Fürsten von Liechtenstein, 1995, 35–53, G. Schöpfer: Klar und fest, 1996, 35–43.

Abbildungen

Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein.

Zitierweise

Herbert Haupt, «Liechtenstein, Karl I. von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Liechtenstein,_Karl_I._von, abgerufen am 21.2.2019.

Normdaten

GND: 118720899

Medien

Karl I. von Liechtenstein, um 1625. Ölgemälde eines unbekannten Meisters. © LIECHTENSTEIN, The Princely Collections, Vaduz–Vienna.