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Liechtensteinisches Landesmuseum

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Autor: Markus Burgmeier | Stand: 31.12.2011

Das Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz besteht seit 1972 als liechtensteinisches Nationalmuseum. Es umfasst die Kulturgeschichte und seit 2003 zusätzlich die Naturkunde (→ Naturkundliche Sammlung des Fürstentums Liechtenstein). Seine Ursprünge liegen im Bemühen des späten 19. Jahrhunderts, die Abwanderung von altem, wertvollem Kulturgut ins Ausland zu unterbinden.

1893 unterbreitete Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion dem Fürsten Johann II. Pläne für ein «Fürstliches Landesmuseum» in Vaduz. Dieser stimmte zu, stellte Ausstellungsräume im Schloss Vaduz zur Verfügung und übergab der Sammlung verschiedene Exponate. 1894 legte Stellwag von Carion ein erstes Verzeichnis der für das Museum erworbenen Objekte vor. Infolge von Renovationsarbeiten am Schloss Vaduz mussten die Ausstellungsräume 1905 aufgegeben werden. Ein Teil der Sammlung wurde bis 1926 im neuen Regierungsgebäude ausgestellt.

Um 1910/11 ging die Sammlung in die Obhut des 1901 gegründeten Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein über, der eine reichhaltige, anfangs vorwiegend archäologische Sammlung aufbaute. Vorstandsmitglied Egon Rheinberger war 1909–36 erster Konservator. 1912 ergänzte der Historische Verein seine Statuten um die Aufgabe, die ihm anvertraute Sammlung liechtensteinischer «Altertümer» zu erweitern. Nach seinem Amtsantritt als Konservator 1936 legte Anton Frommelt ab 1940/41 ein Inventar der Sammlung an, das später aber nicht weitergeführt wurde. Erst seit 1981 führt das Liechtensteinische Landesmuseum ein lückenloses Eingangsverzeichnis, erarbeitet ein Sammlungsinventar und erstellt zurzeit einen EDV-Sammlungskatalog.

1929 überliess Fürst Franz I. dem Historischen Verein erneut Räumlichkeiten für Ausstellungen auf Schloss Vaduz. Nachdem Fürst Franz Josef II. 1938 im Schloss Wohnsitz genommen hatte, wurden die Sammlungen 1940 in das Rathaus von Vaduz überführt und der 1937 gemachte Aufruf zur Ausweitung der Sammlung auf Gebrauchs- und Alltagsgegenstände teilweise zurückgenommen. Zusätzlich diente ein Raum im Engländerbau provisorisch der Bewahrung von Sammlungsstücken. Ab 1954 konnte der Historische Verein seine Sammlung im neuen Gebäude der Liechtensteinischen Landesbank in Vaduz unter dem Namen «Landesmuseum» angemessen präsentieren.

1955 übernahm David Beck, der neue Präsident des Historischen Vereins, die Aufgabe des Konservators und damit die Leitung des Museums. Die Sonderausstellung «Altes Kulturgut der Heimat» lenkte 1959 die Aufmerksamkeit auf neue Sammelgebiete. 1967, ein Jahr nachdem Felix Marxer die Nachfolge von David Beck angetreten hatte, kündigte die Landesbank den Nutzungsvertrag mit dem Historischen Verein, worauf das Sammelgut in mehreren Gebäuden in Vaduz deponiert wurde. Im gleichen Jahr erwarb das Land Liechtenstein die ehemalige herrschaftliche Taverne im Vaduzer Städtli, welche es bis 1970 für das Museum umbaute. Am 15.4.1972 wurde die neue Ausstellung in den renovierten Räumlichkeiten unter dem Namen Liechtensteinisches Landesmuseum eröffnet, wobei das Liechtensteinische Landesmuseum per Gesetz in eine Stiftung des öffentlichen Rechts und somit in eine selbständige Institution umgewandelt wurde. Der Historische Verein stellte der Stiftung seine Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung (1989 vertraglich geregelt). 1987 trat Norbert W. Hasler die Nachfolge von Felix Marxer als Konservator an, womit die Personalunion zwischen Vereinsvorsitz und Museumsleitung endete.

Nachdem 1985 ein Wassereinbruch in den Depoträumen des Liechtensteinischen Landesmuseums schwere Schäden an den Sammlungsbeständen verursacht hatte, führten massive, durch eine nahe gelegene Grossbaustelle verursachte Bauschäden am Museumsgebäude 1992 zur Schliessung des Liechtensteinischen Landesmuseums und zur Evakuierung aller Exponate in die 1991 fertiggestellten Depoträume in Triesen. 1994 eröffnete das Liechtensteinischen Landesmuseums als Aussenstelle ein bäuerliches Wohnmuseum im Biedermann-Haus in Schellenberg. Das 1998–2003 vom Balzner Architekturbüro Johannes Brunner, Frank Brunhart und Christoph Kranz umgebaute und erweiterte Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz wurde am 29.11.2003 als dreiteiliger Gebäudekomplex wiedereröffnet. Es umfasst neu neben der ehemaligen herrschaftlichen Taverne auch das Verweserhaus und einen modernen Erweiterungsbau, welcher durch seine Verkleidung mit Naturstein die Aussenwirkung einer den Schlosshang sichernden Stützmauer besitzt. Die neue Dauerausstellung vermittelt Einblick in die liechtensteinische Landeskunde. Sie ist thematisch durch sechs Leitbegriffe gegliedert, welche die Tätigkeiten des Menschen anhand der Sammlungsobjekte darstellen und über den zeitlich-inhaltlichen Schwerpunkt hinaus in einen museumsübergreifenden, thematischen Zusammenhang bringen: siedeln (Schwerpunkt: Archäologie), schützen (Mittelalter), herrschen (Neuzeit), schaffen (19. und 20. Jahrhundert), feiern (Volkskunde, Brauchtum), nutzen (Naturgeschichte). Zwischen 1972 und 2003 führte das Liechtensteinische Landesmuseum über 50 Sonderausstellungen zu historischen, volks- und naturkundlichen, landesbezogenen und weltpolitische Themen durch (z.B. «50 Jahre Zollvertrag mit der Schweiz», «Luchs und Wildkatze», «Prosit Neujahr», «Fürstenporträts», «Flüchtlingskinder malen ihre Welt», «Tibet in Kunst und Kultur», «Fabriklerleben»).

Literatur

Liechtensteinisches Landesmuseum. Geschichte, Sammlungen, Ausstellungen, Bauten, Redaktion: Hansjörg Frommelt, Norbert W. Hasler, 2004.

Zitierweise

Markus Burgmeier, «Liechtensteinisches Landesmuseum», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Liechtensteinisches_Landesmuseum, abgerufen am 22.2.2019.

Medien

Liechtensteinisches Landesmuseum, 2003. Fotografie (Bildarchiv LLM).