Aktionen

Münzfunde

Wechseln zu: Navigation, Suche

Autor: Benedikt Zäch | Stand: 31.12.2011

Verlorene oder verborgene Münzen erhalten sich unter günstigen Bedingungen im Boden oder in anderen Verstecken und werden als archäologische Funde wiederentdeckt. Unterschieden werden Einzelfunde (archäologische Streufunde) und Hortfunde, die Sparvorgänge wiedergeben. Hinzu kommen Sonderformen wie Bauopfer und andere rituelle Deponierungen (z.B. in Gräbern). Der Aussagewert dieser Fundarten ist unterschiedlich. Einzelfunde stammen unter anderem aus Siedlungen und dokumentieren in der Regel den Kleingeldumlauf. Hortfunde enthalten oft höherwertige Münzen, die in einem überregionalen Umfeld zirkulierten; solche Münzfunde lassen Rückschlüsse auf wirtschaftliche (Handel) und politische Beziehungen zu.

Liechtenstein ist trotz der kleinen Fläche reich an Münzfunden, was die Anbindung an wichtige Verkehrswege unterstreicht. Die beiden ältesten in Liechtenstein gefundenen Münzen stammen aus Balzers: ein keltischer Silberstater aus der Nordschweiz (2./1. Jahrhundert v.Chr.) vom Runden Büchel und ein keltischer Quinar aus dem östlichen Mittelgallien (1. Jahrhundert v.Chr.) vom Burghügel Gutenberg. Römische Münzen aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. weisen auf bereits vor der Eingliederung des Alpenrheintals ins römische Reich bestehende Handelsbeziehungen nach Süden hin. In römischer Zeit (ab 15 v.Chr.) sind grössere Münzfunde vor allem aus dem 3./4. Jahrhundert von den Höhensiedlungen auf dem Krüppel in Schaan und auf dem Lutzengüetle sowie aus Balzers überliefert. Ein römischer Münzschatz mit 25 Münzen der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n.Chr. wurde im Ried zwischen Ruggell und Nofels (Vorarlberg) entdeckt.

Münzfunde des Frühmittelalters sind aus Liechtenstein nicht bekannt. Sie bleiben bis ins 13. Jahrhundert äusserst spärlich (zwei karolingische Denare und zwei hochmittelalterliche Pfennige aus Bendern). Wertvolle Zeugnisse für den Geldumlauf im Spätmittelalter sind die Münzschätze aus Vaduz-Altabach mit 2434 Münzen (gefunden 1957, verborgen um 1360/65) und Ruggell-Schellenberger Wald mit 611 Münzen (gefunden 1930/31, verborgen um 1460). Diese beiden zu den bedeutendsten Hortfunden des Alpenrheintals gehörenden Münzfunde sind frühe Belege für den Umlauf neuer Goldmünzen (Vaduz) und grösserer Silbermünzen (Ruggell) in diesem Gebiet. Ähnlich bedeutende Hortfunde sind aus der Neuzeit nicht überliefert. Reiche Münzfunde erbrachten jedoch Siedlungsgrabungen zum Beispiel auf dem Kirchhügel Bendern oder in der Pfarrkirche von Mauren.

Literatur

Overbeck: Alpenrheintal 1–2, 1973/82; B. Zäch: Münzfunde und Geldumlauf im mittelalterlichen Alpenrheintal, in: JBL 92 (1994), 201–240; D. Schmutz: Der Münzschatz vom «Schellenberger Wald», in: JBL 99 (2000), 37–138; H.R. Derschka: Die Fundmünzen vom Kirchhügel Bendern, in: JBL 102 (2003), 89–188.

Zitierweise

Benedikt Zäch, «Münzfunde», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Münzfunde, abgerufen am 16.2.2019.