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Münzwesen

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Autor: Benedikt Zäch | Stand: 31.12.2011

Unter Münzwesen wird die Ausübung des Münzrechts, die Organisation der Münzprägung, die Regelung des Münzumlaufs und die Verwaltung der «Münzsachen» verstanden.

Obschon die Fürsten von Liechtenstein ab 1607 ein Münzrecht besassen, übten sie es nach dem Erwerb der Herrschaft Schellenberg (1699) und der Grafschaft Vaduz (1712) und deren Vereinigung zum Reichsfürstentum Liechtenstein 1719 nie im Land Liechtenstein aus. Die fürstliche Münzprägung des 17. und 18. Jahrhunderts gehört daher nicht zur Geschichte Liechtensteins.

Vor dem 19. Jahrhundert sind in Liechtenstein keine eigenständigen Massnahmen zur Regelung des Münzumlaufs festzustellen. Zwar war Liechtenstein im 18./19. Jahrhundert Mitglied verschiedener Münzverträge (→ Geld), aber daraus entwickelte sich weder eine eigenständige Regelung des Münzwesens noch die Ausgabe eigener Münzen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich das Land Liechtenstein um das Münzwesen zu bemühen. Es stand dabei stets in enger Verbindung mit den Nachbarn, zunächst mit Österreich und ab 1924 mit der Schweiz.

Die erste Prägung einer liechtensteinischen Landesmünze, des Vereinstalers, erfolgte 1862 aufgrund der Mitgliedschaft im deutsch-österreichischen Münzverein ab 1857. Alle Vertragsstaaten waren verpflichtet, bis Ende 1862 mindestens 24 1-Vereinstaler-Stücke pro 100 Einwohner zu prägen. Diese liechtensteinische Münze blieb mit einer Auflage von nur 1920 Stück eine isolierte Erscheinung; den Münzumlauf in Liechtenstein deckten weiterhin österreichische Münzen.

Nach dem Wechsel zur Kronen-Goldwährung 1898 prägte Liechtenstein 1898–1915 3000 Goldmünzen und 377 500 Silbermünzen. Die in Wien geprägten Münzen brachten dem Staat willkommene Münzprägungsgewinne, waren jedoch wirtschaftlich unbedeutend. Dasselbe gilt für die Prägung von 155 000 Frankenmünzen 1924, die nur in Liechtenstein und im benachbarten Schweizer Raum Maienfeld–Mels–Rüti als Zahlungsmittel zugelassen waren und 1930–31 aufgrund einer zwischenstaatlichen Vereinbarung wieder aus dem Verkehr gezogen wurden. Um die Vereinheitlichung des Schweizer Geldumlaufs nicht zu stören, verpflichtete sich Liechtenstein, künftig nur noch Goldmünzen zu prägen.

Seit 1930 haben die teils zu bestimmten Anlässen herausgegebenen liechtensteinischen Münzen weitgehend repräsentativen Charakter ohne faktische Geldfunktion. Ikonografisch konzentrieren sie sich auf Wappen und Bildnisse aus dem Fürstenhaus, so die Goldprägungen von 1930 (zum Regierungsantritt Fürst Franz’ I.), 1946, 1952 und 1956 (zum 50. Geburtstag Franz Josefs II.). Die 1961 zum 100-Jahr-Jubiläum der Liechtensteinischen Landesbank geprägten Goldmünzen gelangten auf Wunsch der Schweiz aus währungspolitischen Gründen vorerst nicht in den Umlauf und wurden erst 1986 zum 125-Jahr-Jubiläum ausgegeben. Weitere liechtensteinische Münzprägungen erfolgten 1988 aus Anlass des 50. Regierungsjubiläums Franz Josefs II., 1990 zur Erbhuldigung für Hans Adam II. und 2006 zur Feier «200 Jahre Souveränität». Die Frankenmünzen wurden bis 1961 und wieder 2006 in Bern geprägt, 1988 und 1990 in Le Locle (NE).

Literatur

E.H. Batliner: Das Geld- und Kreditwesen des Fürstentums Liechtenstein in Vergangenheit und Gegenwart, 1959; O. Seger: Hundert Jahre Liechtensteinische Landesbank, 1961, 59–67; H. Rittmann: Kleine Münz- und Geldgeschichte von Liechtenstein, 1977; J.-P. Divo: Die Münzen und Medaillen der Fürsten von Liechtenstein, 2000; K. Heeb: 80 Jahre Schweizer Franken in Liechtenstein, 2004.

Zitierweise

Benedikt Zäch, «Münzwesen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Münzwesen, abgerufen am 22.1.2019.

Medien

Liechtensteinische Münzen seit 1862