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Maienfeld

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Autor: Florian Hitz | Stand: 31.12.2011

Politische Gemeinde im Kanton Graubünden, Kreis Maienfeld, Bezirk Landquart, 2612 Einwohner (2011). Neben der Stadtsiedlung umfasst Maienfeld die am Hang liegenden Weiler Rofels und Bovel sowie Guscha. Der Steighof auf der Sankt Luzisteig bildet eine Maienfelder Enklave im Territorium der Gemeinde Fläsch. Um 842 curtis Lupinis, 10.–13. Jahrhundert Lupinum, Lopine, Luppins, 1149 Maging, 1156 curtis de Mayen, 1295 Maienvelt (Letzteres auf die lokale Burg bezogen).

Jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Artefakte wurden vor allem in den höher gelegenen Weinbergen geborgen. Um einen um 842 erwähnten karolingischen Hof bildete sich im Hochmittelalter ein Dorf. Im 13.–15. Jahrhundert entstand daraus eine ummauerte Stadtsiedlung, die sich an die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnte und im 15. Jahrhundert ausgebaute landesherrliche Burg lehnte.

Um 842 wird eine königliche Eigenkirche erwähnt. Das Patrozinium St. Amandus erscheint 1105 für die nachmalige Stadtkirche. Diese galt bis zum Stadtbrand 1458 als Filiale der Kirche auf der St. Luzisteig; nach dem Neubau (Weihe 1465) rückte sie selbst zur Pfarrkirche auf. 1479 wurde sie dem Kloster Pfäfers inkorporiert. 1529 schloss sich Maienfeld der Reformation an.

Als Herren von Maienfeld folgten auf den König zunächst der Bischof von Chur, dann die Grafen von Bregenz beziehungsweise von Montfort. Im Spätmittelalter erscheinen als Herren der Stadt und der gleichnamigen Herrschaft (→ Bündner Herrschaft) hauptsächlich die Herren von Aspermont (bis um 1338), die Grafen von Toggenburg (bis 1436) und die Freiherren von Brandis (bis 1509); Letztere waren 1416–1510 auch Herren der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg. 1509 kam Maienfeld an die Drei Bünde.

Maienfeld wird erstmals 1346 als Stadt bezeichnet. Um die gleiche Zeit entstand ein Vogteiamt, das auch das benachbarte Dorf Fläsch umfasste. Die städtischen Selbstverwaltungsrechte waren allerdings beschränkt; Maienfeld blieb eine kleine Ackerbürgerstadt ohne Zunftorganisation. 1437 erscheint erstmals ein Rat neben dem Stadtvogt. Im Jahr zuvor war die Gerichtsgemeinde Maienfeld – bestehend aus Maienfeld und Fläsch – dem Zehngerichtenbund beigetreten. Ihre Zugehörigkeit zum Bund wurde von den Freiherren von Brandis anerkannt.

Einen wichtigen Faktor der städtischen Wirtschaft bildete der Warenverkehr. Der 1388 erstmals erwähnte Zoll gehörte dem Landesherrn. In der Frühneuzeit verpachteten die Drei Bünde den «Brandiszoll» an die Stadt Maienfeld, die dafür den Strassenunterhalt von der St. Luzisteig bis an die Landquart übernahm. In der Stadt gab es ein Zoll- und Kaufhaus (Warenniederlage) sowie eine Sust (Pferdewechsel- und Umladestation). Der Warentransport nach Chur durfte allein von Fuhrleuten aus Maienfeld abgewickelt werden. Das Maienfelder Marktrecht wurde vom Kaiser 1472 bestätigt.

Der Warenverkehr führte zu engen Beziehungen mit Liechtenstein und besonders mit Balzers, das auf der Transportroute von Chur nach Feldkirch die nächste Station war (→ Transportwesen). So übernahm Balzers den Strassenunterhalt bis auf die St. Luzisteig. 1756 und 1765 vereinbarten Maienfeld und Balzers Regelungen zum Warenverkehr. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der Aufhebung des Zollvertrags zwischen Liechtenstein und Österreich 1919 kam es bis 1924 zu regem Schmuggel zwischen Balzers und Maienfeld, an dem vor allem Leute aus Balzers beteiligt waren.

Im 19. Jahrhundert erlebte das Transportgewerbe einen Niedergang. 1858 erfolgte der Anschluss Maienfelds an das Eisenbahnnetz, 1885 wurden die Rheinfähre und die provisorische Winterbrücke nach Bad Ragaz durch eine feste Brücke ersetzt. Maienfeld ist bis heute stark von der Landwirtschaft und dabei besonders vom Weinbau geprägt. Heute dienen von 1433 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche 122 ha dem Obst-, Reb- und Gartenbau. In den letzten Jahren erfolgte eine vermehrte Ansiedlung von Industrie. An der Interkantonalen Försterschule in Maienfeld ist gemäss der Vereinbarung von 1971 ausser den Kantonen der Inner-, Ost- und Südschweiz auch Liechtenstein beteiligt.

Archive

LI LA; GA Maienfeld.

Quellen

Aus Bartholomäus Anhorns Chronik der Stadt Maienfeld, Bearb. A. von Sprecher, 1992.

Literatur

E. Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden 2, 1937, 11–32; J.F. Fulda: Zur Entstehung der Stadtverfassung von Maienfeld, 1972; P. Meinherz: Maienfeld, 1980; J. Schwarz: Maienfeld einst und jetzt, 1982; O.P. Clavadetscher, W. Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden, 1984, 322–326; F. Büchel: Beiträge zur Geschichte 842–1942, 1987, 306–310; Biedermann: Rod- und Fuhrwesen, 1999, 15, 80, 85f., 124.

Zitierweise

Florian Hitz, «Maienfeld», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Maienfeld, abgerufen am 15.2.2019.

Medien

Schloss Brandis in Maienfeld (Denkmalpflege Graubünden/Amt für Kultur). Das Schloss Brandis, dessen Turm als ältester noch bestehender Teil im Hochmittelalter entstand, ist nach den Freiherren von Brandis benannt, die 1436–1509 neben den Herrschaften Vaduz und Schellenberg auch die Herrschaft Maienfeld besassen.