Aktionen

Malanser

Wechseln zu: Navigation, Suche

Autorin: Anna Merz | Stand: 31.12.2011

Auf dem südwestlichen Teil des Eschnerbergs gelegener archäologischer Fundort, Gemeinde Eschen, 651 m ü.M.

Zwischen drei Felsköpfen fanden sich die Reste einer prähistorischen Siedlung, die im Südosten durch eine rund 20 m lange, 2–3 m hohe Felswand leicht geschützt wurde. Vom Platz her kann es sich nur um eine kleine Siedlung gehandelt haben. Nach einer Sondierung durch den Historischen Verein im Jahr 1946 fanden 1953–55 Grabungen unter der Leitung von David Beck statt. Eine Neubearbeitung der Fundstelle zeigt, dass ausser einer Kulturschicht weitere Befunde vorhanden waren, die zu wenig beachtet wurden und deshalb heute nur noch bedingt ausgewertet werden können.

Die ältesten Funde sind Stein- und Silexgeräte sowie eine Bergkristall-Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit (Neolithikum). Von besonderer Bedeutung ist ein mittelneolithischer Dechsel aus grauem Stein, auch Schuhleistenkeil genannt, der zu den frühesten Zeugnissen des Neolithikums in Liechtenstein und im Rheintal zählt und auf das Ende des 6. Jahrtausends v.Chr. oder den Beginn des 5. Jahrtausends v.Chr. datiert; einige wenige vergleichbare Stücke gibt es aus dem Schweizer Mittelland. Zeitgleiche neolithische Keramik kann nicht festgestellt werden.

Der grösste Teil der Funde datiert in die Bronzezeit und stammt aus einer 20–30 cm dicken Kulturschicht, die auf Löss liegt und von zwei Hauptsiedlungsphasen zeugt. Die ältere der beiden Phasen dauerte vom Beginn der mittleren bis an den Beginn der späten Bronzezeit. Die Keramik dieser Zeit umfasst viele Oberflächen mit Schlickauftrag, Dreiecksverzierungen verschiedenster Form, Stempelkerbschnitt, Knubben und Buckel sowie Knickwandschalen. Diese Funde nehmen hauptsächlich den westlichen und südwestlichen Grabungsteil ein. Die zweite Hauptbesiedlungsphase schliesst an die erste an und datiert in die fortgeschrittene späte Bronzezeit, als Liechtenstein im Einflussgebiet der alpinen Laugen-Melaun-Kultur lag. Die Kulturschicht mit den Funden dieser Zeit konzentriert sich auf den östlichen und einen Teil des südlichen Grabungsareals, wo sie sich zusammen mit Funden der älteren Besiedlung findet. Ausser einigen Gruben können mehrere Steinrollierungen sowie zwei mögliche Fundamentplatten in Zusammenhang mit der Laugen-Melaun-Besiedlung gebracht werden. Die Keramik widerspiegelt die verschiedenen Einflüsse dieser Zeit: einerseits findet sich die lokale spätbronzezeitliche Keramik der Urnenfelderkultur, die zum Teil jener der Seeufersiedlungen aus dem Schweizer Mittelland und dem Bodenseeraum nachempfunden wurde, jedoch von gröberer Ausführung ist, andererseits gibt es die typische Laugen-Melaun-Keramik, welche sich ausschliesslich im inneralpinen Raum findet und die hier im Rheintal an die Westgrenze ihrer Verbreitung stösst. Einige Metallfunde gehören in die Bronzezeit, so zwei Rollennadeln, das Fragment eines Bronzeblech-Armreifs und ein Drahtreif.

Die jüngsten Funde datieren in die Eisenzeit: verschiedene Keramik, darunter Grafittonkeramik, aber auch zwei gut erhaltene Fibeln, die von Beziehungen zu den Gebieten südlich der Alpen zeugen. Aus der Eisenzeit gibt es keinerlei Reste einer Siedlung; die Funde stammen aus der Schicht oberhalb der Kulturschicht. Die Magerungszusätze der gesamten Keramik sprechen mit wenigen Ausnahmen für eine lokale Herstellung. Im Westen befindet sich vor dem Abhang als Begrenzung eine rund 20 m lange Trockenmauer. Von dieser waren nur noch wenige Teile in situ, der grösste Teil lag als Versturz hangabwärts, darunter fanden sich sehr grosse Steine. Da auch die äussere Mauerkante hangabwärts gestürzt sein dürfte, gibt es weder zum Aufbau noch zur Breite der Mauer Angaben. Ihr Bau muss in eine fortgeschrittene Phase der Besiedlung datieren, da ein Teil der Kulturschicht unter der Mauer durchläuft; ob es sich allerdings um eine späte Phase der mittleren Bronzezeit beziehungsweise den Beginn der späten Bronzezeit oder erst um die späte Bronzezeit/Laugen-Melaun-Phase handelt, kann nicht geklärt werden.

Literatur

D. Beck: Neue prähistorische Funde auf dem Eschnerberg, in: JBL 46 (1946), 81–88; D. Beck: Malanser, Ausgrabung 1953, in: JBL 53 (1953), 189–206; D. Beck: Malanser, Ausgrabung 1954, in: JBL 54 (1954), 79–100; D. Beck: Malanser, Ausgrabung 1955, in: JBL 55 (1955), 97–109; E. Vonbank: Laugener und Melauner Keramik im Fürstentum Liechtenstein, in: HA 9 (1978), 131–136; A. Merz: Eschen-Malanser, 2007.

Zitierweise

Anna Merz, «Malanser», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Malanser, abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Bronzezeitliche Keramikscherbe mit Textilabdruck, Ton, Eschen-Malanser, 14. Jahrhundert v.Chr. (Bildarchiv Amt für Kultur, Abteilung Archäologie). Foto: Reto Hasler / LLM. Der Abdruck eines gewebten Stoffs auf den linken vier Erhebungen der Verzierung weist das bisher älteste Gewebe in Liechtenstein indirekt nach.