Marien-Lourdes-Grotte

Autoren: Judith Niederklopfer-Würtinger, Fabian Frommelt | Stand: 6.9.2023

Am Westabhang des Kirchhügels von Bendern in der Gemeinde Gamprin liegt auf halber Höhe auf 455 m ü.M. die Marien-Lourdes-Grotte. Das der Massabielle-Grotte beim französischen Marien-Wallfahrtsort Lourdes nachempfundene Marienheiligtum wurde 1896–1898 auf Veranlassung des Benderer Pfarrers Franz Xaver Häusle errichtet. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden vielerorts derartige Grotten als Ausdruck der Marienverehrung.

1858 hatte das Hirtenmädchen Bernadette Soubirous (1844–1879) von Erscheinungen der Muttergottes in der Grotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich berichtet, wobei sich Maria als die «Unbefleckte Empfängnis» vorgestellt habe. Die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens war nur vier Jahre zuvor, 1854, von Papst Pius IX. zum Dogma erhoben worden. Die Marienerscheinungen wurden 1862 kirchlich anerkannt, 1933 wurde Bernadette heiliggesprochen.

Die Grotte in Bendern liegt unterhalb der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt an einem alten, von Vorarlberg zum Kloster Einsiedeln (SZ) führenden Pilgerweg. Nach zweijähriger Bauzeit fand am 7.8.1898 die feierliche Einweihung durch den Feldkircher Weihbischof Johannes Nepomuk Zobl statt. Die in einer Felsaushöhlung mit Tropfsteinbildung angelegte Grotte ist ummauert und mit einem Eisengitter verschlossen. Die ursprüngliche Statue der «Unbefleckten Empfängnis» (Maria) wurde 1958 durch eine Muttergottesfigur des Bildhauers Gottfried Hilti aus Schaan ersetzt, während eine Statue der knieenden Bernadette noch aus der Entstehungszeit der Grotte stammt. Über der Grotte befinden sich ein grosses, eisernes Kreuz und die Inschrift «Ave Maria». Eine Treppenanlage führt zur Marienkirche auf der Hügelkuppe.

Bis heute löst in die Grotte einsickerndes Oberflächenwasser Kalk aus dem Gestein, so dass Sinterbildungen (kleine Tropfsteine) entstehen. 1937 und 1979 erfolgten Renovierungen, die zweite davon war umfassend. Dabei wurden u.a. die Treppenanlage erneuert, der alte Tuffsteinaltar durch einen neuen ersetzt und eine elektrische Beleuchtung angebracht.

Die von Gläubigen als Zeichen der Bitte oder des Dankes gestifteten schlichten Votivtafeln an den Seitenwänden der Grotte sind ebenso Ausdruck katholischer Frömmigkeit wie die zahlreichen Prozessionen, als deren Station oder Ziel die Lourdes-Grotte dient – so an Christi Himmelfahrt, an Fronleichnam und am Patronatsfest Maria Himmelfahrt (15. August) sowie an den ersten Sonntagen von Mai bis Oktober. Feierlicher Höhepunkt ist die abendliche Lichterprozession bei der Maiandacht am 1. Mai. Am 1.5.2023 überreichte Erzbischof Wolfgang Haas der Pfarrei Bendern anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Marien-Lourdes-Grotte eine Reliquie der hl. Bernadette.

Quellen

Literatur

Zitierweise

Judith Niederklopfer-Würtinger, Fabian Frommelt, «Marien-Lourdes-Grotte», Stand: 6.9.2023, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Marien-Lourdes-Grotte, abgerufen am 13.12.2025.

Medien

Die Marien-Lourdes-Grotte in Bendern mit der zur Marienkirche führenden Treppenanlage, 2023 (Foto: Fabian Frommelt).
Der «Wallfahrtsort» Bendern mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und der Marien-Lourdes-Grotte in der linken Bildhälfte, Postkarte um 1900 (Sammlung Kurt Spalt, Ruggell).
«Maria hat geholfen»: Votivtafeln in der Marien-Lourdes-Grotte Bendern zeugen vom Glauben an die Hilfe der Muttergottes. Rechts die Statue der hl. Bernadette, 2021 (Foto: Ruth Allgäuer).
Die traditionell am 1. Mai-Abend abgehaltene Lichterprozession um den Kirchhügel Bendern endet bei der Marien-Lourdes-Grotte. Foto um 1978 (Liechtensteinisches Landesarchiv, SgAV 01 NS 045/118/029, Foto: Walter Wachter, Schaan).