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Marxer, Isolde

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Autorin: Barbara Schneider | Stand: 20.5.2022

Filmrealisatorin und Künstlerin. *20.11.1951 Mauren, † 3.8.2021 Zürich, von Mauren, wohnhaft in Mauren, später in Zürich. Tochter der Gemüseladenbesitzer Toni und Agnes, geb. Allgäuer, zwei Schwestern. ⚭ 7.3.2021 Peter Beeck (*2.9.1944), Zahntechniker und Künstler.

Marxer wuchs in Mauren auf, wo sie die Primar- und Sekundarschule besuchte. Nach dem Handelsschulabschluss in Sargans zog sie 1970 mit ihrem Partner und späteren Ehemann Peter Beeck zunächst nach Thalwil (ZH) und Lachen (SZ) und holte die Matura auf dem zweiten Bildungsweg an der AKAD in Zürich nach. 1974 zog das Paar nach Zürich, wo Marxer während eines Jahres Abendkurse an der Schule für experimentelle Gestaltung F+F Farbe und Form belegte. Von 1977 bis 1979 absolvierte sie an der F+F das reguläre Kunststudium, von 1979 bis 1980 studierte sie als Gaststudentin an der Hochschule für Film und Fernsehen in München.

Ihren ersten Film realisierte sie 1984. In «u.s.w. – Ausschnitte aus dem Alltag im Fürstentum Liechtenstein» portraitierte sie das Leben ihrer ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler der Realschule Eschen, einer vom Wirtschaftsaufschwung begünstigten Generation. 1985 gründete sie mit «Rauten-Produktion» ihre erste Filmproduktionsfirma, 1999 folgte mit «imFILM Produktion» eine zweite.

Anfang der 1990er Jahre bildete sich Marxer durch Schnitt-, Regie- und Produktionsassistenzen weiter, etwa beim Dokumentarfilm «Hinterland» (1990, Regie: Dieter Gränicher, Schnitt: Pius Morger) oder beim Spiel- und Dokumentarfilm «Schmetterlingsschatten» (1991, Regie: Anne Kasper Spoerri). Bereits 1980 hatte sie als eine der wenigen Frauen den Filmvorführerausweis B erworben und war bis 1990 als Operatrice in Zürcher Kinos tätig. Marxer verfasste zahlreiche Drehbücher und Konzepte für Filme, u.a. für «Einmal Heimat!», einen «Heimatfilm» mit Texten aus dem Buch «Fieberzeit» von Iren Nigg (1988), oder für «Bilder Montage Musik», einen Kompilationsfilm mit Filmfundstücken aus dem Liechtensteinischen Landesarchiv (1995).

1996 und 2002 entstanden ihre zwei bekanntesten eigenen Filme: «A propos de Joye» und «Die andere Hälfte». Ersterer, von RECK Film produziert und gezeigt an renommierten Filmfestivals wie u.a. Saarbrücken, Locarno oder den Solothurner Filmtagen, beschäftigte sich mit der Geschichte des Jesuitenpaters, Jugendseelsorgers und Filmpioniers Abbé Joseph Alexis Joye (1852–1919), der als einer der Ersten in der Schweiz Lichtbilder und Filme in der Jugendarbeit einsetzte. In «Die andere Hälfte» dokumentierte Marxer die langwierige Entwicklung bis zur Einführung des Frauenstimmrechts in Liechtenstein. Realisiert im Auftrag des Liechtensteiner Vereins Bildungsarbeit für Frauen, welchem Marxer selber angehörte, liess sie darin Frauen zu Wort kommen, die sich aktiv für ihre politischen Rechte eingesetzt hatten.

Marxer nutzte nicht nur ihren Film als Sprachrohr für Gleichberechtigung. Schon 1984 hatte sie zusammen mit weiteren Filmschaffenden wie Lucienne Lanaz oder Isa Hesse den Verein «CH-Filmfrauen» gegründet, der sich für die Förderung der Frauen in der Schweizer Filmbranche stark machte. Im selben Jahr war sie an der Gründung der ersten Filmförderung in Zürich beteiligt, dem Branchenverein «Zürich für den Film», den sie von 1996 bis 1998 präsidierte. Auch war sie in verschiedenen weiteren Organisationen filmpolitisch aktiv: ab 1986 als Mitglied beim «Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz» (von 1989 bis 1991 auch als Vorstandsmitglied) und ab 1992 im «European Documentary Network» Kopenhagen. Von 1993 bis 1997 engagierte sie sich im Stiftungsrat der «Kulturkommission Suissimage».

Neben ihren stetigen Recherchen für Filmprojekte untersuchte Marxer ihre Umwelt künstlerisch, wie u.a. in einer Installationsarbeit für das Projekt «SchauFenster / VisitenCarte blanche» (Schaan, 2001) oder im experimentellen Musik-Tanz-Film-Projekt «Spielraum» (Triesen, 2008) – beides Projekte des Liechtensteiner Kunstvereins Schichtwechsel. Ein besonderes Anliegen war ihr zudem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. So gab sie ihr Wissen und ihre Film-Leidenschaft in zahlreichen Filmwerkstätten u.a. am TAK Theater Liechtenstein in Schaan weiter.

Ihr letztes Werk, ein Filmprojekt über den Liechtensteiner Pädagogen, Historiker und Politiker Peter Kaiser blieb unvollendet.

Werkauswahl

Filme
  • Spielraum. Ein Musik-Tanz-Filmprojekt, Musik: Markus Gsell, Tanz Natalie Begle, Film: Isolde Marxer, ein Schichtwechselprojekt in Zusammenarbeit mit dem Gasometer Triesen (48 Minuten, DVD-Video), 2008.
  • Die andere Hälfte, Dokumentarfilm (2 x 60 Minuten, DVCAM), Buch/Regie/Schnitt: Isolde Marxer, 2002.
  • A propos de Joye, Dokumentarfilm (104 Minuten, 35mm), Buch/Regie: Isolde Marxer, 1996.
  • u.s.w. – Ausschnitte aus dem Alltag im Fürstentum Liechtenstein, Dokumentarfilm (100 Minuten, 16 mm), Buch/Regie/Schnitt: Isolde Marxer, 1984.
Drehbücher und Konzepte
  • Drehbuch zu «Das Handwerk der Demokratie», 2004 [Portrait der Demokratiebewegung in Liechtenstein, nicht realisiert].
  • Drehbuch zu «Das Volk kann nicht irren», 2003 [Roadmovie durch Liechtenstein, nicht realisiert].
  • Konzept und 1. Drehbuchentwurf zu «Der Kaiser und die Patriotin», 2000 [Filmessay über Erinnerung, Geschichte, Identität, nicht realisiert].
  • Exposé zu «FRÄNZE B. – von der Grossgrundbesitzertochter zur Fabrikarbeiterin» (52 Minuten), 1999.
  • Konzept zu «Bilder Montage Musik – Ein Kompilationsfilm von Found Footage-Material aus dem Liechtensteinischen Landesarchiv» (30 Minuten), 1995.
  • Drehbuch zu «DANN – Eines Sonntagmorgens anno 1291, 1991, 2691», 3-Kanal-Film zur 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft (4 x 2 Minuten), 1989.
  • Drehbuch zu «Einmal Heimat!», ein «Heimat-Film» zum Europäischen Jahr des Films und Fernsehens, mit Texten aus dem Buch «Fieberzeit» von Iren Nigg (30 Minuten), 1988.

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Externe Links

Normdaten

GND: 1210445654

Zitierweise

Barbara Schneider, «Marxer, Isolde», Stand: 20.5.2022, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Marxer,_Isolde, abgerufen am 27.6.2022.

Medien

Isolde Marxer (Privatarchiv Peter Beeck).
Flyer zu Isolde Marxers Film «A propos de Joye» von 1996 (Archiv RECK Filmproduktion).