Marxer (-Bulloni), Helen
Autorin: Kathrin Wolf | Stand: 24.11.2025
Lehrerin und Frauenrechtlerin. *2.5.1946 Basel, Schweizerin, ab 1997 von Vaduz, ab 1971 wohnhaft in Vaduz. Tochter des Kaufmanns Camillo und der Hausfrau Anny, geb. Amrein, drei Geschwister. ⚭ Helmuth Marxer (*1946), zwei Kinder.
Marxer-Bulloni wuchs in einem katholischen, aber liberalen Umfeld in Basel auf. Nach dem Abschluss des Lehrerseminars Basel unterrichtete sie an der Sekundarschule in Münchenstein (BL), wo sie ihren späteren Ehemann Helmuth Marxer kennenlernte. Während einer einjährigen Reise durch Südamerika heiratete das Paar und liess sich 1971 in Vaduz nieder. 1976 gründete Marxer-Bulloni die erste Spielgruppe in Liechtenstein. 1976–2006 war sie Leiterin des Amtlichen Lehrmittelverlags.
Marxer-Bulloni war ab 1971 in der liechtensteinischen Frauenbewegung aktiv. Dabei stiess ihr Engagement als nicht gebürtige Liechtensteinerin mitunter auf Widerstand. 1973 trat sie der Arbeitsgruppe für die Frau bei und 1981 war sie Mitbegründerin der Aktion Dornröschen, einer feministischen Bewegung, die für die Einführung des Frauenstimmrechts in Liechtenstein kämpfte. Im Jahr 1982 beteiligte sie sich massgeblich an der letztlich abgelehnten Verfassungsklage, welche das Frauenstimmrecht auf Grundlage von Artikel 31 der Verfassung (Gleichheitsgrundsatz) auf gerichtlichem Weg einführen wollte. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Aktion Dornröschen reiste sie 1983 zur Parlamentarischen Versammlung des Europarats nach Strassburg, um dort auf die politische Situation der Frauen in Liechtenstein aufmerksam zu machen. Nach der Einführung des Frauenstimmrechts 1984 setzte sie sich für die Konkretisierung des Gleichheitsgrundsatzes in der Verfassung ein, was nach dem Scheitern der 1985 initiierten Verfassungsinitiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau» schliesslich im Jahr 1992 gelang (→ Gleichstellung).
1991–1998 vertrat Marxer-Bulloni Liechtenstein im Lenkungsausschuss des Europarates für die Gleichstellung von Frau und Mann. 1997 war sie wesentlich an einer Verfassungsklage beteiligt, die letztlich zur vollständigen Gleichstellung von Mann und Frau im Staatsbürgerschaftsgesetz führte. In den Jahren 1991, 2019 und 2023 war sie Mitglied des Organisationskomitees des liechtensteinischen Frauenstreiks.
Marxer-Bulloni war unter anderem Gründungsmitglied der Freien Liste (1984), des Vereins Bildungsarbeit für die Frau (1985) sowie des Vereins «Frauen in guter Verfassung» (2004). 1986–1992 vertrat sie die Freie Liste in der Regierungskommission für die Gleichstellung von Mann und Frau. 2017 war sie Mitinitiatorin des Frauenarchivs Liechtenstein, welches die Geschichte der liechtensteinischen Frauenrechtsbewegung dokumentiert.
Archive
- Archiv des Historischen Lexikons des Fürstentums Liechtensteins online (AeHLFL).
Literatur
- Claudia K. Lanter: Aufgewacht! Der dornige Weg zum Frauenwahlrecht in Liechtenstein, Triesen 2022, bes. S. 259–279.
Externe Links
- Eintrag zu Helen Marxer-Bulloni auf Frauenarchiv.li.
Normdaten
GND: 1214902308
Zitierweise
Kathrin Wolf, «Marxer (-Bulloni), Helen», Stand: 24.11.2025, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Marxer_(-Bulloni),_Helen, abgerufen am 15.12.2025.