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Meierhof

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Autor: Konrad Kindle | Stand: 31.12.2011

Ehemaliger herrschaftlicher Gutshof und heutiges Wohnquartier im nördlichen Gebiet der Gemeinde Triesen, an der Grenze zu Vaduz, 470–510 m ü.M. Das auf einem Schuttkegel erhöht über dem Talboden liegende Gebiet war bereits in prähistorischer Zeit besiedelt (bronze-, eisen- und römerzeitliche Funde).

Der um 1520 erstmals als Meierhof belegte, nach dem sogenannten Meier (dem herrschaftlichen Verwalter) benannte Hof trug von der benachbarten Vaduzer Flur «Schwefel» auch den Namen «Schwefelhof». Er dürfte mit dem 1493 als Besitz des Landesherrn Ludwig von Brandis erwähnten Hof identisch sein. Ludwig von Brandis erweiterte den Hof 1503/05 durch den Kauf zweier grosser Wiesen von Ludwig Gez aus Vaduz und errichtete eine Sennerei. Zumindest diese Wiesen wurden schon im 17. Jahrhundert nicht mehr durch die Herrschaft selbst bewirtschaftet, sondern verliehen: das Sulzisch-Hohenemsische Urbar (1617/19) verzeichnet einen Lehenszins von 135 Gulden. Auf dem Meierhof haftete eine um 1520 erstmals erwähnte Fronpflicht der Triesner Bevölkerung. Sie musste jährlich einen Tag mit zwei Pflügen «bauen» und abwechslungsweise hatte die eine Einwohnerhälfte jährlich einen Tag zu mähen und die andere zu heuen. Ab 1734 war der Meierhof an Triesner Bürger zu einem Zins von 250 beziehungsweise 300 Gulden verliehen. 1751 wurde das Gut in 34 Teile geteilt und an 15 Untertanen zu jährlich 300 Gulden als Schupflehen auf Lebenszeit vergeben; unter den Lehensleuten waren Jakob und Josef Nigg.

Von 1815 stammt eine Beschreibung des Meierhofs durch Landvogt Josef Schuppler, die auch Überlegungen zur effizienteren Nutzung des Guts enthielt. Mit knapp 21 ha bildete der Meierhof damals den grössten zusammenhängenden landesherrlichen Besitz in Liechtenstein. Mit dem Zehntablösegesetz von 1864 wurde der Meierhof in den Privatbesitz der Geschwister Nigg überführt. Vom westlich der Meierhofstrasse liegenden einstigen Gutshof ist heute nur noch das Wohngebäude erhalten, das früher zusammen mit der stattlichen Stallscheune und dem Garten von einer Mauer umfasst war.

Als ab 1864 die Strasse von Vaduz über den Meierhof nach Triesenberg sowie die Maschlinastrasse als Zubringer von Triesen her gebaut wurden, kam es zu einer Konfrontation der Geschwister Franz, Johann, Florian und Maria Nigg mit dem Triesner Gemeinderat und der Obrigkeit. Als Revanche für eine vermeintlich ungerechte Behandlung im Zusammenhang mit dem Strassenbau errichteten die Nigg 1881 eine massive Steinmauer, um den Triesnern den Zugang zum Underforstwald abzuschneiden. Bei einer Polizeiaktion im folgenden Jahr kam es zu Handgreiflichkeiten und Gewehrschüssen. Die Geschwister Nigg wurden wegen Aufruhr zu Kerkerstrafen verurteilt. Nach ihrer vorzeitigen Entlassung wanderten sie nach Afrika aus. Die jüngste Schwester Josefa erbte zusammen mit ihrem Mann Fidel Kindle den Hof. Ihr Enkel Urban Kindle baute 1955 das Hotel-Restaurant «Meierhof», ab 1956 mit Campingplatz und kleinem Schwimmbad. Bis in die 1920er Jahre wurde im Meierhof auch Weinbau betrieben. Ab den 1960er Jahren erfuhr das Gebiet eine starke Überbauung mit Wohnhäusern, vorerst vor allem entlang der Meierhof- und der Maschlinastrasse, besonders seit den 1990er Jahren auch im übrigen ehemaligen Wiesland.

Quellen

LUB I/4, 275, 320, 340, 359f.; Schuppler/Ospelt: Beschreibung 1815, 1975, 266, 283–285.

Literatur

Tschugmell: Beamte, 1947, 67f.; A. Frick: Das Vogelmahl, in: JBL 83 (1983), 43–70, bes. 50f.; Büchel: Gemeinde Triesen 1–3, 1989, bes. 484–488; A. Eberle: Gottesfürchtige Rebellen aus Liechtenstein, in: JBL 95 (1998), 75–116; Herrmann: Kunstdenkmäler 2, 2007, 152f.

Zitierweise

Konrad Kindle, «Meierhof», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Meierhof, abgerufen am 23.4.2019.

Medien

Prospekt des «Grossen Meyerhofs» in Triesen. Plan von Johann Jacob Heber, 1721 (LLM). Links das Wohnhaus, rechts die Stallscheune, dazwischen der Hof, im Hintergrund der Garten, alles umfasst von einer Mauer.