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Menzinger, Franz Xaver

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Landvogt. *1.6.1740 Messkirch (D), †28.4.1809 Feldkirch; auf dem Friedhof in Vaduz ist eine Erinnerungstafel an Menzinger angebracht. Menzinger entstammte einer alten Schwarzwälder Beamtenfamilie; er war der Sohn des fürstlich-fürstenbergischen Rats und Kastenvogts Franz Anton und der Maria Barbara Schmid von Schmidsfelden.  Maria Theresia von Stubenrauch (†20.10.1805), Tochter des Reichshofratsagenten Philipp von Stubenrauch von Tannberg in Wien. Menzingers Sohn Johann Michael war ebenfalls Landvogt zu Vaduz.

Menzinger studierte 1758–59 Philosophie und 1760–63 Rechtswissenschaften in Freiburg i.Br. Nachdem er den Freiherren von Bodman als Rentamtmann gedient hatte, wurde er am 20.12.1788 Landvogt zu Vaduz. Wie sein Vorgänger Franz Michael Heinrich Gilm von Rosenegg residierte Menzinger ständig in Vaduz. Seine Amtszeit war geprägt von der schwierigen Zeit der Koalitionskriege. Wie das ganze Land hatte auch Menzinger persönlich unter den Zerstörungen, Einquartierungen und Requisitionen von Franzosen, Russen und Kaiserlichen zu leiden. Unter dem Eindruck der Ermordung des Vorarlberger Kreishauptmanns Ignaz Indermaur floh Menzinger 1796 vor den anrückenden Franzosen für kurze Zeit in die Schweiz. 1799 rettete er die im Schloss Vaduz untergebrachten, von plündernden Franzosen über die Mauern geworfenen Bestände des Archivs. Er liess die Urkunden bergen und am alten Ort wieder aufbewahren. 1800 lehnte Innsbruck ein Gesuch Menzingers um Lebensmittel für das von Russen und Österreichern ausgeplünderte Liechtenstein ab. 1805/06 bemühte er sich um den Import von Feldfrüchten zur Vermeidung einer Hungersnot in Balzers und Triesen.

Menzinger legte um einer Verbesserung der Rechtssicherheit willen Wert auf die schriftliche Erledigung der Amtsgeschäfte. Durch seine Förderung des Anbaus der Kartoffel verbreiterte er die Nahrungsgrundlage. 1790 kaufte er beim Pfarrer von Oberschwandorf (Württemberg) 60 Malter Kartoffeln (ca. 129 hl) und liess sie unter die Untertanen austeilen. 1794 schlug Menzinger die Abschaffung der Leibeigenschaft vor, wobei es ihm vor allem darum ging, den in der Bevölkerung verhassten Namen zu tilgen; hingegen sollten jene Frondienste, die nicht Zeichen der Leibeigenschaft waren, beibehalten werden. Der Vorschlag wurde von Fürst Alois I. Josef zurückgewiesen. Menzinger lehnte 1799 alle drei vorgeschlagenen Kandidaten für das Richteramt in der Herrschaft Schellenberg ab, weil er sie wegen mangelnder Bildung für untauglich hielt. Er setzte einen eigenen Kandidaten ein, musste aber nach Protesten der Bevölkerung beim Fürsten einen neuen Dreiervorschlag der Untertanen einholen.

1801 war Menzinger Gesandter des Fürsten an der Versammlung des Schwäbischen Kreises. Als Massnahmen gegen die fortschreitende Verarmung der Bevölkerung wurden 1804 der politische Ehekonsens eingeführt (→ Eherecht) und 1806 ein Hausbauverbot sowie ein Güterzerstückelungsverbot erlassen. Mit der Einführung der Schulpflicht 1805 hat sich Menzinger grosse Verdienste um das liechtensteinische Schulwesen erworben. Ab 1805 erschwerten Streitigkeiten mit dem neuen Rentmeister Ferdinand Adolf Schmieth Menzingers Arbeit. Zur Erhöhung der Staatseinnahmen erfolgte der Erlass einer neuen Steuer- (1807) und einer neuen Zollverordnung (1808).

1808 kam Hofrat Georg Hauer, der sich im Vorfeld der von Fürst Johann I. beabsichtigten Reformen zur Modernisierung Liechtensteins an Ort und Stelle ein Bild gemacht hatte, zu einem vernichtenden Urteil über Menzinger: Dieser bilde – zusammen mit dem Landsbrauch – den Hauptgrund für die Rückständigkeit des Landes. Menzinger wurde auf den 1.10.1808 ehrenvoll pensioniert. Der Fürst ernannte ihn zum fürstlichen Rat, wies ihm das Palais Liechtenstein in Feldkirch als Wohnsitz zu und schenkte ihm eine goldene Repetieruhr samt Kette.

Die Würdigung des als gerecht, verständnisvoll und konziliant geltenden Menzinger ist umstritten. Der an den alten Traditionen hängende und für grosse Teile der Bevölkerung sprechende Amtsbote Johann Rheinberger (1764–1828) bezeichnete Menzinger, der die Traditionen und Rechte der Bevölkerung respektierte, obwohl er sie teilweise als schädlich ansah, als einen «in jeder Hinsicht kenntnisvollen und ebenso gerechten Mann». Der Reformer Georg Hauer hingegen verurteilte ihn als einen zwar ehrlichen, aber verdriesslichen alten Mann, der von Amtsgeschäften nichts verstehe und keinerlei Reformwillen habe.

Literatur

M. Menzinger: Die Menzinger in Liechtenstein, in: JBL 13 (1913) 31–53, bes. 33–35; Malin: Geschichte, 1953; R. Rheinberger: Das «politische Tagebuch» des Amtsboten Johann Rheinberger von Vaduz, in: JBL 58 (1958), 227–238, bes. 234; Hauer/Vogt: Lokalisierungs-Bericht 1808, 1983; Vogt: Verwaltungsstruktur, 1994, 132f.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Menzinger, Franz Xaver», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Menzinger,_Franz_Xaver, abgerufen am 22.4.2019.

Medien

Franz Xaver Menzinger, um 1790 (LI LA).