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Museen

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Autor: Markus Burgmeier | Stand: 31.12.2011

Museen (von griechisch mouseῖon, Musensitz, lateinisch museum, Ort für gelehrte Beschäftigung) sind gemeinnützige, ständige Einrichtungen, die materielle Zeugnisse des Menschen und seiner Umwelt für Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecke sammeln, bewahren, erforschen, vermitteln und ausstellen. Sie sind der Öffentlichkeit zugänglich und dienen der Gesellschaft und ihrer Entwicklung.

Erste Museen entstanden in Europa im 18. Jahrhundert als bürgerliche Bildungsinstitutionen (1753 British Museum, 1793 Louvre). Neben enzyklopädisch-universalistischen Museen bildeten sich im 19. Jahrhundert – parallel zur Entstehung neuer Wissenschaften – verschiedene Museumstypen aus: Kunst-, Völkerkunde- und Kunstgewerbe-, historische und kulturgeschichtliche, naturwissenschaftliche und technische Museen. Als Reaktion auf die Entfremdung von ursprünglichen, «natürlichen» Lebenswelten durch die Industrialisierung entstanden seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts Heimat- und Freilichtmuseen. Die Spezialisierung der Museen setzt sich bis in die Gegenwart fort.

Im ländlichen, spät industrialisierten Liechtenstein beginnt die Museumsgeschichte zeitlich verzögert. Nach ersten Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Museumswesen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung, der im Kontext einer Aufbruchsphase von Wirtschaft, Bildung und Kultur zu sehen ist. Aus einer in den 1890er Jahren eingerichteten Ausstellung auf Schloss Vaduz ging 1954 das kulturhistorisch, seit 2003 auch naturkundlich ausgerichtete Liechtensteinische Landesmuseum hervor. Seit 1930 besteht das Postmuseum in Vaduz (Ausstellungseröffnung 1936). Ab 1952 waren im Engländerbau in Vaduz Teile der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein zu sehen. Es folgte 1961 mit dem Walsermuseum Triesenberg das erste und grösste Ortsmuseum in Liechtenstein. 1969 nahm die Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung den Ausstellungsbetrieb im Engländerbau auf; aus ihr ging im Jahr 2000 das Kunstmuseum Liechtenstein hervor. Die fürstliche Kunstsammlung wurde (nachdem in den 1980er Jahren ein Kunsthausprojekt in Vaduz gescheitert war) 2004–11 im Liechtenstein Museum in Wien gezeigt; in Liechtenstein ist sie mit Wechselausstellungen im Kunstmuseum Liechtenstein präsent.

Wechselausstellungen zum regionalen Kunstschaffen sind in verschiedenen Ortsgalerien, seit 1974/75 in den Eschner Pfrundbauten und seit 2002 im Kunstraum Engländerbau in Vaduz zu sehen. Letzterer bietet ein Forum für Ausstellungen, Installationen, Performances und andere zeitgenössische Kunstprojekte. Ausserdem bestehen einige private Kunstsammlungen ohne regelmässige Ausstellungstätigkeit und mehrere Galerien.

Ab den 1960er Jahren legten die meisten Gemeinden (ausser Vaduz, Planken und Schellenberg) Kulturgütersammlungen an, die zum Teil in historisch-volkskundlichen Ortsmuseen präsentiert werden. Das 1982 im Schaaner Rathaus geschaffene Gemeinde-Museum wurde 1998 als Dorfmuseum Schaan (DoMuS) wiedereröffnet; es integriert die Kunstgalerie der Gemeinde Schaan und gibt eine Schriftenreihe heraus. Seit 1984 dient das Frühmesserhaus in Triesen als Aufbewahrungsort für die Kulturgütersammlung der Gemeinde; in thematischen Wechselausstellungen werden Teile daraus im 2006 eröffneten Kulturzentrum Gasometer gezeigt. Ruggell verfügt seit 2002 mit dem Küefer-Martis-Huus über ein Kulturhaus, das thematische Wechsel- und Kunstausstellungen zeigt. Auf einem ähnlichen Konzept beruht das 2011 eröffnete Kulturzentrum Alter Pfarrhof Balzers. Schwerpunkt der Ausstellungen im 2006 eröffneten Kulturgüterraum der Gemeinde Mauren ist das Kleingewerbe.

Museen und Sammlungen zu Einzelthemen sind neben dem Postmuseum die Naturkundliche Sammlung des Fürstentums Liechtenstein, die seit 2003 im Liechtensteinischen Landesmuseum präsentiert wird, das 1993 gegründete Skimuseum in Vaduz und ein 1994 im Biedermann-Haus (Schellenberg) eröffnetes bäuerliches Wohnmuseum. Das 1990 von Walter Beck gegründete private Antikmuseum für historische Schreib- und Rechenmaschinen in Schaan zeigt ca. 300 Objekte aus dem 19./20. Jahrhundert, darunter die kleinste mechanische Rechenmaschine der Welt (die 1946–72 von der Contina AG in Liechtenstein hergestellte Curta). Das ebenfalls private, 2004 von Herbert von Heck in Nendeln eröffnete Kaisermuseum zeigt über 2500 Exponate zur Militärgeschichte der Habsburger Monarchie. Das von den Liechtensteinischen Kraftwerken (LKW) 2007 der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Lawenamuseum in Triesen zeigt die Baugeschichte des Lawenawerks sowie in Wechselausstellungen Aspekte der Elektrotechnik. Zudem gibt es eine von der Landespolizei angelegte Sammlung zur Polizeigeschichte und -arbeit.

Quellen

Bericht und Antrag der Regierung betr. die Zielsetzungen und Prioritäten der liechtensteinischen Kulturpolitik (Kulturbericht), 2000, bes. 67–71.

Literatur

Schweizer Museumsführer, Hg. Verband der Museen der Schweiz, 92002.

Zitierweise

Markus Burgmeier, «Museen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Museen, abgerufen am 21.2.2019.

Medien

Ausstellungsraum auf Schloss Vaduz, um 1900 (Bildarchiv LLM). 1894–1905 war auf Schloss Vaduz erstmals in Liechtenstein ein Museum untergebracht. Die Sammlung bildete den Grundstock für das spätere Liechtensteinische Landesmuseum.