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Musik

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Autor: Josef Frommelt | Stand: 31.12.2011

Die liechtensteinische Musikgeschichte ist wenig erforscht, die Quellenlage bis Mitte des 19. Jahrhunderts mager. Die Musikpflege entsprach bis zur späten Industrialisierung im 19. Jahrhundert und bis zu den sozioökonomischen Umwälzungen im 20. Jahrhundert den Bedürfnissen und Möglichkeiten einer ländlich-bäuerlichen, katholischen Gesellschaft. Städte, einflussreicher Adel und bedeutende Kirchen oder Klöster fehlten. Das durch seine Kleinheit und die Lage an einer Transitroute für Reisende, Händler und Soldaten zwischen Süddeutschland und Oberitalien für äussere Einflüsse offene Land war stets Teil eines grösseren Kulturraums.

Allgemeine Entwicklung

Erste konkrete Belege für ein Musikleben im Gebiet des heutigen Liechtenstein sind die in den Burgen von Schellenberg und Gutenberg gefundenen spätmittelalterlichen Maultrommeln. In der «Manessischen Liederhandschrift» (erste Hälfte 14. Jahrhundert) sind zudem Lieder von Minnesängern aus regionalen Adelsgeschlechtern überliefert: Heinrich von Frauenberg, Heinrich und Eberhart von Sax, Kraft von Toggenburg. Eine Pflege des Minnesangs auf den Burgen der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg ist jedoch nicht nachweisbar. Noch der höfische Musikbetrieb der Grafen von Hohenems im 17. Jahrhundert war bescheiden. Ein Verlassenschaftsinventar von 1670 belegt den Besitz von Musikinstrumenten für Gräfin Eleonora Katharina von Fürstenberg, Gattin Graf Franz Wilhelms I. von Hohenems-Vaduz. Der Vaduzer Hofkaplan Johann Benedikt Bayer war vor seinem Amtsantritt in Vaduz 1711 «Hof-Musikus» der Kaiserin Amalie Wilhelmine in Wien. Der aufwendige höfische Musikbetrieb der Fürsten von Liechtenstein in Wien, Böhmen und Mähren mit Hofkapelle, türkischer Banda, Operntruppe, Konzerten und Bällen strahlte in keiner Weise auf Liechtenstein aus.

Erste Hinweise auf eine Musikausübung im sakralen Bereich finden sich mit den im Eschner Jahrzeitenbuch (Mitte 15. Jahrhundert) erwähnten gesungenen Seelenmessen. Kirchenorgeln sind für Schaan im 17. Jahrhundert, für Bendern, Triesen und Triesenberg im 18. Jahrhundert erwähnt; im 19. Jahrhundert für nahezu alle Kirchen und Kapellen.

Die Musikkultur der meist in ärmlichen Verhältnissen lebenden Bevölkerung in der frühen Neuzeit ist ungewiss; schriftliche Zeugnisse von Liedern und Tänzen fehlen. Immerhin zeigt sich deren Vorhandensein indirekt in Form von Verboten, wie sie sich in der Reichspolizeiordnung von 1530 finden. Diese wurden auch in den Vaduzer Landsbrauch (älteste datierte Abschrift 1664) und die liechtensteinische Polizei- und Landsordnung von 1732 aufgenommen. Verboten wurden darin die Beherbergung fremder Spielleute, Sänger und Gaukler, das (heute noch gepflegte) Stern- oder Dreikönigssingen sowie «schädliche Gedichte», «gottlose Lieder» und «leichtfertiger Gesang». Erlaubt war «für ledige, junge Gesellen ein öffentlich ehrlicher züchtiger Tanz». Flurbezeichnungen wie «Tanzplatz» in Schaan und Triesenberg weisen auf öffentliche Tanzveranstaltungen hin. In Triesen (1719) und Ruggell (1765) werden Tanzböden, in Triesenberg um 1750 ein Tanzhaus erwähnt. Zu den landschaftlichen Milizmannschaften (→ Militär) gehörten Spielleute, deren «klingendes Spiel» bei der Huldigung 1718 erwähnt ist; bei der Landammannbesetzung 1791 waren die «Trommelschläger und Pfeiffer» von Eschen, Mauren, Gamprin und Ruggell zugegen.

Das Musikleben des im 19. Jahrhundert ansatzweise in Beamten-, Arzt- und Lehrerfamilien entstehenden Bürgertums zeichnet sich vage ab. Der 1764 gestorbene Maurer Pfarrer Josef Alois Adegold besass ein Klavier, eine Geige und eine Flöte. Aufzeichnungen und Noten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, dass in bürgerlichen Familien wie Menzinger und Rheinberger Hausmusik gepflegt wurde. Am Cäcilienfest 1848 gab ein Feldkircher Streichquartett in Vaduz ein Mozart-Konzert. Diesem Milieu, in dem zum Teil Töchter und Söhne Musikunterricht erhielten, erwuchs mit Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901) der bedeutendste liechtensteinische Komponist. Häusliche Musikpflege ist gegen das Jahrhundertende auch in Arbeiterkreisen fassbar.

Einen kulturellen Aufschwung ermöglichte die Verfassung von 1862, die erstmals die Vereinsfreiheit garantierte. In allen Gemeinden entstanden Gesangs- und Blasmusikvereine. Unterbrochen wurde diese erste Blüte durch den Ersten Weltkrieg. Viele Vereine stellten ihre Tätigkeit ein, nicht allen gelang nach dem Kriegsende die Wiederbelebung. Ein um die Jahrhundertwende in Vaduz gegründeter Zitherklub bestand bis Mitte der 1930er Jahre, ein Harmonikaclub entstand 1947.

Seit dem 19. Jahrhundert gab es eine Musikerziehung an den Schulen und für Begüterte bei Privatlehrern. Aber erst die 1963 gegründete Liechtensteinische Musikschule bot breiten Kreisen guten Instrumental- und Gesangsunterricht, wodurch sie entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des liechtensteinischen Musiklebens erlangte. Eine Aufbruchstimmung ab den 1970er Jahren führte zu einem regen Konzertwesen, einer Vielzahl von professionellen und Laienmusikgruppen und einer wachsenden Zahl von Tonträgerproduktionen.

Das liechtensteinische Musikleben konzentriert sich stark auf die Rezeption ausländischen Lied- und Musikguts, auch wenn seit dem späteren 19. Jahrhundert einzelne Komponisten zu einer eigenen, liechtensteinischen Musikliteratur beitrugen. Internationale Bekanntheit erlangte nur Josef Gabriel Rheinberger. Neben ihm sind im Bereich der Kunstmusik Max Kindle (1887–1949), Paul Biedermann (1889–1979) und Rudolf Schädler (1903–1990) zu nennen, deren Werke jedoch auch in Liechtenstein selten gespielt werden. Weitere Kompositionen entstanden besonders im Bereich des Heimatlieds, der Chor- und der Blasmusik. Einem modernen Kunstmusikverständnis zugewandt haben sich die Vertreter einer jüngeren Generation wie Hieronymus Schädler (*1956), Jürg Hanselmann (*1960), Marco Schädler (*1964), Thomas Nipp (*1969) und Matthias Frommelt (*1975). Im Bereich von Jazz, Rock und Pop treten verschiedene Musiker mit eigenen Stücken auf.

Volks- und Tanzmusik

Volkslied und Volksmusik waren stets von äusseren Einflüssen geprägt. Zum ältesten, durch Jahrhunderte mündlich überlieferten Singgut gehört das noch heute auf einzelnen liechtensteinischen Alpen gesungene «Sennen-Ave» (→ Alpsegen). In der frühen Neuzeit dürften von liechtensteinischen Söldnern in fremden Diensten erlernte Soldatenlieder zum bekannten Liedbestand gehört haben. Auch im 19. Jahrhundert brachten in Süddeutschland ausgebildete liechtensteinische Kontingentssoldaten sowie Saisonarbeiter, Knechte und Dienstboten Liedgut und Tanzformen nach Liechtenstein, vor allem aus Deutschland und der Schweiz. Nach der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1805 förderten österreichische und schweizerische Lehrkräfte und Lehrmittel an den liechtensteinischen Schulen die Verbreitung von Liedern aus Österreich und der Schweiz. Das Vorarlberger Schulliederbuch blieb bis zur Einführung des ersten liechtensteinischen Schulliederbuchs 1935 in Gebrauch. Verbreitet waren bei Wallfahrten oder in Bruderschaften gesungene Marien- und Wallfahrtslieder.

Als Einzelunterhalter spielten bei Hochzeiten, Festen oder Jagdgesellschaften sogenannte Spielmänner auf. Der erste bekannte Spielmann war der Triesner Josef Nägele (1779–1848), 1840 und 1844 sind zwei weitere Spielmänner aus Triesen und Balzers erwähnt. In dieser Tradition steht auch der Zitherspieler Johann Schädler von Triesenberg (1877–1941; vulgo «dr Hagsticker»).

Aus der Zeit um 1850 hat sich in Triesen die Handschrift eines anonymen Schreibers mit 18 Tänzen für Gitarre und zehn Liedern und Moritaten für Singstimme und Gitarre erhalten. Von der ersten nachgewiesenen liechtensteinischen Tanzkapelle – der ab 1853 als «d’Neuhüsler-Musig» bekannten «Geigenmusik» in Triesenberg (zwei Geigen, Klarinette und Bass) – ist eine 1855–57 von Johann Schädler (1832–1902) geschriebene Klarinettenstimme mit 53 Tänzen überliefert. Auch von Florin Kindle (1838–1909) und von der Streichmusik des Triesners Fidel Negele (1884–1937) liegen noch Stimmbüchlein vor, aus Vaduz ist ein Zitherheft vorhanden. Insgesamt sind über 200 in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeschriebene Tänze überliefert (unter anderem Walzer, Schieber, Märsche, bayerische Polkas, Rheinländer, Hopser, Mazurkas, Schottische, Galopps, Tarantellen, Masolkas).

Angeregt durch eine auf dem Vaduzer Jahrmarkt aufspielende böhmische Kapelle wechselte die «Neuhüsler-Musig» 1857 auf eine Besetzung mit Blasinstrumenten («Blechmusik»). Als weitere Tanzkapellen bestanden zum Beispiel ab 1882 die «Spiessa-Musik» in Balzers und um 1900 die «Hirschawüartle-Musik» in Mauren (beide mit Blasinstrumenten) sowie 1902–09 die «Sobotka-Musik» in Triesenberg (Streichquartett mit Klarinette). Streichmusikgruppen sind zum Beispiel auch in Eschen 1904, Mauren 1910, Ruggell 1922 oder Balzers 1930 erwähnt. Die über 250 nachgewiesenen, zum Teil weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Tanzkapellen stellen ein bedeutendes, wenig beachtetes musikalisches Potenzial dar. Heute werden neben Unterhaltungs- und alpenländischer Volksmusik auch die in Liechtenstein überlieferten Tänze wieder aufgeführt. Mehrere Trachtentanzgruppen und der 1955 gegründete Trachtenchor Vaduz widmen sich der Pflege des Volkstanzes beziehungsweise Volkslieds. Besonders deutlich ist der schweizerische Einfluss beim 1934 gegründeten Jodelclub «Edelweiss» Schaan.

Chorwesen

Gesangsgruppen zur Verschönerung des Gottesdienstes sind zum Beispiel in der Kirche von Triesen 1785 erwähnt, in Vaduz 1834, in Eschen 1844. Einen Männerchor gab es in Balzers um 1845/50. Die Organisation als Verein ermöglichte erst die neue Verfassung von 1862. Nun entstanden in allen Gemeinden kirchliche und weltliche Gesangvereine, zuerst 1865 in Gamprin. 1879 fand in Vaduz das 1. Liechtensteinische Landes-Sängerfest statt, an dem die Chöre von Vaduz, Triesen, Balzers, Schaan und Eschen, Frastanz, Buchs und Sevelen teilnahmen.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden die Kirchenchöre stark von dem von Regensburg ausgehenden «Cäcilianismus» beeinflusst, der die Erneuerung der Kirchenmusik im Geist Giovanni Pierluigi Palestrinas postulierte. Die Chöre von Eschen, Mauren und Bendern-Gamprin gründeten 1872 einen «Liechtensteiner Cäcilienverein» als Bezirk des 1870 in Feldkirch entstandenen «Vorarlberger Cäcilienvereins». Sie führten bis 1876 rund zehn Bezirkscäcilienfeste durch. 1895 erhielt die Bewegung neuen Schwung durch die (Neu-)Gründung des von Wunibald Briem (1841–1912) aus Feldkirch präsidierten «Liechtensteinischen Cäcilienvereins» mit den Bezirken Unterland und Oberland. Er war wiederum Teil des Vorarlberger Cäcilienvereins, der 1917 seine Tätigkeit einstellte. Der 1919 als Dachverband der liechtensteinischen Chöre gegründete Fürstlich Liechtensteinische Sängerbund (FLSB) umfasste auch die Kirchenchöre. Diese lehnten sich zudem an den 1944–75 bestehenden Diözesan-Cäcilienverband des Bistums Chur an. 1978 wurde der Kirchenmusikverband des Bistums Chur gegründet, dessen Mitglied der FLSB ist.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden in mehreren Gemeinden und an der Liechtensteinischen Musikschule Kinder- und Jugendchöre. Nicht als Dorfverein konzipiert sind unter anderem der «Ökumenische Chor Vaduz», das Vokalensemble «Ulrich von Liechtenstein» (gegründet 1983), das Chorseminar Liechtenstein (1985) und der «Rheinberger Chor Vaduz» (1996). Durch Gesangsunterricht und Stimmbildung hat sich das musikalische Niveau der Chöre dank der Liechtensteinischen Musikschule stark verbessert. Vermehrt werden auch Orchestermessen, Oratorien und Kantaten sowie Opern- und Operettenkonzerte aufgeführt.

Bemühungen um die Schaffung einer liechtensteinischen Lied- und Chorliteratur waren besonders im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreich. Dabei stand zunächst vor allem das patriotische Jugend- und Heimatlied im Vordergrund, etwa bei Wunibald Briem, dem Churer Bischof Georg Schmid von Grüneck (1851–1932), Franz Xaver Gassner (1861– 1942), Alois Frick (1883–1946), Fidel Ospelt und Fridolin Feger (1912–1952). Severin Brender (1889–1960) und Jakob Falk (1909–1984) komponierten neben Heimatliedern auch geistliche Werke. Geistliche und weltliche Chorwerke schufen zudem Florian Kindle (1838–1909), Johann Georg Büchel (1883–1956), Georg Gstöhl (1925–1999), Walter Kaufmann (1910–1997), Kurt Büchel (1952–2002) und Albert Frommelt (*1943).

Blasmusik

Das liechtensteinische Militärkontingent erhielt im 19. Jahrhundert seine Ausbildung in Süddeutschland, von wo die Soldaten die Kenntnis der Horn-, Trompeten- und Trommelsignale sowie der Parade- und Feldmärsche mitbrachten. Als erster professioneller Militärmusiker wird 1840 ein Hornist Wagner aus Vaduz erwähnt. Die militärische Tradition blieb in der Entwicklung der Blasmusik über viele Jahrzehnte bestimmend.

Nach der ersten «Blechmusik» am Triesenberg 1857 fanden sich im Jahr der neuen Verfassung 1862 in Triesen fünf junge Männer zu einer Bläsergruppe zusammen, die sich «Musikgesellschaft Triesen» nannte und zur Vorreiterin der nun in allen Gemeinden (ausser Planken) entstehenden Blasmusikvereine wurde. 1886 fand in Vaduz das erste liechtensteinische Musikfest unter Beteiligung von sechs Kapellen statt. Der 1926 gegründete Liechtensteiner Blasmusikverband organisierte 1927 das erste Verbandsmusikfest in Vaduz; weitere folgten 1932 in Triesenberg, 1936 in Mauren, 1946 in Triesen (jeweils mit Wertungsspielen). Seit 1952 werden die Feste jährlich abwechselnd im Ober- und im Unterland durchgeführt. Die meisten Musikvereine haben zur Nachwuchsförderung Jugendkapellen aufgebaut. Die Blasmusikkapellen sind wie die Chöre bis heute wesentlicher Teil des dörflichen Gesellschafts- und Kulturlebens.

Kompositorische Beiträge zur Blasmusikliteratur lieferten unter anderem Florian Kindle, Adolf Büchel (1903–1984), Walter Boss (*1946) und Josef Frommelt (*1935).

Orchester

Nach 1900 entstanden in Triesen, Triesenberg, Vaduz, Schaan und Eschen die ersten Orchestervereine. Sie gaben Konzerte und wirkten bei Singspielen oder Orchestermessen mit. Die meisten von ihnen überlebten die Zeit des Ersten Weltkriegs nicht. Der 1917 von Severin Brender gegründete Orchesterverein Vaduz wirkte später als Orchester der Vaduzer Operette. In Triesen führte Fridolin Feger (1912–1952) mit dem von ihm betreuten Orchester- und Theaterverein in den 1930er Jahren mehrere Singspiele auf. In der Aufbruchstimmung ab den 1970er Jahren entstanden 1977 der «Orchesterverein Liechtenstein-Werdenberg» und das Jugendorchester der liechtensteinischen Musikschule (seit 1994 «Jugendsinfonietta»). Das Instrumentalensemble «Raetiana» (gegründet 1983) und das «Symphonische Orchester Liechtenstein» (1988) sind hauptsächlich mit Musiklehrern besetzt. Die Orchester der Operettenbühnen von Balzers und Vaduz und der Opernbühne Vaduz werden ad hoc mit Musikerinnen und Musikern aus der Schweiz, Vorarlberg und Liechtenstein zusammengestellt.

Musiktheater

Aufführungen von Theaterstücken und Singspielen erfreuten sich in allen Gemeinden seit den 1880er Jahren grosser Beliebtheit (→ Theater). An den Gedenkfeiern von 1912, 1949 und 1999 wurden Festspiele mit Musik aufgeführt. Musikalische Freilichtspiele fanden 1924 auf Schloss Vaduz und 1925 auf Burg Gutenberg statt. 1932 und 1939 gab es Passionsspiele in Schaan beziehungsweise auf Schloss Vaduz. Aus der Tradition der Theater- und Singspiele entstanden zwei Operettenbühnen. Ab 1940 beziehungsweise 1946 boten die Männergesangvereine Vaduz beziehungsweise Balzers jährlich Operetten dar. Seit 1962 besteht der Verein «Operettenbühne Vaduz», seit 1973 die «Operette Balzers». Sie führen ihre Produktionen seit 1975 im Jahresturnus abwechselnd auf. 1997 wurde die «Liechtenstein Musical Company» in Balzers, 1998 der «Opernverein Vaduz» gegründet.

Rock, Pop, Jazz

Um 1950 orientierten sich die ersten liechtensteinischen Musikgruppen an amerikanischen Rock-’n’-Roll-Stars wie Bill Haley und Elvis Presley. Die erste öffentlich auftretende liechtensteinische Rock-Band dürfte die 1959/60 entstandene «Rhine City Combo» gewesen sein. Ab Mitte der 1960er Jahre schwappte das von den Beatles verbreitete Beat-Fieber nach Liechtenstein über. Die Zahl der Bands wie «Light Stones», «Sgt. Dunghills», «Black Nights» und «Eureka» wuchs schnell und erreichte um 1990 einen Höhepunkt mit 64 oft kurzlebigen Gruppen. Sie spielen meist die Songs ihrer Rock-Idole nach, einige setzen eigene (Mundart-)Texte selbst in Musik um (z.B. «Fine Young Gäässler-Guga», «Zott-Off»). Seit 1994 besteht mit dem «Blues- und Rockverein» ein Dachverband. 1993–2002 wurde in Vaduz das international besetzte Festival «The Little Big One» veranstaltet. Die ersten Auftritte ausländischer Jazz-Musiker fanden 1960 im Hotel «Vaduzerhof» statt. Das Theater am Kirchplatz in Schaan bot ab 1975 Jazzkonzerte, ebenso der 1979 gegründete Verein Tangente in Eschen. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine kleine Jazz-Szene, zum Beispiel mit der 1975–83 bestehenden «Bryan Jeeves Jazzband» (Blues, Swing und Dixieland), der 1983 gegründeten «Big-Band Liechtenstein» oder Stefan Frommelts «JazzZirkus», der seit 2000 mit eigenen Kompositionen präsent ist.

Archive

LI LA; VLA.

Literatur

E. Bucher: Hundert Jahre Musik am Triesenberg, 1953; W. Deutsch, E. Schneider: Beiträge zur Volksmusik in Vorarlberg und im Bodenseeraum, 1983; H. Nadler: Orgelbau in Vorarlberg und Liechtenstein, 4 Bde., 1985; Das Europäische Jahr der Musik 1985 im Fürstentum Liechtenstein und Dokumentation des Musiklebens, o.J.; Kaiser/Brunhart: Geschichte, 1989; Vogt: Brücken, 1990; J. Frommelt: Hausmusik im Arbeitermilieu, in: Fabriklerleben, 1994, 113–119; G. Meier: Cantate Domino, 1996; B. Büchel: 50 Jahre Operette Balzers, 1996; U. Mayr: Blasmusik in Liechtenstein, in: Eintracht 20 (1999), 9–24; D. Oswald: RumS, Rock ums Seeufer, 2000; J. Frommelt: Brücke Musik, 2008.

Zitierweise

Josef Frommelt, «Musik», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Musik, abgerufen am 22.2.2019.

Medien

Harmoniemusik Vaduz, 1863 (GAV). Die Harmoniemusik Vaduz wurde 1863 als «Vaduzer Blechmusik» gegründet.
Blasmusikvereine, ab 1862
Gesangsvereine, ab 1865