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Napoleon I. (Napoleon Bonaparte)

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Autor: Redaktion | Stand: 31.12.2011

Französischer Kaiser. *15.8.1769 Ajaccio (Korsika), †5.5.1821 Longwood House (St. Helena, britische Insel im Süd-Atlantik), Franzose. Napoleon I. war General der französischen Revolutionsarmee, 1799–1804 Erster Konsul der Französischen Republik, 1804–14 und 1815 Kaiser der Franzosen und ab 1805 König von Italien. Sein 1804 erlassener «Code Civil» bestimmt das bürgerliche Recht in Frankreich bis in die Gegenwart und hat die Rechtsentwicklung in Europa entscheidend beeinflusst. Napoleon I. brachte bis 1807 in mehreren Kriegen grosse Teile Europas unter seine direkte oder indirekte Kontrolle (→ Koalitionskriege). Im Frieden von Lunéville (1801) erhielt Frankreich die ehemals deutschen linksrheinischen Gebiete. Die betroffenen deutschen Fürsten wurden durch die im Reichsdeputationshauptschluss (1803) beschlossene Mediatisierung der geistlich deutschen Fürstentümer entschädigt. Die Auflösung der deutschen Kleinstaaten, ein Ziel von Napoleons Deutschlandpolitik, wurde auch nach 1803 weiterverfolgt. 1803 vermittelte Napoleon für die Schweiz eine neue Verfassung (Mediationsakte), durch die mehrere zusätzliche Kantone entstanden, unter anderem St. Gallen und Graubünden. 1806 schuf er mit dem Rheinbund, dem er bis 1813 als Protektor vorstand, einen von Frankreich abhängigen Bund deutscher Klein- und Mittelstaaten, der als «drittes Deutschland» ein Gegengewicht zu den beiden grossen deutschen Staaten Preussen und Österreich bilden sollte. Dadurch erzwang Napoleon die Abdankung des deutschen Kaisers Franz II. (1806) und damit die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. 1806 wurden Vorarlberg und Tirol an Bayern angeschlossen (bis 1814). Versuche Bayerns, auch Liechtenstein zu annektieren, vereitelte Napoleon 1806 und 1809.

Fürst Johann I. von Liechtenstein war als österreichischer General an mehreren Gefechten gegen Napoleon beteiligt und lernte ihn als Unterhändler an den Friedensverhandlungen nach den Schlachten von Austerlitz (1805) und Wagram (1809) kennen. Napoleon, der den Fürsten schätzte und ihn gern als Gesandten Österreichs in Paris gesehen hätte, nahm ohne Wissen Johanns I. auch Liechtenstein in den Rheinbund auf, das dadurch die Souveränität erhielt. Der französische Kaiser erhoffte sich durch diese Auszeichnung des Fürsten einen Verbündeten im österreichischen Lager zu gewinnen, was jedoch misslang. Die Frau von Johann I., Josepha Sophie Landgräfin zu Fürstenberg-Weitra, stand mit Napoleon in Briefkontakt. Nach der Vernichtung der «Grossen Armee» Napoleons in Russland 1812 schlossen sich Preussen, Russland, Österreich und weitere Staaten, darunter auch Liechtenstein, zu einer Allianz gegen Napoleon zusammen. Diese brach in den Befreiungskriegen (1813–15) die französische Oberherrschaft über Europa. Napoleon wurde 1814 auf die Mittelmeerinsel Elba und 1815 nach St. Helena verbannt.

Literatur

Malin: Geschichte, 1953, 51–55; 158–169; G. Schmidt: Fürst Johann I. (1760–1836), in: Fürstliches Haus, 1987, 383–418; Vogt: Brücken, 1990, 103–106.

Zitierweise

Redaktion, «Napoleon I. (Napoleon Bonaparte)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Napoleon_I._(Napoleon_Bonaparte), abgerufen am 21.4.2019.

Normdaten

GND: 118586408

Medien

Napoleon Bonaparte, Bleifigur (Bildarchiv LLM). Aus der Vereinschronik des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 1928: «An Schenkungen gingen dem Vereine zu: Von Herrn Rechtsagenten D. Bühler in Mauren eine gut erhaltene kleine Bleifigur, darstellend Napoleon I., gefunden in Mauren beim Hause Nr. 111 bei einer Grabung; die Figur verlor offenbar im Franzosenkriege ein französischer Soldat.»