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Naturschutz

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Autor: Mario F. Broggi | Stand: 31.12.2011

Erste Impulse erhielt der Naturschutz zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der mitteleuropäischen Strömung gegen die Industrialisierung und die von ihr verursachte Bedrohung des Naturreichtums. Ziel war die Erhaltung natürlicher Zustände, vor allem der Schutz von Einzelobjekten. Diese «Zurück-zur-Natur»-Welle war auch im ländlichen Liechtenstein spürbar, wo sie 1903 mit dem Schutz des Edelweiss und weiterer Alpenpflanzen zu ersten gesetzlichen Bestimmungen führte. 1912 setzte sich der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein als erste liechtensteinische Vereinigung neben dem Heimatschutz auch den Naturschutz zum Ziel.

Das erste, damals durchaus moderne liechtensteinische Naturschutzgesetz von 1933 (Anpassungen 1966 und 1977, Gesetz zum Schutz von Natur und Landschaft 1996) stellte eine lange Liste von Tier- und Pflanzenarten unter Schutz. Erhalten werden sollten auch Standorte seltener Pflanzen, «Naturgebilde» wie Wasserfälle und geologische Einzelbildungen. Diese vom Ausland inspirierten Bemühungen hatten kaum Erfolg, erst seit den 1950er Jahren fand der Naturschutz vermehrt Beachtung. Unter dem Einfluss des Liechtensteiner Alpenvereins wurde 1952 das Malbuntal zum Pflanzenschutzgebiet erklärt und zu dessen Beaufsichtigung eine Bergwacht geschaffen (seit 1991 Alpine Naturwacht). 1961 entstanden die ersten Naturschutzgebiete.

Den stärksten Impuls für den liechtensteinischen Naturschutz brachte das durch den Europarat ausgerufene «Jahr der Natur» 1970, an dem sich Liechtenstein mit einem «Aktionskomitee zur Aktivierung des Natur- und Landschaftsschutzes» beteiligte. Im gleichen Jahr wurde die Botanisch-Zoologische Gesellschaft Liechtenstein-Sargans-Werdenberg gegründet, 1973 folgte die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz.

Seit 1980 hat Liechtenstein mehrere internationale Naturschutzabkommen unterzeichnet. Gemäss dem Naturschutzgesetz von 1996 fällt die Naturschutzkompetenz dem Land und den Gemeinden zu. Die Regierung wird von der seit 1933 bestehenden staatlichen Naturschutzkommission beraten, das Amt für Wald, Natur und Landschaft ist für die Naturschutzagenden zuständig.

Ein erstes Naturschutzgutachten von 1977 erfuhr 1992 durch das Naturvorrangflächen-Inventar mit Biotop-, Wald-, Landschaftsschutz- und Naturdenkmalinventaren eine wesentliche Erweiterung. Die zehn 1961–2011 im Talraum ausgewiesenen Naturschutzgebiete umfassen mit rund 180 ha Fläche etwas über 1 % der Landesfläche. Günstiger ist die Situation beim Wald: Die im Jahr 2000 geschaffenen Naturvorrangflächen (Waldreservate und Sonderwaldflächen) umfassen 26,7 % der liechtensteinischen Gesamtwaldfläche. Landschaftsschutzgebiete zum Schutz traditioneller Kulturlandschaften wurden bisher nicht ausgewiesen.

Literatur

Broggi: Landschaftswandel, 1986, 75–79; Inventar Naturvorrangflächen, 1993.

Zitierweise

Mario F. Broggi, «Naturschutz», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Naturschutz, abgerufen am 22.4.2019.

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Naturschutzgebiete in Liechtenstein