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Ospelt, Gustav (1906–1990)

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Autor: Christoph Maria Merki | Stand: 31.12.2011

Unternehmer und Politiker. *1.8.1906 Vaduz, †13.4.1990 Vaduz, von Vaduz. Sohn des Landtagsabgeordneten und Bürgermeisters Gustav und der Berta, geb. Laternser, drei Geschwister.  7.9.1939 Amalia Real (*6.12.1917, †4.7.1978), fünf Töchter, ein Sohn.

Nach dem Besuch der Landesschule, der späteren Realschule Vaduz, machte Ospelt eine Lehre in der Schlosserei seines Vaters und besuchte 1924/25 die Kunstgewerbliche Abteilung der Gewerbeschule der Stadt Zürich. 1925–27 arbeitete er als Bau- und Kunstschlosser in Dornbirn (Vorarlberg). 1928 trat er in den väterlichen Betrieb ein, den er nach dem Tod des Vaters 1934 zusammen mit seinem Bruder Erwin übernahm. Ab 1932 montierte die Schlosserei Ospelt – ab 1936 Gustav Ospelt Apparatebau Aktiengesellschaft Vaduz – Zentralheizungen. 1933–39 war Ospelt Besitzer des →Waldhotels «Liechtensteiner Hof». Nachdem Erwin sich 1939 hatte auszahlen lassen, war Ospelt Alleininhaber der vom Vater übernommenen Firma. 1942 wurde der Betrieb, der inzwischen 14 Mitarbeiter zählte, dem Fabrikgesetz unterstellt. Im Krieg gab es kaum Aufträge und das Material war knapp. 1945 liess Ospelt die Marke «Hoval» (Heizapparatebau Ospelt Vaduz Liechtenstein) eintragen. Unter diesem Namen erfolgte nach dem Krieg eine rasche Expansion. Dabei profilierte sich Ospelt nicht nur als Kaufmann und Fabrikant, er war auch Konstrukteur und Entwickler. Die Kochherde, welche die Hovalwerk AG zwischen 1945 und 1960 produzierte, hatte er selbst entworfen. Auch die Heizkessel, durch die die Firma bekannt wurde, trugen Ospelts Handschrift. Schon 1946 tat sich Ospelt mit ausländischen Partnern zusammen. In Rankweil (Vorarlberg) entstand das erste ausländische Werk. 1985 übergab Ospelt das Präsidium der Hovalwerk AG seinem Schwiegersohn Peter Frick, einem Sohn von Alexander Frick. Gleichzeitig übernahm Ospelts Sohn Fritz die Ospelt Haustechnik AG; diese 1962 aus der Hovalwerk AG ausgegliederte Firma installiert im regionalen Rahmen Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärprodukte.

Ospelt war auch politisch aktiv: 1933 war er einer der Gründer des Liechtensteiner Heimatdienstes, aus dem er nach einiger Zeit wegen dessen Entwicklung zu einer autoritär-antidemokratischen Bewegung wieder austrat. Während der nationalsozialistischen Bedrohung engagierte sich Ospelt für die Selbständigkeit Liechtensteins. 1942–45 sowie 1951–60 war er Vaduzer Gemeinderat und 1966–70 Landtagsabgeordneter (FBP), dabei Mitglied der Finanzkommission und des Landesausschusses. 1947–53, 1957–58 sowie 1960–68 gehörte er dem Verwaltungsrat der Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) an. Von der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer, die Ospelt mitbegründete und deren Präsident er 1947–68 war, wurde er 1970 zum Ehrenpräsident ernannt. 1966 erhielt Ospelt den Titel «Fürstlicher Kommerzienrat», 1978 ein Ehrendoktorat der Universität Graz. In seiner Freizeit ging Ospelt auf die Jagd und spielte Klarinette. In seiner Familie und in seinem Unternehmen war der erfolgreiche Industriepionier Ospelt ein Patron, wie er im Buche steht: fleissig, sparsam, autoritär, zugleich auf das Wohl aller Mitglieder seines Hauses bedacht.

Literatur

G. Ospelt: Erfüllte Jahre, 1986; Geiger: Krisenzeit, 22000.

Zitierweise

Christoph Maria Merki, «Ospelt, Gustav (1906–1990)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Ospelt,_Gustav_(1906–1990), abgerufen am 21.4.2019.

Medien

Feier zum 80. Geburtstag von Gustav Ospelt, 1986 (LI LA). Foto: Klaus Schädler, Triesenberg. Gustav Ospelt (links) erhält vom Vaduzer Bürgermeister Arthur Konrad ein Buch überreicht.