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Ospelt, Josef

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Autor: Rupert Quaderer | Stand: 31.12.2011

Regierungschef und Landtagsabgeordneter. *9.1.1881 Vaduz, †1.6.1962 Vaduz, von Vaduz. Sohn des Landwirts und Gemeindekassiers Julius und der Maria, geb. Seger, fünf Geschwister.  2.10.1916 Mathilde Ospelt (*25.5.1889, †16.4.1960), Schwester des Landtagsabgeordneten und Bürgermeisters Ludwig, vier Kinder.

Nach Abschluss der Landesschule Vaduz arbeitete Ospelt als Kanzleihilfskraft bei der Regierung. Von 1912 bis Mai 1920 war er fürstlicher Regierungssekretär, 1914 wurde er zum nebenamtlichen Staatsanwaltstellvertreter ernannt. Nach dem Tod des Landesverwesers Karl von In der Maur am 11.12.1913 führte Ospelt im Auftrag von Fürst Johann II. bis zur Ernennung des neuen Landesverwesers Leopold von Imhof am 1.4.1914 die unaufschiebbaren Regierungsgeschäfte durch. 1918 wurde Ospelt unter Beibehaltung des Postens eines Regierungssekretärs mit der Führung der Domänenverwaltung (fürstlicher Rentmeister) betraut. Auf Empfehlung des zurückgetretenen Landesverwesers Josef Peer beauftragte Johann II. Ospelt ab dem 23.3.1921 erneut mit der einstweiligen Führung der Regierungsgeschäfte. Ospelt war Mitglied der vorberatenden Kommission für die Ausarbeitung der neuen Verfassung, die er am 5.10.1921 als Regierungsvertreter gegenzeichnete. Am 5.3.1922 ernannte ihn der Fürst auf Vorschlag des Landtags als ersten Liechtensteiner zum Regierungschef. Am 27.4.1922 entsprach Johann II. dem Gesuch Ospelts, ihn aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Regierungschefs zu entheben. Den eigentlichen Grund für seine Demission bildete der Sieg der Volkspartei bei den Landtagswahlen vom Februar 1922. Die neue Mehrheitspartei bekämpfte das FBP-Gründungsmitglied Ospelt unter anderem aufgrund seiner konservativen politischen Gesinnung und seiner Kirchennähe. Dieser Auseinandersetzung wollte sich Ospelt durch seinen Rücktritt entziehen. Die neue Regierung unter Gustav Schädler (VP) kritisierte 1922 Ospelts Amtszeit als Regierungssekretär und Regierungschef im ersten Rechenschaftsbericht der Regierung an den Landtag. Vorgehalten wurde ihm vor allem seine enge Anlehnung an die fürstliche Verwaltung in Wien und an den ehemaligen Landesverweser Josef Peer. Ospelt wehrte sich 1923 in einer Artikelserie im «Liechtensteiner Volksblatt» gegen diese Vorwürfe.

Nach mehrmonatigem Aufenthalt auf Schloss Liechtenstein bei Mödling (NÖ), wo er als Rentmeister in der fürstlichen Verwaltung tätig war, kehrte Ospelt im Herbst 1922 nach Vaduz zurück. Dort eröffnete er eine Rechts- und Versicherungskanzlei. Ab 1925 hatte er die Repräsentanz der Zürich-Versicherungen für Liechtenstein inne. 1930–32 war Ospelt Landtagsabgeordneter (FBP) und als solcher zeitweilig Mitglied der Geschäftsprüfungskommission, zudem 1930–53 Präsident des Staatsgerichtshofs. 1928–50 fungierte Ospelt als Präsident des Verwaltungsrats der Sparkassa beziehungsweise der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). Ospelts wichtigste Zielsetzungen beim Amtsantritt bestanden darin, die durch den Sparkassaskandal ruinierte Bank zu sanieren und das Vertrauen in sie wiederherzustellen. 1950–57 war er Präsident des Aufsichtsrats der LLB. Er war langjähriger Verwalter und Vorsitzender des Pressevereins «Liechtensteiner Volksblatt» und 1936–62 Mitglied des Verwaltungsrats der Präsidial-Anstalt.

Ospelt engagierte sich auch im sozialen und im kulturellen Bereich. Er war Gründungsmitglied (1901) und 1918–55 Vorstandsmitglied des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, 1928–55 als Vorsitzender (1940 Ehrenmitglied, 1955 Ehrenpräsident). Ospelt entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit durch seine Mitarbeit an der Redaktion des Jahrbuchs und durch eigene historische Forschungsarbeit. Unter seiner Präsidentschaft begannen in den 1930er Jahren die archäologischen Grabungen auf dem Borscht und auf dem Lutzengüetle sowie 1942 die Erarbeitung des Liechtensteinischen Urkundenbuchs. Ospelt leitete 1945 die ersten Schritte zur Inventarisierung der liechtensteinischen Kunstdenkmäler ein. 1954 wurde das Liechtensteinische Landesmuseum eröffnet, das sich vor allem auf die Sammlung des Historischen Vereins stützte. Ospelt verfasste 24 Beiträge für das Jahrbuch des Historischen Vereins. Sein Hauptinteresse galt der Sammlung und Edition von historischen Quellen, der Volks- und Familienkunde, der politischen Geschichte, dem Fürstenhaus, den Landammännern und der Namenforschung. Seine Sammlung liechtensteinischer Orts- und Flurnamen (1911) stellt eine wichtige Vorarbeit zur liechtensteinischen Namenforschung dar. Ab 1921 war er mehrere Jahre Mitglied der Historischen Kommission für Vorarlberg und Liechtenstein.

Ospelt beteiligte sich 1924 an der Gründung des Caritasvereins, dessen Verwalter und Kassier er 1924–60 war, sowie ebenfalls 1924 an der Gründung des Liechtensteinischen Volksvereins, der ersten katholischen Erwachsenenbildungseinrichtung in Liechtenstein, den er von 1924 bis Anfang der 1940er Jahre leitete. 1931–41 war er Obmann der Vaduzer Winzergenossenschaft (1941 Ehrenobmann). Ehrungen: 1921 Fürstlicher Rat, 1937 Komturkreuz des fürstl. liecht. Verdienstordens, 1949 Ritter des Ordens vom Hl. Grab, 1955 Ehrenmitglied des Liechtensteiner Alpenvereins, 1960 päpstliche Goldene Verdienstmedaille «Bene Merente».

Literatur

J. Kaiser: 70 Jahre FBP, 1988, 25f.; Vogt: Landtag, 21988; A. Ospelt: Fürstlicher Rat Josef Ospelt, in: Eintracht 25 (2000), 7; A. Ospelt: Zum Gedenken an die verstorbenen Vorsitzenden des Historischen Vereins, in: JBL 100 (2001), 160–204, bes. 177–184 (mit Werkverzeichnis).

Zitierweise

Rupert Quaderer, «Ospelt, Josef», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Ospelt,_Josef, abgerufen am 16.2.2019.

Medien

Regierungschef Josef Ospelt (1881–1962). Fotografie (LI LA).