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Palais, fürstliche

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Autorin: Evelin Oberhammer | Stand: 31.12.2011

Palais sind prachtvolle, repräsentative, vornehmlich Wohnzwecken dienende Stadthäuser des Adels. Die Fürsten von Liechtenstein erstellten seit dem späten 17. Jahrhundert mehrere Palais in Wien und eines in Feldkirch.

Das Stadtpalais an der Bankgasse in Wien (I. Gemeindebezirk) war als Majoratspalais bis 1938 eine der Hauptresidenzen der regierenden Fürsten von Liechtenstein. Es wurde 1690–1705 von Domenico Martinelli nach abgeänderten Plänen Enrico Zuccallis erbaut. Auftraggeber war zunächst Dominik Andreas Graf Kaunitz, 1694 wurde der Rohbau an Fürst Johann Adam von Liechtenstein verkauft. Bis 1807/10 befand sich hier die liechtensteinische Gemäldegalerie. 1836–42 erfolgte die Renovierung der Innenräume im Stil des Zweiten Rokoko durch Peter Hubert Desvignes. Während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt, wurde das Gebäude bis 1976 grossteils wieder instand gesetzt und beherbergte Privaträume der fürstlichen Familie sowie an Ministerien und kulturelle Einrichtungen vermietete Teile. 2009–13 umfassende Rennovierung.

Das Garten- oder Rossauerpalais in Wien (IX. Gemeindebezirk) wurde 1691–1704/11 im Auftrag Fürst Johann Adams von Liechtenstein von Domenico Martinelli nach modifizierten Plänen Domenico Egidio Rossis erbaut. Gleichzeitig wurde ein Park angelegt und ein von Johann Bernhard Fischer von Erlach geplantes Belvedere errichtet. Angrenzend gründete Fürst Johann Adam die Vorstadt Liechtenthal. Um 1800 erfolgten kleinere bauliche Änderungen und die Umgestaltung des Parks in einen englischen Garten. Ab 1807/10 bis zum Zweiten Weltkrieg Standort der fürstlichen Gemäldegalerie. 1908 Einrichtung des fürstlichen Hausarchivs und 1912–14 der Fideikommissbibliothek. 1955–78 an das Österreichische Bauzentrum vermietet, 1979–2000 an das Museum Moderner Kunst. Danach Umbau, 2004–11 «Liechtenstein Museum» (Präsentation von Objekten der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein).

Das Palais Alserbachstrasse in Wien (IX. Gemeindebezirk) liegt gegenüber dem Rossauer Gartenpalais. Es wurde 1873–75 anstelle des von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbauten ehemaligen Belvederes vom Architekten Heinrich von Ferstel als Witwensitz für Franziska Kinsky von Wchinitz und Tettau, die Mutter Fürst Johanns II. von Liechtenstein, errichtet. 1988–90 Adaptierung für Wohn- und Bürozwecke.

Das Palais Liechtenstein in Feldkirch (Vorarlberg) ist ein schlichtes, dreigeschossiges Barockpalais mit rustiziertem Eingangsportal, dessen Fassade und quadratischer Innenhof mit reichem ornamentalem Sgraffitodekor versehen sind. Das Gebäude wurde um 1700 auf dem Gelände des 1698 abgebrannten, ehemaligen kaiserlichen Hubhauses im Auftrag Fürst Johann Adams von Liechtenstein vom Hofbaumeister Gallus Apeller errichtet. Der Bau verfolgte den Zweck, für die 1699 erworbene Herrschaft Schellenberg Verwaltungseinrichtungen zu schaffen. Hier fanden Verhandlungen um den Kauf der Grafschaft Vaduz statt. Bis zu seiner Veräusserung 1774 diente das ausserhalb Liechtensteins gelegene Palais als zeitweiliges Amtshaus und Quartier der liechtensteinischen Landvögte. Steuerlich war es teilweise eximiert. Nach mehrfachem Besitzwechsel an verschiedene Feldkircher Bürger, die das Gebäude im 19. Jahrhundert auch als Gaststätte nutzten, sind hier gegenwärtig das Feldkircher Stadtarchiv und die Stadtbibliothek untergebracht.

Literatur

A. Hager: Das ehemals liechtensteinische Haus in Feldkirch, in: JBL 63 (1964), 143–153; R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19. Jahrhundert, 1970, 214; H. Lorenz: Domenico Martinelli und die österreichische Barockarchitektur, 1991, 34–39, 42–47, 227–235, 248–257; Dehio-Handbuch: Wien II. bis IX. und XX. Bezirk, 1993; Ch. Witt-Dörring: Eine Art Offenbarung, in: Parnass, Sonderheft 11/95, 72–78; Dehio-Handbuch: Wien I. Bezirk-Innere Stadt, 2003.

Zitierweise

Evelin Oberhammer, «Palais, fürstliche», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Palais,_fürstliche, abgerufen am 19.2.2019.