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Pfarrkirche St. Florin

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Autorin: Judith Niederklopfer-Würtinger | Stand: 31.12.2011

Katholische Pfarrkirche, Gemeinde und Pfarrei Vaduz, 460 m ü.M. Am 2.12.1997 von Papst Johannes Paul II. zur Kathedrale des neu geschaffenen Erzbistums Vaduz erhoben.

Unmittelbar nördlich der heutigen Pfarrkirche St. Florin befand sich die ins Hochmittelalter zurückreichende, 1872/74 abgerissene Kapelle St. Florin. Für die 1873 geschaffene Pfarrei Vaduz entstand 1869–73 die grössere Pfarrkirche St. Florin nach Plänen des Wiener Architekten Friedrich von Schmidt unter der Bauleitung von Ignaz Bankó. Am 5.10.1873 erfolgte die Weihe mit drei Altären durch den Churer Bischof Kaspar Willi. Rund 80 % der Baukosten trug der Patronatsherr, Fürst Johann II. 1965–68 wurde die Pfarrkirche St. Florin einer umfassenden Renovierung unter der Leitung von Hans Rheinberger unterzogen; 1975–77 folgten eine Aussen- und 1988 sowie 2010 eine Innenrenovierung. 1999 trat Fürst Hans Adam II. das Patronat (Präsentationsrecht) an den Erzbischof von Vaduz ab.

Die in Naturstein errichtete neugotische Pfarrkirche St. Florin verfügt über einen Frontturm mit Spitzhelm. Eine zweiarmige, zum Haupteingang führende Aussentreppe umschliesst zwei Spitzbogennischen, in denen sich seit 1961 Bronzeskulpturen von Hans von Matt aus Stans (Nordwesten) befinden (Maria mit Kind in der Krippe und Pietà). An die Vorhalle schliesst sich eine dreischiffige Hallenanlage mit vierjochigem Mittelschiff an. Der um drei Stufen erhöhte, fünfseitige Chorraum, das Mittelschiff und die Empore liegen unter Stern-, die Seitenschiffe unter Kreuzgewölben. Die Familie des Patronatsherrn erhielt ein Oratorium an der Südseite des Chors (Fürstenloge). Es ist von einem Tympanon in neugotischem Stil überragt, in dessen Mitte das Vollwappen der fürstlichen Familie prangt. An der Südseite des Chors befindet sich ein Sakristeianbau, an der Nordseite seit 1965 ein Kapellenraum (ehemals Tauf-, heute Andachtskapelle). Chor und Schiff werden durch hohe Spitzbogenfenster belichtet. Die Glasmalereien der Firma Albert Neuhauser (Innsbruck) von 1871/72 wurden 1965 grösstenteils durch Kirchenfenster nach Entwürfen von Martin Häusle (Feldkirch) ersetzt.

Im Chor befinden sich seit 1965 ein Zelebrationsaltar, ein Ambo und eine Kanzel aus Stein nach Entwürfen von Emil Gehrer (Bregenz). Der neugotische Hochaltar von 1873 aus der Kunstwerkstätte Josef Leimer (Wien) an der Chorrückwand zeigt die vier Evangelisten, den hl. Florin und Johannes den Täufer. Zwei Schnitzfiguren (hl. Petrus und Paulus), eine Holzskulptur Johannes des Täufers (um 1670) sowie ein in Holz gefasster thronender Gottvater (um 1650) stammen vermutlich aus der ehemaligen Florinskapelle, während ein Hans von Judenburg (erwähnt 1411–24) zugeschriebener spätgotischer Grabchristus aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und eine niederbayrische Holzskulptur der Madonna mit Kind (um 1480/1520) 1956 erworben wurden. Den Kreuzweg aus Holz schuf Emil Gehrer 1966/67.

Literatur

100 Jahre Pfarrkirche Vaduz, 1973; Herrmann: Kunstdenkmäler 2, 2007, 228–243.

Zitierweise

Judith Niederklopfer-Würtinger, «Pfarrkirche St. Florin», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Pfarrkirche_St._Florin, abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Die neu erbaute Vaduzer Pfarrkirche, um 1870 (Bildarchiv LLM). Links von der Pfarrkirche die Kapelle St. Florin und der Tschaggaturm.