Aktionen

Pfrundbauten Eschen

Wechseln zu: Navigation, Suche

Autorin: Cornelia Herrmann | Stand: 31.12.2011

Am Eschner Dorfplatz östlich der Pfarrkirche St. Martin gelegenes Gebäudeensemble, bestehend aus dem ehemaligen Pfarrhaus und der ehemaligen Kaplanei, 452 m ü.M. Seit dem Bau des 1967 fertiggestellten neuen Pfarrhauses und nach dem Auszug der Gemeindekanzlei 1968 standen die Gebäude leer. 1974 wurden sie unter Denkmalschutz gestellt und dienen seit 1976 als Veranstaltungsort der Gemeinde Eschen.

Bei den 1974 im Vorfeld der Renovierung der Pfrundbauten unter Georg Malin durchgeführten archäologischen Grabungen wurden auf dem Areal zwischen der Pfarrkirche St. Martin und den heutigen Pfrundbauten Fundamente eines kleinen, in romanische Zeit zurückreichenden Vorgängerbaus entdeckt. Wohl in gotischer Zeit wurden neue Fundamente für weitere Gebäude gelegt, deren Grundriss annähernd dem des heutigen Gebäudeensembles entsprach. Untersuchungen am aufgehenden Mauerwerk haben ergeben, dass von mehreren baulichen Erweiterungen und Veränderungen in den folgenden Jahrhunderten auszugehen ist. Die Frage nach einer detaillierten Chronologie und dem Umfang der jeweiligen Massnahmen kann beim derzeitigen Kenntnis- und Forschungsstand für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert nicht eindeutig beantwortet werden.

Im Eschner Jahrzeitenbuch ist erstmals ein Pfrundhaus schriftlich bezeugt, das der 1457 verstorbene Pfarrer Kaspar Ammann während seiner Amtszeit bauen liess. Einen Pfarrhof nebst Krautgarten verzeichnet das Güterverzeichnis der Pfarrei Eschen von 1513. Der seit 1586 in Eschen tätige und 1620 verstorbene Pfarrer Franz Dietrich erneuerte Pfarrhaus und Stall. 1687 nennt ein Verzeichnis erneut Baukosten für den Pfarrhof zu Eschen. 1863 übernahm die Gemeinde Eschen mit dem Zehnten auch die Verpflichtung zum Bau und Unterrhalt der Pfrundbauten. Es folgten bauliche Eingriffe zur Einrichtung einer Pfarrwohnung im Hauptgebäude, das um ein Stockwerk reduziert wurde, und zur Einrichtung einer Kaplanei im ursprünglich eingeschossigen, nun um ein Geschoss aufgestockten Nebengebäude. Bei der Renovierung von 1975/76 wurden die Bauten dem Aussehen vor dem Umbau von 1861/63 angenähert und im Innern die Räume den neuen Nutzungsbedürfnissen angepasst. Das ehemalige Pfarrhaus erhielt dank einer Aufstockung in Riegelwerk seinen einst turmartigen Charakter zurück. Ausstattung: Schrank aus dem alten Pfarrhaus, 18. Jahrhundert, zwei Turmöfen aus der Biedermeierzeit um 1830/40. Aussen: Kopie einer Grabtafel mit Relief eines Geistlichen, stildatiert 15. Jahrhundert/«1608»; Kopie einer Steintafel mit quadriertem Wappen des Klosters Pfäfers unter Abt Bonifaz I. Tschupp, 1687, beide Originale im LLM.

Archive

LI LA; GAE.

Quellen

LUB I/2, 335, 343.

Literatur

Neues Leben in alten Häusern, o.J. [1973]; F. Marxer: Vereinschronik, in: JBL 74 (1974), 186–191, bes. 187; B. Zäch: Münzfunde und Geldumlauf im mittelalterlichen Alpenrheintal, in: JBL 92 (1994), 201–240, bes. 235; G. Meier: Cantate Domino, 1996, 432–434; Die Pfrundbauten, Hg. Gemeinde Eschen, 2010.

Zitierweise

Cornelia Herrmann, «Pfrundbauten Eschen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Pfrundbauten_Eschen, abgerufen am 19.2.2019.