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Post

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Autor: Redaktion | Stand: 31.12.2011

Als Post wird eine Einrichtung zum Transport von Nachrichten, Kleingütern und Personen bezeichnet. Bis ins 19. Jahrhundert gab es in Liechtenstein kein staatliches Postwesen. In dem an einer alten Handelsroute zwischen Italien und Süddeutschland liegenden Fürstentum (→ Reichsstrasse) wurde Fracht bis in die 1820er Jahre zu einem grossen Teil von lokalen Transportgenossenschaften (Rodwesen) befördert (→ Transportwesen). Die erste Postverbindung im Gebiet Liechtensteins war der wohl ab Anfang des 14. Jahrhunderts zwischen Lindau und Mailand verkehrende (ab spätestens 1613 im Wochenintervall), privatunternehmerische Fussacher Bote (auch Lindauer bzw. Mailänder Bote genannt). Dieser war berechtigt, Reisende zu befördern, unterwegs Briefe, Pakete und Geldsendungen einzusammeln und gegen Gebühren zu transportieren. In Gasthäusern wurden die Briefe an regionale Fussboten verteilt bzw. deren Briefe angenommen. Das von der Familie Wolfinger geführte Gasthaus «Rössle» bzw. «Post» in Balzers war um 1800 bereits seit zwei Generationen eine solche Verteilstelle. Die Mailänder Boten übernahmen auch Postsendungen vom oder für das Oberamt in Vaduz. Der Transport der Amtspost von Vaduz nach Feldkirch und zurück erfolgte ansonsten durch den sogenannten Oberamtsboten. Der erste namentlich bekannte Oberamtsbote war 1681 David Boss (1650–1726). Daneben wurden Dorfboten eingesetzt, die Briefe u.a. bis nach Lindau (D) brachten. Ab 1770 organisierte der österreichische Staat in Vorarlberg und Tirol das Postwesen, da er das als aussenpolitisches Zeichen der Souveränität angesehene Postregal nicht mehr privaten Unternehmen überlassen wollte. 1807 regte der liechtensteinische Landvogt Franz Xaver Menzinger die Nutzung des Postregals in Liechtenstein an. Fürst Johann I. von Liechtenstein hiess den Vorschlag zwar gut, er wurde aber von Menzingers ab 1808 amtierendem Nachfolger Josef Schuppler nicht umgesetzt.

Österreich und Bayern unterhielten ab dem frühen 18. Jahrhundert bis 1817 einen Briefsammler in Chur, der sich zweimal pro Woche mit dem Feldkircher Briefsammler zur Übergabe von Briefen in Balzers traf. Anstelle der defizitären Churer Briefsammlung errichtete die k.k. Postverwaltung 1817 in Balzers die erste staatliche Briefsammelstelle Liechtensteins. Geführt wurde sie vom «k.k. Briefsammler und Postbeförderer» Josef Ferdinand Wolfinger. Liechtenstein wurde damit – unter gleichzeitiger Bestätigung der Souveränität von Fürst Johann I. durch Österreich – Inlandsgebiet der k.k. Post. In Balzers wurde hauptsächlich die Post aus dem Oberland gesammelt, Briefe aus dem Unterland wurden in Feldkirch aufgegeben.

Zudem waren im 19. Jahrhundert Boten tätig, die Briefe in Schweizer Postämtern, z.B. in Buchs, Haag oder Trübbach, ablieferten.

1817 wurde dem Fussacher Boten untersagt, in Vorarlberg Post einzusammeln. 1819 erreichte er die Aufhebung des Verbots, was zu einem massiven Rückgang des Umsatzes der Balzner Briefsammelstelle auf nur noch 4–8 Kreuzer pro Monat führte. Aus diesem Grund wurde sie 1819 aufgehoben. 1822 schlug die k.k. Oberpostverwaltung von Tirol dem Oberamt vor, in Vaduz eine k.k. Briefsammlung zu errichten. 1826 stellte die den Fussacher Botendienst ausübende Messagerie Spehler & Weiss ihre Tätigkeit ein, da sie gegenüber den schnelleren und besser ausgebauten staatlichen Postverbindungen in der Schweiz und in Österreich nicht mehr konkurrenzfähig war.

Bereits 1824 war auf Vorschlag der Graubündner Kantonalpost der Gasthof «Post» in Balzers als offizielle Relaisstation in den neuen Postwagenkurs über die neu ausgebaute Splügenstrasse eingebunden worden. Das Gasthaus diente dabei als Pferdewechselstation und verköstigte Reisende und Postillione der k.k. Eilpost zwischen Mailand und Bregenz. Die k.k. Postverwaltung eröffnete auf den 1.1.1827 die Briefsammlung in Balzers erneut; 1839 wurde sie zum ersten liechtensteinischen Postamt erhoben. Leiter war wiederum Josef Ferdinand Wolfinger (ab 1839 «k.k. Postmeister»), der ab 1842 zudem auf eigene Kosten eine Postablage in Vaduz unterhielt. 1845 wurde in Vaduz die zweite liechtensteinische Briefsammelstelle eröffnet, geführt von Johann Georg Rheinberger. Aufgrund des «Zoll- und Steuervereins» mit Österreich von 1852, der den Status Liechtensteins als österreichisches Postinland bestätigte, wurde das Fürstentum in den 1868 zwischen Österreich und der Schweiz abgeschlossenen Postvertrag mit einbezogen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm der Postverkehr zu, weshalb 1864 in Nendeln (1864–1912 für das ganze Unterland zuständig), 1872 in Schaan und 1890 in Triesen weitere Postämter eingerichtet wurden. Die Sammelstellen bzw. Postämter waren in den Privathäusern der Briefsammler bzw. Postmeister untergebracht. Grösstenteils ab den 1960er Jahren, teilweise aber auch schon früher, so in Schaan und Vaduz, wurden sie in landeseigene Postämter verlegt.

Da der Postverkehr in Liechtenstein bis um 1900 nicht kostendeckend war, weigerte sich die k.k. Postverwaltung, die Infrastruktur auf eigene Kosten auszubauen. Aus diesem Grund wurden die ab 1864 tätigen Briefträger aus der Landeskasse bezahlt und waren – im Gegensatz zu den Postmeistern – auch keine Angestellten der k.k. Postverwaltung. 1900–04 beteiligte sich Österreich jährlich mit 3600 Kronen an den Gehältern der Postboten, und ab 1905 übernahm die österreichische Post die Entlöhnung der Briefträger ganz, weil diese nun Angestellte der k.k. Post- und Telegraphendirektion Innsbruck waren. Der im 19. Jahrhundert durch Österreich erfolgte Aufbau der Telekommunikation in Liechtenstein wurde ebenfalls grösstenteils vom liechtensteinischen Staat finanziert. 1869 wurde die vom Vaduzer Postmeister geführte k.k. Telegrafenstation Vaduz in Betrieb genommen, 1887 folgte die erste (private) Telefonanlage, ab 1898 bestand ein öffentliches Telefonnetz. Zur Etablierung eines fahrplanmässigen öffentlichen Personentransports (→ öffentlicher Verkehr) mittels Kutschen und Schlitten innerhalb Liechtensteins kam es erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts; 1863 richtete Postmeister Josef Ferdinand Wolfinger einen Kurs ein, der täglich von Balzers nach Feldkirch und wieder zurückfuhr und drei Passagieren Platz bot. Die in der Folge ausgebaute Personenbeförderung per Pferdepost musste im Ersten Weltkrieg 1917 wegen Futtermangels grösstenteils eingestellt werden. Den ersten Postautodienst in Liechtenstein betrieb ab 1922 Alfred Hüsler. Die von den österreichischen Postbehörden durchgeführte Verwaltung des liechtensteinischen Postwesens (Post-, Telegrafen- und Telefondienst) erfolgte im 19. Jahrhundert ohne staatsvertragliche Regelung. 1911 schloss Liechtenstein mit Österreich einen Postvertrag, in dem das Fürstentum das Recht erhielt, eigene Postwertzeichen herzustellen (→ Philatelie). Überschüsse aus dem Postbetrieb in Liechtenstein wurden neu zur Hälfte zwischen der k.k. Postverwaltung und der fürstlichen Regierung geteilt. Das Postwesen, aus dem Liechtenstein vorher keine Einnahmen bezogen hatte, entwickelte sich zu einer wichtigen Einnahmequelle, v.a. dank des Verkaufs der ab 1912 herausgegebenen Briefmarken. Im Ersten Weltkrieg musste die gesamte ins Ausland gehende liechtensteinische Post die österreichische Zensur durchlaufen, was zu erheblichen Verzögerungen im Postverkehr führte. Zur Umgehung der Kontrollen wurden Postsendungen teilweise in der Schweiz aufgegeben, so war von August bis November 1918 ein Vaduzer Amtsbote in der «Botenpost Vaduz–Sevelen» bzw. «Hilfspost Vaduz 1918» tätig. Vom 15. bis 17. Mai 1920 führten die in Liechtenstein tätigen Angestellten der Post einen erfolgreichen Streik für bessere Löhne durch.

Von der nach 1918 erfolgten Umorientierung Liechtensteins von Österreich zur Schweiz war auch der Bereich Post betroffen. Liechtenstein schloss am 18.2.1920 mit Österreich einen neuen Postvertrag. Dieser trat am 1.3.1920 in Kraft und wurde vom Fürstentum auf den 31.1.1921 gekündigt. In dieser Zeit war die von Österreich verwaltete «Fürstlich Liechtensteinische Post» für das Postwesen in Liechtenstein zuständig. Am 10.11.1920 war die Unterzeichnung eines Postvertrags zwischen Liechtenstein und der Schweiz erfolgt. Ab dem 1.2.1921 führte die Schweizer PTT den Post-, Telegrafen- und Telefondienst auf liechtensteinische Rechnung aus. Liechtenstein und die Eidgenossenschaft bildeten fortan ein gemeinsames Taxgebiet. Es galten für den Sektor Post die schweizerischen Gesetze und Vorschriften sowie die mit Drittstaaten geschlossenen Verträge und Übereinkommen. Liechtenstein konnte aber selbständig Vertragspartei von internationalen Übereinkommen im Postwesen werden und weiterhin eigene Postwertzeichen herausgeben. Die Einrichtungen der PTT in Liechtenstein, wie Betriebsgebäude, Telefonzentralen, Fahrzeuge, waren Eigentum des liechtensteinischen Staats bzw. der betreffenden Privatpersonen.

1930 initiierte der Deutsche Hermann E. Sieger das Postmuseum in Vaduz. 1962 trat Liechtenstein dem Weltpostverein (UPU) und 1963 der Internationalen Fernmeldeunion (UIT) sowie der Konferenz der europäischen Post- und Fernmeldeverwaltungen (CEPT) bei. 1964 führte die Schweiz als drittes Land nach Deutschland und den USA Postleitzahlen ein. Diese sind vierstellig und beziehen auch Liechtenstein mit ein (94XX). 1978 erfolgte eine Revision des Postvertrags (in Kraft ab 1.1.1979). Neu übte Liechtenstein seither auf seinem Staatsgebiet die Sendehoheit für Radio und Fernsehen aus. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde das Angebot der Post in Liechtenstein beträchtlich ausgebaut. Bis 1970 wurden in allen Gemeinden ausser Planken, zudem in Nendeln und Schaanwald, Postämter errichtet. Lange Zeit waren Briefkästen eher selten in den Gemeinden (z.B. in Balzers bis Ende der 1950er Jahre). Der Postbote brachte die Post ins Haus. 1974 erliess die PTT eine Vorschrift zur Aufstellung genormter Briefkästen.

Ab Mitte der 1990er Jahre erfolgte eine Umstrukturierung der Post, die mittlerweile u.a. durch private Kurierdienste und E-Mail konkurrenziert wurde. 1997 wurde die PTT in die Schweizerische Post und die Swisscom aufgeteilt. Die Liberalisierung der Telefonie in der Schweiz ab 1992 und in Liechtenstein ab 1996 sowie der 1995 erfolgte EWR-Beitritt des Fürstentums hatte die Auflösung des Postvertrags mit der Schweiz in gegenseitigem Einvernehmen auf den 1.1.1999 zur Folge. Am 19.2.1999 wurde die Liechtensteinische Post AG gegründet. Bis sie am 1.1.2000 den Betrieb aufnahm, besorgte weiterhin die Schweizerische Post die Postdienste in Liechtenstein. Damit liegt zum ersten Mal das gesamte Postwesen in Liechtenstein in liechtensteinischen Händen. Es besteht aber nach wie vor eine enge Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post, die 25 % der Aktien der Liechtensteinischen Post AG hält, die restlichen 75 % besitzt das Land Liechtenstein. Die Liechtensteinische Post AG unterhält seit 2003 ein Logistik-Center in Schaan und bietet seit 2004 die Möglichkeit des Bargeldtransfers (LIEfinance). Seit dem 1.1.2006 ist sie für die liechtensteinische Philatelie verantwortlich. Seit 2007 erfolgen das Sortieren der Briefpost und die Postzustellung zentral vom Betriebszentrum Schaan aus. Dadurch sank die Bedeutung der Poststellen in den einzelnen Gemeinden.

Quellen

Rech Reg 1922–.

Literatur

A. Marxer: Die Geschichte des Postamtes Vaduz, 1972; Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 345f.; A. Marxer: Die Geschichte des Postamtes Balzers, 21975; Vogt: Brücken, 1990, 239f.; Vogt: Balzers 3, 1998, 388–414; M. Herzog: Der Postverkehr zwischen Liechtenstein und Wien um 1800 am Beispiel der Korrespondenz des Oberamtes in Vaduz, 1999; H. Jung-Schädler: Meine dreizehn Jahre als Leiterin der Poststelle Balzers, in: BNjbl. 13 (2007), 39–42.

Zitierweise

Redaktion, «Post», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Post, abgerufen am 22.1.2019.

Medien

Der Alpenbriefträger Xaver Schädler (1912–1998) auf dem Kulm, 1930er Jahre (LI LA, Sammlung David Beck). Ab 1910 brachte ein Briefbote von Juni bis September die Post nach Masescha, Sücka und Malbun. Seit 1929 absolvierte Xaver Schädler täglich die folgende Route: Triesenberg–Rotaboda–Masescha–Gaflei–Silum–Kulm–Sücka– Steg–Malbun–Kulm–Triesenberg