Präsidial-Anstalt
Autor: Hanspeter Lussy | Stand: 7.7.2025
Die Präsidial-Anstalt wurde am 6.8.1931 als «Treuhandbüro Dr. jur. Merlin & E. Schafhauser, Treuhand-AG» in Vaduz gegründet. Nach dem Austritt von Eugen Schafhauser 1936 stand das Unternehmen unter alleiniger Leitung von Helmuth Merlin. Zweck der Präsidial-Anstalt war die Gründung und Verwaltung von Sitzunternehmen und Holdinggesellschaften, die Betreuung von Urheber- und Schutzrechten sowie die Beratung in internationalen Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsfragen.
In den 1930er Jahren war das Unternehmen verhältnismässig stark nach Österreich und der Tschechoslowakei ausgerichtet; Merlin gründete beispielsweise für die in Osteuropa tätigen, NS-nahen Industriellen Fritz und Karl Hermann Westen (Westen-Konzern) ebenso ganze Konglomerate an Gesellschaften wie für den vor der Verfolgung durch das NS-Regime geflohenen Fritz Deutsch (Deutsch-Konzern). Während des Zweiten Weltkriegs, als Merlin mit Guido Feger zusammenarbeitete und Geschäfte für deutsch-orientierte Kunden aus der Schweiz abwickelte, erlebte die Präsidial-Anstalt einen Aufschwung. Merlin versuchte auch, Vermögen jüdischer Kunden vor der «Arisierung» zu schützen.
Nach dem Krieg entwickelte sich die Präsidial-Anstalt zu einem der grössten liechtensteinischen Treuhandunternehmen. 1969 trat der Jurist Peter Ritter (*1938) als Partner Merlins ein und gliederte das Unternehmen ab 1976 in die Profit-Center Beratung, Treuhand, Industrie/Handel sowie Immobilien, errichtete mehrere Tochtergesellschaften im Ausland und fasste die Präsidial-Unternehmen in der Präsidial Holding AG zusammen. Diese wurde später in Ritter & Partner Holding Anstalt (RPH Gruppe) umbenannt und stand im Besitz der Dr. Ritter Familienstiftung und der Präsidialstiftung (Vorsorgestiftung für die Mitarbeiter). Zu ihr gehörte unter anderem die aus der 1977 gegründeten Serica Vermögensverwaltung und Finanz Anstalt hervorgegangene und ab 1999 voll konzessionierte Serica Bank AG in Vaduz, die 2007 in Kaiser Ritter Partner Privatbank AG und 2011 in Kaiser Partner Privatbank AG umbenannt wurde. 2006 fusionierte die RPH Gruppe mit der Fritz-Kaiser-Gruppe zur Kaiser Ritter Partner Holding Anstalt (seit 2011 Kaiser Partner Holding Anstalt), Vaduz, mit zu diesem Zeitpunkt rund 250 Mitarbeitern.
Im Jahr 2022 wurde die Präsidial Anstalt (mittlerweile eine Tochtergesellschaft der Kaiser Partner Holding Anstalt) von der WNS Holding AG übernommen, einer von den Gründungspartnern der Rechtsanwaltskanzlei Wohlwend Näscher Schächle Rechtsanwälte, Triesen, gegründeten Holdinggesellschaft. Infolgedessen wurde die WNS Holding AG in Präsidial Holding AG umbenannt. Die Präsidial Holding AG, zu der auch die Präsidial Trust Services AG und die AccountingAnd AG als weitere Beteiligungen gehören, konzentriert sich weiterhin auf die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen (Treuhand, Rechtsberatung, Accounting bzw. Wealth Management im Allgemeinen).
Literatur
- Hanspeter Lussy, Rodrigo López: Finanzbeziehungen Liechtensteins zur Zeit des Nationalsozialismus, 2 Bände, Vaduz/Zürich 2005 (= Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg, Studie 3), bes. S. 66–68, 273–278, 445–452, 546–549, passim.
- 50 Jahre Präsidial-Anstalt. Die Präsidial-Gruppe, Vaduz, Fürstentum Liechtenstein/Präsidial Holding Company, Ltd, Vaduz 1981.
Medien
Zitierweise
Hanspeter Lussy, «Präsidial-Anstalt», Stand: 7.7.2025, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Pr%C3%A4sidial-Anstalt, abgerufen am 13.1.2026.