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Autor: Wilfried Marxer | Stand: 31.12.2011

Die Radiogeschichte begann in den umliegenden Ländern in den frühen 1920er Jahren mit dem Betrieb der ersten öffentlich-rechtlichen Radiosender. In Liechtenstein verfügten 1940 bereits rund 40 % der Haushalte über eine Radioempfangskonzession, 1998 lag die Abdeckung bei nahezu 100 %.

Nach gescheiterten Plänen 1924 gab es 1938–39 eine erste liechtensteinische Radiostation. Hinter dem von Charles Roditi initiierten Mittelwellensender standen die britischen Finanzgesellschaften Roditi International Corporation Ltd. (Direktor William Kenmore) und Mills & Rockleys Ltd.; in Liechtenstein wurden sie durch die Kanzlei Ludwig Marxer vertreten. Gemäss Konzessionsvereinbarung wurde eine Liechtensteinische Rundspruch-Aktiengesellschaft (Lirag) gegründet, welcher Ludwig Marxer als Verwaltungsratspräsident, Regierungschef-Stellvertreter Alois Vogt und Josef Ospelt als Verwaltungsräte angehörten. Im Oktober 1938 ging der «Liechtensteinische Landessender» in einem im Vaduzer Haberfeld errichteten Gebäude auf Sendung. Von Anfang an hatte der Sender mit technischen und finanziellen Problemen zu kämpfen. Es wurde lediglich rund eine Stunde pro Tag gesendet, wobei das Abspielen von klassischen und volkstümlichen Schallplatten den Hauptteil ausmachte. Ob das Ende des mit englischem Kapital betriebenen Senders wenige Wochen nach dem Kriegsausbruch im September 1939 finanziell oder aussenpolitisch bedingt war, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Geldüberweisungen aus dem Ausland waren schwieriger geworden, mit ursächlich war aber wohl der Druck Deutschlands. Sendeleiter Friedrich Ritter erhielt am 4.11.1939 die Kündigung. Die Sendeanlagen wurden im November 1942 abtransportiert.

In den folgenden Jahrzehnten wurde bei der Regierung eine Vielzahl von Konzessionsgesuchen aus aller Welt eingereicht. Durch den Postvertrag von 1921 war aber das Konzessionsrecht an die Schweiz gebunden. Es wurde keine Konzession erteilt. Die Rechtslage änderte sich erst 1978 mit der Anerkennung der liechtensteinischen Sendehoheit im revidierten Postvertrag und dem Erlass eines liechtensteinischen Radio- und Fernsehgesetzes bzw. der darauf aufbauenden Rundfunkverordnung von 1991.

Im August 1995 wurde die liechtensteinische Medienlandschaft um den einheimischen Privatsender «Radio L» erweitert. Die Konzession lag bei der Radio TV AG (Hauptaktionär Peter Ritter). Radio L war ein kommerziell betriebenes Privatradio mit Vollprogramm. Es wurde in Liechtenstein zum meistgehörten Radiosender, konnte sich aber im angrenzenden Ausland kaum durchsetzen. Im Vordergrund stand die musikalische Unterhaltung für ein junges Zielpublikum. Das Informationsangebot umfasste stündliche Nachrichten, Magazinsendungen und moderierte Diskussionen zu aktuellen Themen. Da Werbe- und Sponsoringeinnahmen keinen kostendeckenden Betrieb ermöglichten, wurde Radio L ab 2000 vom Staat massiv finanziell unterstützt. Nach anhaltenden Defiziten zog sich der Hauptaktionär 2003 zurück. Auf der Grundlage des Gesetzes für einen Liechtensteinischen Rundfunk LRF (2003) trat 2004 ein staatlich finanzierter, öffentlich-rechtlicher Sender unter dem Namen «Radio Liechtenstein» die Nachfolge von Radio L an.

Literatur

N. Jansen: Radio Liechtenstein, in: JBL 73 (1973), 111–202; Geiger: Krisenzeit 2, 22000, 287–292; C. Frommelt: Radio Liechtenstein, Dipl. Wien, Ms. 2003 [LBFL]; Marxer: Medien, 2004.

Zitierweise

Wilfried Marxer, «Radio», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Radio, abgerufen am 22.2.2019.

Medien

Erster liechtensteinischer Radiosender, 1938 (LI LA). Am Mikrofon der Sendeleiter Friedrich Ritter.
Radioempfangskonzessionen, 1929-1998