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Reichstag

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Autor: Bernd Marquardt | Stand: 31.12.2011

Der Reichstag war die allgemeine Versammlung der reichsunmittelbaren Stände des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Er entstand 1470/95 aus den regionalen Hoftagen des mittelalterlichen Reisekönigtums und verkörperte bis 1806 eine hochaktive Verfassungsinstitution für die Reichsgesetzgebung und -steuerbewilligung. Zunächst fanden jährliche Ständeversammlungen an wechselnden Orten statt (z.B. 1497 in Lindau), was 1663 zum «immerwährenden» Reichstag in Regensburg fortentwickelt wurde. Grundsätzlich wurde von einem bipolaren Verfassungsmodell der Gewaltenbalancierung zwischen Kaiser und Reichstag mit wechselseitiger Vetomacht ausgegangen. Der Reichstag war in die drei Kurien des Kurfürsten-, Reichsfürsten- und Städterats gegliedert. Die Grafschaft Vaduz gehörte zunächst der schwäbischen Grafenkurie an, die eine Gemeinschaftsstimme im Fürstenrat besass. Nach der Schaffung des Fürstentums Liechtenstein 1719 erhielten dessen Fürsten 1723 Sitz und Stimme auf der weltlichen Fürstenbank des Reichstags. Das bedeutete eine Vergrösserung des Stimmwerts um das 25-Fache und eine erhebliche reichspolitische Aufwertung. Die Fürsten von Liechtenstein nahmen damit an der Reichspolitik, -gesetzgebung und -steuerbewilligung sowie an Entscheidungen über Reichskriege teil.

Quellen

Deutsche Reichstagsakten, 1867–.

Literatur

P. Corterier: Der Reichstag, 1972; HRG 4, 781–786; Kaiser/Brunhart: Geschichte 1, 1989, 485–487, 492f.; Th. Martin: Auf dem Weg zum Reichstag, 1993; Lexikon des Mittelalters 7, 640–643.

Zitierweise

Bernd Marquardt, «Reichstag», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Reichstag, abgerufen am 17.2.2019.