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Rheinbrücken

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Autorin: Gerda Leipold-Schneider | Stand: 31.12.2011

Solange der Rhein kaum durch feste Bauwerke eingedämmt war und seinen Lauf durch das Tal immer wieder änderte, gab es auch keine lange bestehenden, festen Rheinbrücken. Hinweise auf Rheinbrücken im Gebiet Liechtensteins im Mittelalter (Flurname «Gapont» in Triesen, von alträtoromanisch cau punt = Brückenkopf) und in der frühen Neuzeit (1617/19, 1654, 1721, 1759) bezogen sich ebenso wie eine 1799 erwähnte Militärbrücke der Franzosen und die Brückenbaubestrebungen von 1793 und 1843–44 auf temporäre Bauwerke, teilweise wohl auch nur auf Brücken über einen Rheinarm. Die Überquerung des Rheins erfolgte bis ins 19. Jahrhundert zumeist mittels Fähren oder an Furten.

Auf Dauer angelegte Rheinbrücken entstanden erst 1867–68 zwischen Schaan und Buchs sowie zwischen Bendern und Haag und 1870–71 zwischen Balzers und Trübbach sowie zwischen Vaduz und Sevelen. Bei ihnen wie bei der 1929 eröffneten Strassenbrücke zwischen Ruggell und Sennwald handelte es sich um Holzbrücken. Die 1872 errichtete Eisenbahnbrücke Schaan–Buchs bestand aus Schweisseisen; sie wurde 1934–35 durch eine Stahlbrücke ersetzt. Von den Holzbrücken besteht einzig noch die 1901 neu errichtete Brücke zwischen Vaduz und Sevelen (1981 unter Denkmalschutz gestellt); die übrigen fielen zumeist Bränden zum Opfer.

Die um die Mitte des 20. Jahrhunderts einsetzende Massenmotorisierung machte moderne Strassenbrücken erforderlich. Bereits 1928–29 war bei Schaan eine zweispurige Stahlbrücke errichtet worden; sie stürzte 1970 wegen Unterspülung eines Pfeilers infolge der Sohlenabsenkung des Flussbetts ein. 1963–64 entstand zwischen Bendern und Haag die erste Spannbetonbrücke; weitere folgten 1965–66 zwischen Ruggell und Sennwald, 1967–68 zwischen Balzers und Trübbach, 1972–73 zwischen Vaduz und Sevelen und 1975–77 zwischen Schaan und Buchs. 1975 wurde zwischen Balzers und Trübbach an der Stelle der 1972 abgebrannten Holzbrücke eine Betonbrücke für Fussgänger eröffnet. Eine Schaan und Buchs verbindende Fussgänger- und Radfahrerbrücke entstand 2009 im Zusammenhang mit dem Bau einer rheinquerenden Fernwärmeleitung als Hängekonstruktion.

Zur Finanzierung von Brückenbau und -unterhalt stellten die Gemeinden Gesuche um die Einführung von Brückengeldern, die aber von der liechtensteinischen Regierung 1875 und 1903 abgewiesen wurden; es sollte zu keiner Behinderung des Verkehrs kommen. Der liechtensteinisch-schweizerische Zollanschlussvertrag von 1924 schloss die – ab 1924 an allen Rheinbrücken vom Bodensee bis Bangs (Vorarlberg) übliche – Einhebung von Brückengeldern zwischen Liechtenstein und der Schweiz aus. 1963 blieb ein Gesuch an die Regierung, die Rheinbrücken bei Ruggell, Vaduz und Balzers in die Landeszuständigkeit zu übernehmen, erfolglos. Heute befinden sich von den liechtensteinischen Rheinbrücken nur noch die Holzbrücke bei Vaduz und die Fussgängerbrücke bei Balzers im Eigentum der jeweiligen Gemeinde.

Literatur

Rech Reg 1922–; Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 341f.; N. Vogt: Die letzten Holzbrücken über den Rhein im Raume Liechtenstein, in: Strasse und Verkehr, 1975, H. 5, 184–187; P. Vogt: Furten, Fähren und Brücken zwischen Werdenberg und Liechtenstein, in: Werdenberger Jahrbuch 1990, Jg. 3 (1989), 154–164; H. Frommelt: Denkmalschutz in Liechtenstein, in: JBL 94 (1997), 265–275, bes. 271f.; FLNB I/1, 345–347; L. Beer: Der Eisenbahnbau in Liechtenstein, in: Bauen, 2000, 140–173.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Gerda Leipold-Schneider, «Rheinbrücken», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Rheinbrücken, abgerufen am 22.2.2019.

Medien

«Ansicht der Rheinbrücke Bendern– Haag und der Westseite von Bendern. Eine Festgabe zur Erinnerung an die Eröffnungsfeier am 24. Mai 1868» (Bildarchiv LLM).