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Riede

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Autorin: Gertrud Haidvogl | Stand: 31.12.2011

Riede sind Spätstadien von Flachmooren, die im Bereich von verlandenden Restseen nach der letzten Eiszeit entstanden. Sie sind charakteristische Landschaftsräume des unteren Alpenrheintals. Die bedeutendsten Riede Liechtensteins befinden sich nördlich von Schaan (Schaaner, Eschner, Maurer, Ruggeller und Schellenberger Riet). Im schmalen, vom Rhein geprägten Talraum südlich von Schaan gibt es nur kleine Riedflächen bei Balzers. Die Moortiefe erreicht bis zu 9 m.

Über die ursprüngliche Charakteristik der Riede ist in historischen Quellen wenig überliefert. Der wahrscheinlich häufige, natürlich ausgebildete Bruchwald wurde bereits früh gerodet. Teile dürften aufgrund des hohen Grundwasserstands waldfrei gewesen sein. Die heute als typisch geltenden Streuewiesen gehen auf die Grünland- und Weidenutzung zurück. Die ältesten botanischen Aufnahmen der Riede stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und verweisen auf den Reichtum an wertvollen Pflanzenbeständen (u.a. Sibirische Schwertlilie und Knabenkraut).

Zur Nutzung der Riede sind bis ins 15. Jahrhundert kaum schriftliche Quellen erhalten. Seither entstandene Gerichtsurkunden weisen auf die Weidenutzung hin. Zudem wurde Streue gewonnen und seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts Torfstecherei betrieben. Die damals noch genossenschaftlich genutzten Riede standen grösstenteils im Gemeindebesitz. Im 19. Jahrhundert wurden einzelne Teile an Hausbesitzer ausgeteilt, z.B. das Oksarietle und das Tuerbariet in Ruggell in den 1830er Jahren, die Familienteile in Mauren 1848 und in Eschen 1854 (→Gemeindenutzen).

Das Ansteigen der Rheinsohle und des Grundwasserspiegels seit dem 18. Jahrhundert machten die Bewirtschaftung der Riede durch die zunehmende Vernässung immer schwieriger. Gemäss dem Lokalisierungsbericht Georg Hauers von 1808 war in den versumpften Rieden kaum eine Nutzung möglich. Seit den 1830er Jahren zielten erste Versuche zur systematischen Entwässerung mittels Kanälen auf die Sicherung bestehenden Kulturlands sowie auf die Gewinnung zusätzlicher Ackerflächen. Obwohl die Entwässerungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus agrartechnischer Sicht wenig erfolgreich waren, wies Josef Murr bereits in den 1920er Jahren auf den Rückgang typischer Pflanzenarten und die Veränderung der Vegetationsgesellschaften der Riede hin. Die Anlage des Binnenkanals (1931–43) und die ab dieser Zeit erfolgten Drainagen legten die Riede langfristig trocken. Dazu trugen auch die künstliche Absenkung der Rheinsohle (1953–72) und damit verbunden des Grundwasserspiegels bei. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die extensive Nutzung der Riede zugunsten einer intensiven Ackerwirtschaft aufgegeben. Diese Massnahmen reduzierten die Fläche der Riede von ca. 2300 ha (um 1750) auf rund 140 ha (1996). Ein Grossteil der heute noch erhaltenen Riedflächen befindet sich im Ruggeller Riet und in Schwabbrünnen-Äscher.

Literatur

J. Murr: Im Liechtensteiner Ried, in: LVbl., 8.10., 19.10., 5.11. und 9.11.1921; Broggi: Landschaftswandel, 1986; Das Maurer Riet, 1988; Naturmonographie Ruggeller Riet, in: Bericht BZG 18 (1990), 5–443; Das Eschner Riet, in: Mitteilungsblatt Gemeinde Eschen, Berichtsjahr 1999, 39–105.

Zitierweise

Gertrud Haidvogl, «Riede», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Riede, abgerufen am 21.4.2019.