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Rosenthal

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Autor: Johannes Inama | Stand: 31.12.2011

Die jüdische Fabrikantenfamilie Rosenthal stammt von Abraham Veit Levi ab, der sich im 17. Jahrhundert in Sulz (Vorarlberg) niedergelassen hatte und dessen Nachkommen zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Hohenems (Vorarlberg) übersiedelten, wo sie unter der bayerischen Herrschaft 1813 den Namen Rosenthal annahmen. Philipp (1801–1859) und Joseph (1805–1862) gründeten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hohenems das Textilunternehmen «Gebrüder Rosenthal». Dieses entwickelte sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten in der Region. Eine geschickte Geschäftspolitik, ständige Modernisierungen und ein ausgeprägtes soziales Bewusstsein trugen zum Erfolg und zur Expansion des Unternehmens bei.

Neben den Betrieben in Hohenems und weiteren Niederlassungen in Rankweil (Vorarlberg), Feldkirch und Wien, erwarben die Rosenthals 1869 im Mühleholz in Vaduz eine mechanische Weberei, die «Untere Fabrik», 1884 auch die «Obere Fabrik» (→Mechanische Weberei Vaduz). Für die dortigen Arbeiter wurden im Möliholz Arbeiterwohnhäuser errichtet. 1886 standen in den beiden Fabriken 300 Webstühle. 1898 fand in der Rosenthal’schen Fabrik der erste Streik in Liechtenstein statt. Nach der Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft 1905 kam es 1916 aufgrund von Rohstoffknappheit zur Betriebsstilllegung und zum Verkauf der Firma. 1905 hatte das gesamte Unternehmen der Rosenthals ca. 1000 Arbeiter beschäftigt.

Der wirtschaftliche Erfolg der Familie Rosenthal wirkte sich positiv auf die Entwicklung von Hohenems und der dortigen jüdischen Gemeinde aus, als deren Mitglieder die Rosenthals auch öffentliche Ämter bekleideten. So waren Philipp (1801–1859) und Anton (1840–1912) jeweils Bürgermeister der jüdischen Gemeinde, die 1849–78 als selbständige politische Gemeinde existierte. Die drei Rosenthalvillen im jüdischen Viertel von Hohenems sind heute noch Zeugnis für das Ansehen der Familie, die sich auch sozial engagiert hatte. Die Mitglieder der Familie Rosenthal wanderten bis in die 1930er Jahre grossteils aus Hohenems ab. Die wenigen, die bis 1938 geblieben waren, fielen der nationalsozialistischen Rassenverfolgung zum Opfer.

Literatur

A. Tänzer: Die Geschichte der Juden in Hohenems, 1982; E. Graf: Die Firma Gebrüder Rosenthal und ihre Geschichte, in: Josef Otten – eine Firmengeschichte, 2001, 9–28; Rosenthals, 2 Bde., 2002/04.

Zitierweise

Johannes Inama, «Rosenthal», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Rosenthal, abgerufen am 21.2.2019.