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Rotes Haus

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Autor: Rudolf Rheinberger | Stand: 31.12.2011

Das Rote Haus in Vaduz entstand in seiner heutigen Erscheinung 1902–04/05, als der Bildhauer und Architekt Egon Rheinberger das wesentlich ältere Wohnhaus mit Treppengiebel und den bis 1989 betriebenen, alten Torkel durch einen nach eigenen Plänen erstellten Turm verband. Er schuf damit ein markantes Bauensemble, das heute neben dem Schloss Vaduz das zweite Wahrzeichen von Vaduz ist. Der ursprüngliche Grundriss des Haupthauses ist im Erdgeschoss noch gut erkennbar. Man betritt durch den Eingang von Westen einen grossen Flur, der bis an die Ostwand reicht. Südlich dieses Flurs befanden sich ein grosser Wohnraum mit Kachelofen, nördlich die Küche und die Speisekammer. Im mittleren Turmzimmer befindet sich ein reich gestaltetes, spätgotisches Täfer. Das Wohnzimmer im ersten Stock des Haupthauses enthält zwei Renaissance-Türgewände von 1561, einen originalen, grünen Kachelofen mit figürlichen Reliefkacheln und einen prachtvoll eingelegten Renaissanceschrank. Das der Rebzone zugeordnete Rote Haus steht seit 1951 unter Denkmalschutz. Zum Roten Haus gehört seit jeher Rebland.

1338 wird erstmals ein sich im Besitz des Niederadelsgeschlechts der Vaistli befindliches Gebäude im Gebiet des Roten Hauses urkundlich erwähnt, das wohl Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde; ob es sich um das Rote Haus handelt, ist offen. Um 1500 ging der Besitz an die Familie Litscher über. 1525 verkaufte Josef Litscher das Haus mit Stadel, Torkel und Weinbergen an das Kloster Sankt Johann im Thurtal, dem das Rote Haus später als Verwaltungsgebäude für die Klosterbesitzungen in Vaduz und Umgebung diente. Grosse Teile der heutigen Gebäude gehen wohl auf Bauten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. 1807 verkaufte der Kanton St. Gallen den säkularisierten Klosterbesitz an Johann Rheinberger (1763–1815). 1867 ging das Rote Haus an Peter Rheinberger über, dessen Nachkommen es bis heute bewohnen.

Quellen

Familienarchiv Rheinberger; Staatsarchiv St. Gallen.

Literatur

Poeschel: Kunstdenkmäler, 1950, 175f.; A. Wilhelm: Egon Rheinberger, Leben und Werk, in: JBL 84 (1984), 101–262, bes. 168–177; H. Gassner et al.: Vaduzer Wein 1996, 119–132, 142–144; Herrmann: Kunstdenkmäler 2, 2007, 287–291.

Zitierweise

Rudolf Rheinberger, «Rotes Haus», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Rotes_Haus, abgerufen am 23.2.2019.

Medien

Rotes Haus, um 1950 (Familienarchiv Rheinberger).