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Ruggell

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Autoren: Jens Gassmann, Fabian Frommelt, Ulrike Mayr | Stand: 31.12.2011

Einleitung

Nördlichste politische Gemeinde des Fürstentums Liechtenstein (2011: 2057 Einwohner/innen). Das 7,378 km2 umfassende Gemeindegebiet ist eingebettet zwischen dem Rhein im Westen, dem Ried im Norden und dem Eschnerberg im Osten. Das Dorfzentrum liegt auf einer Höhe von 433 m ü.M.; mit 430 m ü.M. bildet das Ruggeller Riet den tiefsten Punkt Liechtensteins. Im Westen grenzt Ruggell an den Schweizer Kanton St. Gallen und im Norden an das österreichische Bundesland Vorarlberg (EU-Aussengrenze). Nachbargemeinden sind in der Schweiz Sennwald mit dem an Ruggell anstossenden Dorf Salez, in Österreich die Stadt Feldkirch mit den eingemeindeten Dörfern Bangs und Nofels und in Liechtenstein Schellenberg im Osten und Gamprin im Süden und Südosten.

Der Name Ruggell stammt vom alträtoromanischen runcaglia für «Rodung», «Reute». Die Erwähnungen von reuti (820) und ad roncalem (882–896) lassen sich nicht eindeutig dem heutigen Ruggell zuordnen, sondern umschreiben wohl den grösseren Gesamtraum nördlich des Eschnerbergs. Als erste urkundliche Erwähnung gilt jene von 933 (cortinum [Hof] a roncale). Diese Stelle wie auch die Nennung von 1222 (predium [Landgut] in Runkals) beziehen sich jedoch nicht mit letzter Gewissheit auf Ruggell. Gesichert ist die Nennung als «Runggælle» 1347; «Ruggæl» erscheint 1394.

Ruggell liegt als einziges liechtensteinisches Dorf zur Gänze in der hochwassergefährdeten Rheinebene, am Rand einer ehemals ausgedehnten Riedlandschaft mit Torfböden. Daneben verfügt Ruggell über fruchtbare, mit Kies und Sand durchsetzte Alluvialböden (Schwemmland).

Bei Ruggell befanden sich eine Rheinfähre und eine Zollstation, auch wurden hier Vieh- und Pferdemärkte abgehalten. 1614 erhielt Ruggell eine dem hl. Fridolin geweihte Kapelle, seit 1874 besteht eine eigene Pfarrei. Unter dem Zoll- und Steuerverein mit Österreich (1852–1919) und unter dem Zollvertrag mit der Schweiz (seit 1924) blieb Ruggell Grenzzollort. Die v.a. im 19. Jahrhundert isolierte Lage Ruggells wurde durch den Bau einer Rheinbrücke (1929) gemildert. Mit dem Ruggeller Riet befindet sich in Ruggell ein international bedeutendes Flachmoor (unter Naturschutz seit 1978).

Jens Gassmann, Fabian Frommelt

Ur- und Frühgeschichte bis Frühmittelalter

Im Limsenegg wurden aus dem Urmittelmeer (Tethys) stammende, ca. 100–65 Mio. Jahre alte Fossilien von Meerestieren gefunden. Eine durch eine Tiefbohrung im Ruggeller Riet (1990) ermöglichte Pollenanalyse ergab wichtige Informationen zu den Klimaveränderungen während der letzten sechs Jahrtausende. In der Probe vorhandene Getreidepollen belegen den Ackerbau in den umliegenden Landstrichen für das 4. Jahrtausend v.Chr. (Jungsteinzeit).

Die im Lauf der Jahrtausende entstandenen Riede (Torfmoore) wirkten sich ungünstig auf die Anlage von Siedlungen aus. Entsprechend fehlen ur- und frühgeschichtliche Siedlungsbefunde im heutigen Ortsgebiet. Moore galten aufgrund ihrer Schönheit und Gefährlichkeit sowie ihres geheimnisvollen Charakters als Ort magischer Kräfte und Sitz von Gottheiten. Wie in anderen europäischen Mooren wurden im Ruggeller Riet ab der mittleren Bronzezeit (15./14. Jahrhundert v.Chr.) Weihegaben an uns unbekannte Gottheiten deponiert. Die ältesten Funde sind Schmuck wie verzierte Gewandnadeln und ein Armreif aus Bronze; aus der Spätbronzezeit (13.–9. Jahrhundert v.Chr.) kam neben Gewandnadeln auch eine geopferte Lanzenspitze zum Vorschein. Möglicherweise ist auch ein Lappenbeil aus dem 7.–5. Jahrhundert v.Chr. diesen Mooropferfunden zuzuordnen, ebenso eine frühlatènezeitliche Fibel mit Fussscheibe (4. Jahrhundert v.Chr.). Die z.T. weit auseinander liegenden Fundorte weisen darauf hin, dass kein spezieller Platz für die Niederlegung der Weihegaben bevorzugt wurde. Die Menschen, die im Ried opferten, lebten möglicherweise in den zeitgleichen Siedlungen am Eschnerberg (→Malanser, →Lutzengüetle, →Borscht).

Unterm Weissen Stein, einem überhängenden Felsdach (Abri) am westlichen Abhang des Eschnerbergs, lassen eine Kulturschicht und menschliche Skelettteile von mindestens sechs Individuen aus der Übergangszeit der mittleren zur späten Bronzezeit (14./13. Jahrhundert v.Chr.) noch manche Fragen offen.

In römischer Zeit wurde im Ried zwischen Ruggell und Nofels ein Münzschatz mit 25 Münzen der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n.Chr. versteckt (→Münzfunde). Zur gleichen Zeit wurde die Fluchtsiedlung Krüppel ob Schaan aufgesucht; die Verbergung der Münzen könnte daher mit einer Bedrohung von aussen in Zusammenhang stehen, z.B. mit Einfällen von Alamannen ins Rheintal.

Ulrike Mayr

Mittelalter und Frühneuzeit

Siedlung und Bevölkerung

Belege für eine vermutete alamannische Siedlung im Frühmittelalter fehlen. Die erste Ansiedlung dürfte erst im 14. Jahrhundert im Bereich des Ortsteils Oberwiler südöstlich des heutigen, vermutlich erst ab dem 16. Jahrhundert besiedelten Dorfkerns entstanden sein. Für Letzteren ist ein Entstehungszusammenhang mit der hier den Rhein querenden Verkehrsachse Feldkirch–Toggenburg–Zürich wahrscheinlich (Rheinfurt, Fähre). Entsprechend befand sich hier ein 1613 genanntes Zoll- und Gasthaus, ab 1614 zudem die Kapelle St. Fridolin. Die ringförmige Struktur des Dorfkerns ist mit der Lage in der Rheinebene zu erklären, indem sich die Bebauung auf kleine, aus der versumpften Talebene herausragende Schwemmlandrücken beschränkte, welche vermutlich aufgrund verlandeter ehemaliger Rheinmäander eine rundliche Form haben. Im Zug des Bevölkerungswachstums wurde die Bebauung entlang der kreisförmig angelegten Wege verdichtet, sodass die Ringstruktur sichtbar blieb.

Um das Jahr 1600 hatten Gamprin, Ruggell und Schellenberg zusammen schätzungsweise 515 Einwohner. 1784 wiesen diese drei Ortschaften gemeinsam eine Einwohnerzahl von 908, Ruggell allein von 397 auf. Geht man von einem ähnlichen Bevölkerungswachstum in diesen Gemeinden aus, kann man die Einwohnerzahl in Ruggell um 1600 mit rund 225 ansetzen. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert stagnierte die Bevölkerung. Bestanden 1641 in Ruggell 38 Haushaltungen, wurden bei der Huldigung 1718 51 haushabliche Männer gezählt; 1784 waren es 76 Wohnhäuser.

Herrschaftliche Verhältnisse, Ereignisgeschichte

Im 13. Jahrhundert dürfte das Gebiet von Ruggell zum Einflussbereich der Herren von Schellenberg gehört haben. 1317 kamen deren Herrschaftsrechte an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind zudem Besitzungen der Grafen von Montfort-Feldkirch in Ruggell erwähnt, die 1390 an die Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz gelangten. Die Freiherren von Brandis als Erben der Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz vereinigten bis 1437 alle Hoheitsrechte in ihrer Hand und bildeten aus Ruggell und den weiteren Nachbarschaften am Eschnerberg die Herrschaft Schellenberg. Den Brandis und den ihnen nachfolgenden Grafen- bzw. Fürstengeschlechtern von Sulz (ab 1510), von Hohenems (ab 1613) und von Liechtenstein (ab 1699) standen u.a. die Gerichts- und Steuerrechte sowie die Regalien zu.

An der kommunalen Selbstverwaltung im Rahmen der Landschaft Schellenberg ab dem 15. Jahrhundert war auch Ruggell beteiligt, aus dem bis zur Abschaffung der Landammannverfassung 1809 mehrere Landammänner stammten. Im Gericht der Herrschaft Schellenberg war Ruggell mit zwei Gerichtsgeschworenen vertreten.

Durch die Lage am Rhein war Ruggell immer wieder besonders stark von Überschwemmungen betroffen; vom 13.–16. Jahrhundert wird mit bis zu 70 Überschwemmungen gerechnet. Mit in aufwendiger Arbeit erstellten Wuhrbauten (→Wuhrsysteme) versuchten die Einwohner, Siedlung und Felder zu schützen. Nach dem Hochwasser vom Winter 1663/64 wurden sämtliche Gemeinden der Herrschaft Schellenberg verpflichtet, Ruggell bei der Schliessung der Wuhrlücken zu helfen.

Der Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts fielen auch Frauen und Männer aus Ruggell zum Opfer, so allein 1669 vermutlich vier Personen, 1680 drei. Die Verfolgungsintensität in Ruggell lag in den Jahren 1679/80 hinsichtlich der Hingerichteten etwa im Durchschnitt der Herrschaft Schellenberg und der Grafschaft Vaduz, hinsichtlich der nicht hingerichteten Inquirierten etwas darüber.

Im Dreissigjährigen Krieg waren 1629 österreichische und spanische Truppen in Ruggell einquartiert; an Weihnachten 1646 kam es zu Plünderungen durch die Schweden. Ihre im 2. Koalitionskrieg zwischen November 1799 und März 1801 durch die Einquartierung und Verpflegung fremder Truppen, Kontributionen und Arbeitsdienste usw. erbrachten Leistungen berechnete die Gemeinde Ruggell auf 12 329 Gulden (nur Schellenberg, Planken und Triesenberg hatten tiefere Kosten). Um den Ausgleich dieser «Kriegserlittenheiten» stritten Ruggell und Gamprin noch bis 1808 mit Eschen, Mauren und Schellenberg.

Genossenschaft und Gemeindebildung

1594 erwähnte Weiderechte aller Eschnerberger Nachbarschaften im Gebiet südlich von Ruggell dürften Reste einer ehemals den ganzen Eschnerberg umfassenden Markgenossenschaft sein. Die gemeinsame Nutzung von Allmende, Wald und Wasser durch die verschiedenen Siedlungen wurde aber seit dem Spätmittelalter zunehmend durch die konfliktreiche Abgrenzung von Sondernutzungsbereichen einzelner Nachbarschaften beseitigt.

Nach langjährigen Nutzungsstreitigkeiten zwischen Ruggell und Schellenberg ordnete 1497 ein Schiedsgericht unter Freiherr Ludwig von Brandis die Setzung von Grenzmarken im Bereich der unteren Burg Schellenberg an, durch welche die Weide-, Holz- und Obstnutzung aufgeteilt wurde, den Schellenbergern aber Weide- und Streuemahdrechte auf der Ruggeller Seite verblieben. Die Urkunde von 1497 benennt die Hauptkonflikte, die später immer wieder aufbrachen: die Weide- und Streuenutzung der Schellenberger nördlich von Ruggell, das Recht der Ruggeller, in Notzeiten ihr Vieh auf Schellenberger Gebiet weiden zu lassen, und die Pflicht der Schellenberger, den Ruggellern ein bis zwei Tage im Jahr beim Unterhalt der Rheinwuhre zu helfen. Besonders der für Ruggell entscheidende Wuhrbau trübte das Verhältnis der beiden Gemeinden. Nach langen Auseinandersetzungen und Prozessen wurde 1794 das Gemeingut zwischen Ruggell und Schellenberg im Verhältnis der nutzungsberechtigten Haushalte (82 in Ruggell, 49 in Schellenberg) aufgeteilt und die Gemeindegrenze definitiv festgelegt.

Zur selben Zeit (1794–95, 1797) fand der Prozess über die Aufteilung der Gemeindegüter zwischen Ruggell und Gamprin-Eschen statt. Auch mit diesen Dörfern hatte Ruggell während Jahrhunderten über die Wuhrpflichten und die gemeinsame Atzung (Weide) gestritten. Im Gebiet Oberau-Schlatt entwickelte sich die 1634 festgelegte Wuhrgrenze zur Gemeindegrenze zwischen Ruggell und Gamprin. Die Gemeindegrenze zwischen Ruggell, Bangs und Nofels entspricht der 1488 am Hasabach festgelegten Zehntgrenze zwischen den Pfarreien Bendern und Altenstadt (bei Feldkirch). Wuhr- und Grenzkonflikte mit Altenstadt und Bangs datieren von 1725 und 1732, mit Sennwald u.a. von 1597, 1603, 1619 und 1776.

Ihren relativ geringen Waldbesitz vergrösserte die Gemeinde Ruggell durch den Erwerb eines Walds (Herrenholz) von Graf Kaspar von Hohenems 1615 und des Buchwalds auf Gantenstein (Gemeinde Schellenberg) gemeinsam mit Schellenberg und Eschen-Gamprin von Graf Franz Maria von Hohenems 1641.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich die Nachbarschaft oder Dorfgenossenschaft Ruggell ausgebildet, die auf der genossenschaftlichen Nutzung der Allmende beruhte. Mit der seit dieser Zeit zu beobachtenden Absonderung gemeinsamen Besitzes und dem Aufbau einer eigenen Verwaltungsstruktur kam die Entwicklung zur frühen (Dorf-)Gemeinde in Gang. Zu deren Selbstverwaltungsrechten gehörten u.a. die Aufsicht über Allmende und Wald, die Aufnahme von Fremden oder die Armenfürsorge (→«Spend») sowie das Bussenrecht. Die Erfüllung dieser Aufgaben war besonders den 1640 erwähnten (Gemeinde-)Geschworenen sowie weiteren Amtsträgern wie Spendvogt, Waldvogt und Kirchenpfleger übertragen; 1656 wurde der Gemeinde Ruggell von Graf Franz Wilhelm von Hohenems befohlen, zwei «Bannwarte» (Wald-/Feldhüter) zu wählen. Aber auch die zwei Ruggeller Gerichtsgeschworenen waren an der Gemeindeleitung beteiligt. Im 18. Jahrhundert begegnet das Amt des sogenannten Gemeindevogts.

Ein Selbstregelungsrecht in kommunalen Angelegenheiten zeigt sich in der 1727 durch die Ruggeller «Gemeindsleute» beschlossenen Gemeindeordnung, die verschiedene Fragen des Gemeindebodens und den Einkauf von Zuzügern ins Gemeinderecht regelte. Eine weitere Gemeindeordnung für Ruggell und Schellenberg von 1779 enthielt v.a. Bestimmungen über den Einkauf von Frauen und Männern aus in- und ausländischen Orten ins Bürgerrecht. Schon 1620 und 1638 hatten die Ruggeller Wuhrordnungen erlassen bzw. durch eine Abstimmung («gehaltenes Mehr») die von allen Haushaltungen zu leistenden Wuhrarbeiten festgelegt. Dieser Pflicht zur Beteiligung am sogenannten Gemeinwerk standen die Nutzungsrechte der hausbesitzenden Dorfgenossen am Gemeinbesitz (Allmende, Wald, Gemeindsteile) gegenüber.

Wirtschaft

Ruggell lebte bis weit ins 20. Jahrhundert v.a. von der Landwirtschaft. Gesicherte Hinweise auf eine landwirtschaftliche Nutzung finden sich für Ruggell erst im 14. Jahrhundert: 1347 sind «Hof und Gut» erwähnt, 1368 Äcker, Wiesen und Wald, 1390, 1395 und 1398 weitere Äcker. Bei vielen dieser Güter handelte es sich um Eigengüter von Bürgern der Stadt Feldkirch, die z.T. als sogenannte Ausbürger in Ruggell ansässig waren. Ebenfalls ab dem 14. Jahrhundert ist Grundbesitz des Domkapitels Chur und des Klosters Sankt Luzi in Chur belegt. Als adelige Grundherren kommen zunächst die Herren von Schellenberg in Betracht (Quellenbelege fehlen), ab dem 14. Jahrhundert die jeweils am Eschnerberg berechtigten Grafen- bzw. Fürstengeschlechter. Von den 1698 im Schellenberger Urbar verzeichneten landesherrlichen Lehensgütern lagen mehrere in Ruggell.

Der Zehnt von Ruggell gehörte der Kirche von Bendern und damit dem Kloster St. Luzi. 1464 wurde die Gemeinde Ruggell durch das geistliche Gericht in Chur verpflichtet, den Hanfzehnten weiterhin in natura zu entrichten, nachdem sie denselben verweigert bzw. durch eine Geldzahlung hatte ablösen wollen. 1603 verlieh Abt Simon Maurer der Gemeinde Ruggell den Korn- und Flachszehnten für die Dauer seiner Regierungszeit für 70 Gulden jährlich. Später wurde der Zehnt an Privatpersonen verliehen, 1796 an die Gemeinde. 1650 löste die Gemeinde Ruggell von Graf Franz Wilhelm von Hohenems den auf der Widau lastenden Neugereutzins ab.

Neben den mit den landesüblichen Getreidearten (Dinkel, Gerste usw.), ab dem 18. Jahrhundert auch mit Mais und erst im 19. Jahrhundert in grösserem Ausmass mit Kartoffeln bebauten Äckern und Feldern waren auch die 1594 im nördlichen Gemeindegebiet erwähnten Gärten für die Selbstversorgung wichtig. Bei den Gewerbepflanzen war der Anbau von Flachs (Lein) bedeutender als jener von Hanf; Flachs diente nicht nur der häuslichen Textilproduktion, sondern wurde auch verkauft.

Die vielen Konflikte um Weiderechte, Zäunungspflicht und Viehpfändung auf der Allmende weisen ebenso wie die der Heugewinnung dienenden Wiesen auf die Bedeutung der Viehzucht hin. 1789 wurden neben 214 Stück Rindvieh auch 70 Pferde gezählt. An Kleinvieh waren im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert v.a. die Schweine wichtig (z.B. 1795 75 Stück). Wegen des grossen Weidebedarfs war die Ruggeller Pferdehaltung ein Streitpunkt mit Schellenberg. Gemäss der Landesbeschreibung des Landvogts Gilm von Rosenegg von 1784 fanden in Ruggell wöchentlich Viehmärkte und dreimal im Jahr Pferdemärkte statt; nach Landvogt Josef Schuppler gab es 1815 alle Samstage im Mai und Juni bis zum St. Johannestag (24. Juni) Viehmärkte. Ab 1689 sind Ruggeller und Gampriner Bauern als Besitzer der rund 45 km von Ruggell entfernten Alpen Fahren und Ziersch im Rellstal (Montafon, Vorarlberg) erwähnt.

Schon früh belegt ist in Ruggell die Austeilung von Gemeindeboden an die Dorfgenossen. Dies erlaubte eine individuelle und gegenüber der extensiven Allmend-/Weidenutzung intensivere Bewirtschaftung des Gemeinbesitzes. Schon um 1500 gab es am nördlichen Dorfrand eingeschlagene, d.h. abgezäunte Eigengüter. Da es sich bei ihnen um ehemaliges Allmendland handelte, lastete auf ihnen von November bis Mitte Mai das allgemeine Atzungsrecht. Besonders das dem Rhein durch Wuhrbau abgewonnene Neuland wurde ausgeteilt, so u.a. 1638 das vom Wuhr bei der Flandera geschützte Gebiet, das in Gemeindebesitz blieb, aber den Häusern als vererbbares Nutzungsrecht zugeschrieben wurde (Gemeindsteilung). 1641 kaufte die Gemeinde Ruggell von Privaten die Widau; jede Haushaltung zahlte 27 Gulden und erhielt einen Teil zur Nutzung zugewiesen. 1665 wurden weiteren 14 Haushaltungen Gärten in der Widau zugeteilt und 1678 52 «Linsath»-Teile (Flachsteile) ausgegeben. Die Gemeindeordnung von 1727 widmete sich v.a. der aus je einem Widau- und zwei Neufeldteilen bestehenden Gemeindsteilung (Verkaufsverbot, Vererbungsregeln). 1785 bestätigte Fürst Alois I. der Gemeinde Ruggell, dass das durch den Wuhrbau dem Rhein abgewonnene Neuland in den Besitz der Gemeinde falle. Als Ruggell Ende des 18. Jahrhunderts erneut südlich des Dorfs Gärten und Äcker für 27 neue Haushaltungen einschlagen wollte, kam es innerhalb des Dorfs zu Auseinandersetzungen zwischen den alten Haushalten und den neuen Anwärtern. Letztere wurden 1799, nach dem Abschluss der Grenzziehung gegenüber Schellenberg, Eschen und Gamprin, zufriedengestellt.

Obwohl abseits der Reichsstrasse, war die Verkehrslage Ruggells in der frühen Neuzeit nicht ungünstig, bestand hier doch eine an der Ost-West-Verkehrsachse Feldkirch–Toggenburg–Zürich liegende Fähre über den Rhein nach Salez. Wenig nördlich von Ruggell gab es eine weitere, schon 1394 erwähnte Fähre zwischen Bangs und Ober-Büchel an der Verbindungslinie von Feldkirch nach Altstätten (SG). Die Fähre Ruggell-Salez wurde nach der Hinrichtung des Ruggeller Fährmanns Spiegler als Hexer 1668 konfisziert und einem Hans Büchel als Schupflehen übergeben. 1687 verkaufte Graf Jakob Hannibal von Hohenems diese Fähre für 300 Gulden an die Gebrüder Büchel, in deren Familie sie über zwei Jahrhunderte blieb. 1894 trat Johann Büchel das Privileg von 1687 an den Staat Liechtenstein ab.

Zur Kontrolle und fiskalischen Nutzung des Warenverkehrs auf der Strasse Ruggell–Bangs sowie des Fähr- und des Flossverkehrs auf dem Rhein (→Flösserei) war in Ruggell eine Nebenzollstation eingerichtet (→Zollwesen). Der Zoll und die dazugehörige Taverne wurden 1613 Ulrich Büchel zu Lehen gegeben; auch sie blieben während Generationen in der Familie Büchel. Der Ruggeller Zoll war 1750–1834 die ertragsstärkste liechtensteinische Nebenzollstation, lag aber deutlich hinter dem Hauptzoll in Vaduz. Neben der Taverne beim Zoll, bei der sich auch eine 1891 abgebrochene «Zuschg» befand, ist in Ruggell von Mitte 18. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert ein zweites, von einer Familie Marxer geführtes Wirtshaus belegt, dessen Umgeldeinnahmen deutlich unter demjenigen des Gasthauses «Zoll» lagen. Ruggeller Fuhrleute beteiligten sich im Rahmen der Rodgenossenschaft der Herrschaft Schellenberg am Transportwesen auf der Nord-Süd-Achse Feldkirch–Schaan.

Neben Fähre, Zoll und Tavernen bestand in Ruggell auch das Mühlengewerbe. 1394 wird ein Mühlbach in Ruggell erwähnt und 1467 eine Mühle in Bangs (eingegangen vor 1698). Eine Flachsmühle («Stampf und Pleuel») ist 1613 genannt. Wie in Gamprin fand sich in Ruggell auf dem Rhein eine wohl schon in den 1570er Jahren bestehende Schiffsmühle, die 1650 vom Hochwasser beschädigt wurde. 1651 bewilligte Graf Franz Wilhelm von Hohenems dem Jacob Öhri, diese Mühle auf das Land nach Eschen zu verlegen. 1660 errichtete Jacob Öhri erneut eine Mühle auf dem Rhein bei Ruggell. Vor 1749 wurde diese an die Gemeinde Gamprin verkauft. 1660 befreite Graf Franz Wilhelm die Ruggeller gegen einen jährlichen Zins von 30 Gulden vom Zwang, ihren Flachs in der Riedmühle Jacob Öhris «pleuen» zu lassen; dies war von da an auch in der Schweiz oder in Österreich zulässig, ebenso die Errichtung einer eigenen Flachsmühle. 1664 wurde den Ruggellern die Ablösung des jährlichen Zinses durch die einmalige Zahlung von 600 Gulden bestätigt. 1692 kauften sich die Ruggeller zudem für 400 Gulden vom Zwang los, ihr Getreide in der herrschaftlichen Mühle zu mahlen; zugleich gestattete ihnen Graf Jakob Hannibal von Hohenems, eine eigene Mühle zu errichten.

Kirche

Ruggell war bis 1874 Teil der Pfarrei Bendern, welche dem Prämonstratenserkloster St. Luzi (Chur) inkorporiert war. Für die Existenz einer mittelalterlichen Kapelle in Ruggell gibt es keinen konkreten Hinweis. Urkundlich belegt ist die Errichtung einer Kapelle in Ruggell 1614; sie wurde 1617 durch den Churer Bischof Johannes V. Flugi dem hl. Fridolin geweiht. Die Kapelle dürfte durch die Gemeinde Ruggell gestiftet worden sein, in deren Eigentum sie sich befand. 1668 wurde die Kapelle erweitert und 1674 von Bischof Ulrich VI. de Mont erneut konsekriert.

Nach der Errichtung der Kapelle kam es zwischen Ruggell und der Pfarrei Bendern zu Streitigkeiten wegen der Seelsorge. Die Gemeinde forderte, nicht nur an Kirchweih (erster Sonntag im September) und am Fest des Kirchenpatrons (6. März), sondern wöchentlich eine Messe in Ruggell zu haben. 1639 vereinbarte sie mit dem Abt von St. Luzi, mindestens alle 14 Tage die Messe in der Fridolinskapelle zu feiern. Einige damit unzufriedene Ruggeller stifteten in der Folge Jahrtage, die an Sonn- oder Feiertagen gehalten werden sollten. 1675 wurde dies durch ein bischöfliches Dekret verboten und die Abhaltung der Jahrtage auf Werktage beschränkt. 1709 beschwerten sich die Ruggeller beim Bischof über diese Praxis und über den Benderer Pfarrer, der die Bevölkerung von der Kanzel herab beschimpfe und sich wochenlang nicht in der Gemeinde sehen lasse. 1735 kam es wegen der Jahrtage erneut zu Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde und dem Pfarrer.

Der Zugehörigkeit zur Pfarrei Bendern entsprechend, waren (und sind) viele Ruggeller Mitglied der Benderer Rosenkranz-Bruderschaft. Eine bedeutende geistliche Karriere machte der 1704 in Tisis (Vorarlberg) geborene, aus einer Ruggeller Familie stammende Franz Anton Marxer, der ab 1749 Weihbischof in Wien und später auch Kanzler der dortigen Universität war.

Jens Gassmann, Fabian Frommelt

19. bis 21. Jahrhundert

Bevölkerung und Siedlung

Die Ende des 18. Jahrhunderts feststellbare Stagnation der Ruggeller Bevölkerung setzte sich bis um 1818 fort, worauf ein bis 1861 dauerndes Wachstum folgte, das von einem bis Ende des 19. Jahrhunderts dauernden Rückgang abgelöst wurde. In der (mit einigen Unschärfen behafteten) Statistik jener Zeit fällt die starke Diskrepanz zwischen der Gesamtbevölkerung und der effektiv anwesenden Bevölkerung auf. Letztere lag 1861 bei rund 500 Personen, sank bis 1891 auf 432 Einwohner und wuchs seither ungebrochen auf 1931 Personen im Jahr 2007, besonders stark in den 1970er und 80er Jahren.

Der Rückgang in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Diskrepanz zwischen der anwesenden und der Gesamtbevölkerung dürften u.a. mit der saisonalen Auswanderung und der ab 1848 gestatteten definitiven Auswanderungen zu erklären sein. Für Ruggell sind im 19./20. Jahrhundert 83 Auswanderungsfälle nach Nord- oder Südamerika bekannt (Einzelpersonen oder Familien). Besonders hoch war die Auswanderung aus Ruggell in den Jahren 1853–58 und 1880–90.

Waren 1911 noch 91 % der anwesenden Personen Ruggeller Gemeindebürger, fiel dieser Anteil bis 2007 auf 51 %. Im gleichen Zeitraum wuchs der Anteil anderer liechtensteinischer Gemeindebürger von 2 % auf 24 % und jener der Ausländer von 7 % auf 25 %, womit der Ausländeranteil deutlich unter dem Landesdurchschnitt (34 %) lag. Bekannten sich 1930 97 % der Bevölkerung zum römisch-katholischen Glauben, waren es im Jahr 2000 noch 83 % (Landesdurchschnitt: 78 %), 7 % gehörten protestantischen Kirchen und Gemeinschaften, 4 % dem Islam an. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mehrere Familien (vornehmlich aus Deutschland und Österreich) gegen hohe Gebühren in Ruggell eingebürgert (→Finanzeinbürgerungen); sie suchten besonders aus finanziellen, religiösen oder politischen Gründen um die liechtensteinische Staatsbürgerschaft an.

Die Zahl der bewohnten Gebäude stagnierte im 19. Jahrhundert, und zwar über das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestehende Hausbauverbot hinaus. Sie lag 1812 bei 89, 1852 bei 90 und noch 1871 bei nur 93 Häusern. Bis 1960 wuchs die Zahl der Wohngebäude mässig auf 151. Dann aber folgte mit der Bevölkerungszunahme eine starke Ausdehnung der Siedlung. Von 1970 bis 2000 kamen pro Jahrzehnt rund 100 Häuser dazu (stärkstes Wachstum in den 1970er Jahren), wodurch die Zahl der Wohngebäude im Jahr 2000 bei 487 und jene der bewohnten Wohnungen bei 590 lag. Ein 1960 geschaffener, mehrfach revidierter Zonenplan teilte das Gemeindegebiet in Wohn-, Gewerbe-, Industrie-, Landwirtschaftszonen usw. auf. Durch diesen und die Gemeindebauordnung (1961) soll die Siedlungsentwicklung gesteuert werden. Zusätzlich führte die Gemeinde Baulandumlegungen durch und gab ab 1960 berechtigten Gemeindebürgern günstig Gemeindeboden für Bauplätze ab, zunächst als Eigentum, später nur mehr im Baurecht.

Infrastruktur

Nachdem die Fähre zwischen Ruggell und Salez 1918 eingestellt worden war (als letzte am liechtensteinischen Rheinabschnitt), bemühte sich Ruggell ab 1923 um die Erstellung einer Rheinbrücke. Trotz anfänglichem Widerstand der Sennwalder (u.a. aus Gründen des Arbeitsmarkts und allfälliger Vieh- und Pferdemärkte in Ruggell) errichtete die Gemeinde Ruggell 1928–29 eine in ihrem Eigentum stehende Holzbrücke. Diese fiel 1963 dem Feuer zum Opfer und wurde 1966 durch eine Spannbetonbrücke ersetzt. Die für Ruggell wichtige, 1848 ausgebaute Landstrasse nach Bendern wurde 1937 neu angelegt. Der 1967 erfolgte Anschluss an die schweizerische Nationalstrasse A 13 festigte innerhalb Ruggells das Gefühl, keine abgelegene Ortschaft mehr zu sein.

1898 wurde das erste Telefon installiert, 1922 folgte der Anschluss an das Stromnetz. Zum Aufbau der allgemeinen, zentralen Wasserversorgung kam es in Ruggell – als letzter liechtensteinischer Gemeinde – erst nach der Gründung der «Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland» (WLU) 1960; bis dahin standen private Pumpbrunnen im Einsatz. Nach der Gründung des «Abwasserzweckverbands Liechtensteiner Unterland» 1971 erfolgte der systematische Ausbau der Kanalisation und 1977 die Anbindung an die Abwasserreinigungsanlage in Bendern. Seit 1962 ist Ruggell der Kehrrichtverwertungsanlage Buchs angeschlossen, die alte Mülldeponie am Rhein wurde stillgelegt.

Bis zur Einrichtung einer eigenen Postablage 1926 wurde Ruggell einmal täglich durch einen Briefträger von Eschen aus mit Post versorgt. 1928 entstand ein Postgebäude (Neubau 1970, erweitert 1995) und 1946 erfolgte die Anbindung Ruggells an das Postautonetz. 1987 wurde die erste Arztpraxis eröffnet.

Landschaft

Die Mitte des 19. Jahrhunderts begonnene Rheinkorrektion bewirkte eine starke Veränderung der Landschaft. Der Bau durchgehender Dämme anstelle der alten, lokalen Wuhre trennte den Auwald vollständig vom Rhein. Zudem zeitigte die Entwässerung der Riede nach den untauglichen Versuchen des frühen 19. Jahrhunderts durch die 1850–61 erfolgte Melioration erste Erfolge. Die nachhaltige Entwässerung gelang aber erst mit dem Bau des Ruggeller Abschnitts des Binnenkanals mit Parallelgraben (1931–35) und des ebenfalls 1935 fertiggestellten Spiersgrabens. In ökologischer Hinsicht relativ intakt blieben v.a. das Schneggenäuele, das Gebiet Au und besonders das ganz im Norden des Gemeindegebiets gelegene Ruggeller Riet, die 1978 alle unter Naturschutz gestellt wurden. Die Bedeutung des Ruggeller Riets als Lebensraum der für Flachmoore typischen Flora und Fauna ist international anerkannt. 1989–2000 wurde der unterste Auwaldabschnitt am Binnenkanal samt dessen Einmündung in den Rhein in einen naturnahen Zustand zurückversetzt.

Politische Gemeinde

Mit der Abschaffung des Landsbrauchs 1809 wurde die alte Nachbarschaft oder Dorfgemeinde Ruggell zur politischen Gemeinde, an deren Spitze der sogenannte Richter (Vorsteher) und der Säckelmeister standen. Die Gemeinde und ihre Vertreter waren allerdings weitgehend dem fürstlichen Oberamt untergeordnet. Erst das Gemeindegesetz von 1864 stellte die Gemeindeautonomie her (freie Wahl der Gemeindevertretung, Finanzhoheit). Die Leitung der Gemeinde lag nun beim Ortsvorsteher und beim neu geschaffenen, siebenköpfigen Gemeinderat, dem bis 1941 auch der Gemeindekassier angehörte. Bis 1974 war zudem für bestimmte Geschäfte ein zwölfköpfiger, verstärkter Gemeinderat zuständig. Seit 1975 gehören dem Gemeinderat neun Mitglieder an (inkl. Vorsteher). Seit der Gründung der Parteien 1918 stellten die Volkspartei und die VU vier Gemeindevorsteher, die FBP fünf. Nach der Einführung des kommunalen Frauenstimmrechts 1983 durch eine Gemeindeabstimmung (55,6 % Ja) nahm 1991 erstmals eine Frau im Gemeinderat Einsitz. Bis 1967 resp. 1973 wickelten der Kassier bzw. der Vorsteher die Amtsgeschäfte in ihren Privathäusern ab, der Gemeinderat tagte im Schulhaus. 1973 übersiedelten Gemeindeverwaltung und Gemeinderat in das Postgebäude und 1995 in das neu gebaute Rathaus. Erfolgte die Verbreitung kommunaler Informationen bis Mitte 20. Jahrhundert durch den Weibel auf dem Kirchplatz, publiziert die Gemeinde seit 1966 ein Informationsblatt und betreibt seit 1992 einen TV-Gemeindekanal sowie seit 1996 eine Internet-Seite (www.ruggell.li).

Wirtschaft

Landvogt Josef Schuppler bezeichnete 1815 die Einwohner von Ruggell als «die fleissigsten im Lande». Als Haupterwerbeszweige nannte er die Viehzucht, den Feldbau und besonders den Flachsanbau. Letzterer erlaube es, die Schulden und die «Kriegserlittenheiten» aus den Koalitionskriegen abzutragen.

Angesichts des Bevölkerungswachstums, der häufigen Überschwemmungen und der Versumpfung des landwirtschaftlichen Bodens drängte das Oberamt zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf den Umbau der jahrhundertealten, extensiven, genossenschaftlichen Weidewirtschaft zu einer intensiveren und produktiveren, privaten Feldwirtschaft. Ausser durch die Riedentwässerung sollte dies besonders durch die Fortsetzung der in der frühen Neuzeit begonnenen Privatisierung der Allmende erreicht werden. Bei der Anlage des Grundbuchs 1809 wurden die bestehenden Gemeindsteile (Widau-, Neufeld-, Fall- und Kleinteile sowie die Krautgärten) ins Privateigentum der damaligen Inhaber übertragen. 1817 zerstörte jedoch der Rhein einen Grossteil dieser Güter, worauf alle ausgeteilten Gemeindegüter wieder zusammengelegt und neu ausgeteilt wurden. Nach einer weiteren Rheinüberschwemmung 1829 folgten in den 1830er Jahren nochmals Austeilungen von Gemeindeboden im Ober Riet: 1831 erhielten alle 88 Haushaltungen je 225 Klafter im Oksarietle, 1832/35 240 Klafter und 1838 231 Klafter im Tuarbariet (zusammen 0,25 ha). Diese ins Nutzungsrecht übertragenen Teile wurden den Nutzern 1843 grundbuchamtlich als Eigentum überschrieben. Vom restlichen Sommerriet wurden 88 Parzellen zu je 1780 Klaftern (0,64 ha) durch das Los den Hausbesitzern als Eigentum zugeteilt; davon war aber jährlich ein Zins an die Gemeinde zu zahlen. Von der Verteilung ausgeschlossen blieben rund 4 ha im Sommerriet und im Suwinkel, die für die Versorgung der Gemeindearmen oder andere Gemeindezwecke bestimmt waren («Armengut»). Die sogenannten Soldatenteile sollen gemäss mündlicher Überlieferung für den Dienst im liechtensteinischen Militär ausgegeben worden sein. 1935, nach dem Bau des Binnenkanals und des Spiersgrabens, erhielten die Bürgerfamilien nochmals Gemeindeboden in der Underau, allerdings nur zur Pacht. Ende des 20. Jahrhunderts bestand das Bürgervermögen noch aus rund 50 ha in der Au, deren Nutzung (Verpachtung) 1952 in Statuten geregelt wurde. Die Nutzung des Brüechlis- und des Gantensteinwalds (Gemeinde Schellenberg) war ab 1864 den 88 alten Hausnummern vorbehalten; die Gemeinde ist seit den 1970er Jahren bemüht, diese Nutzungsrechte zurückzukaufen. Da die Bildung einer Bürgergenossenschaft 2001 in einer Gemeinde- und einer Bürgerabstimmung verworfen wurde, fiel das vormalige Bürgervermögen an die politische Gemeinde.

Die Austeilungen führten zu gemeindeinternen Konflikten, u.a. weil sich die Besitzer von mit dem Atzungsrecht belasteten Privatböden infolge der Reduzierung der Allmende durch stärkeren Weidetrieb geschädigt fühlten. Nachdem die Gemeindeversammlung 1825 eine Atzungsordnung erlassen hatte, wurde 1843 das Atzungsrecht im Ruggeller Gemeindegebiet auf allen privaten Böden aufgehoben (total 165 ha), wofür die Eigentümer Ablösungszahlungen an die Gemeinde zu entrichten hatten (total 9419 Gulden). Von den 165 ha gehörten 112 ha Besitzern aus Ruggell, 21 ha solchen aus dem übrigen liechtensteinischen Unterland und 32 ha solchen aus Österreich und der Schweiz.

Eine Folge der Bodenreform war der Bedeutungsverlust der Pferdezucht zugunsten der stärker auf Futterbau und Stallhaltung ausgerichteten Rindviehhaltung. Wurden 1818 noch 279 Stück Rindvieh gezählt, waren es 1911 bereits 452 und 1995 768 Stück (bei 19 Rindviehhaltern). Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe fiel von 94 im Jahr 1929 (davon 79 hauptberufliche Betriebe) auf 13 im Jahr 2000 (neun hauptberufliche Betriebe).

Die seit dem 17. Jahrhundert in Ruggeller und Gampriner Privatbesitz stehenden Genossenschaftsalpen Fahren und Ziersch wurden 1952 zusammengelegt; 1994 gab es in Ruggell 32 Genossenschafter mit total 58 Alprechten. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beteiligten sich einige Ruggeller Bauern an der Alpgenossenschaft Tiefensee-Klesi in Vorarlberg (2004 acht Teilhaber aus Ruggell mit 15 Weiderechten). An weiteren landwirtschaftlichen Genossenschaften bestehen bzw. bestanden seit 1837 die Sennereigenossenschaft, ab 1927 die Braunviehzuchtgenossenschaft, in den 1930er–1960er Jahren zwei Dreschgenossenschaften mit je einer Dreschmaschine und ab 1964 eine Landmaschinengenossenschaft.

Neben der Landwirtschaft gingen viele Familien einem Nebenerwerb nach. So sicherten zahlreiche Handwerksbetriebe wie Wagner, Huf- und Wagenschmied, Küfer, Schuhmacher, Rechenmacher, Müller, Metzger oder Bäcker die dörfliche Versorgung. Viele dieser Geschäfte verschwanden im Lauf des 20. Jahrhunderts, doch erinnern die Hausnamen der Nachfahren jener Handwerker noch an diese Zeit.

Auch in Ruggell verbreitete sich die ab den 1840er Jahren in Liechtenstein aufkommende Stickerei in Form der Heimarbeit für St. Galler Textilunternehmen. 1910 zählte Ruggell nach Eschen am meisten Stickmaschinen (42 Stück), 1912 wurde die erste liechtensteinische Schifflistickmaschine mit Motorantrieb in Ruggell aufgestellt. Im Ersten Weltkrieg geriet die Heimstickerei in eine Krise, von der sie sich nicht mehr erholte. Eine Fabrikindustrie entwickelte sich in Ruggell nicht. In benachbarten Fabriken aber waren auch Ruggeller beschäftigt, so in den Feldkircher Baumwollspinnereien Getzner, Mutter & Cie. sowie Ganahl & Söhne.

Die 1692 errichtete, genossenschaftlich betriebene Getreidemühle samt Brettsäge brannte 1868 ab und wurde als Frucht- und Sägemühle mit Hanfreibe neu aufgebaut. Während die Säge 1961 einen Neubau erhielt, wurde der Betrieb der Mühle 1967 eingestellt. Der für Ruggell erstmals in der Landesbeschreibung von Landvogt Josef Schuppler 1815 erwähnte Torfabbau dürfte erst im 18./19. Jahrhundert zur Gewinnung von Brenn- und Heizmaterial wichtig geworden sein. Er wurde in den 1960er Jahren aufgegeben. Spätestens ab den 1870er Jahren wurden in der Kela Steine gebrochen. In dem seit den 1930er Jahren betriebenen Steinbruch Limsenegg befindet sich seit 1991 eine Sondermülldeponie für Metallhydroxide. In den 1830er Jahren büsste Ruggell seine Stellung als wichtigste Zollstation des Unterlandes an den neuen Zoll in Bendern ein. Nach dem Abschluss des Zoll- und Steuervertrags mit Österreich 1852 waren am Ruggeller Zoll am Rhein bis 1919 österreichische Finanzer stationiert. Nach einer Phase der wirtschaftlichen Isolation (1919–23) wurde dieser Zoll 1924 aufgrund des Zollanschlussvertrags mit der Schweiz aufgehoben und neu das schweizerische Zollamt Ruggell an der liechtensteinisch-österreichischen Grenze geschaffen (auf Schellenberger Gemeindegebiet); 1999 entstand das schweizerisch-österreichische Gemeinschaftszollamt Ruggell-Nofels. Unter dem Schweizer Zollvertrag reduzierte sich die jahrhundertealte, enge wirtschaftliche Verbindung zur Stadt Feldkirch sukzessive.

Das alte Zoll- und Gasthaus «Zoll» wurde 1804 neu aufgebaut und später in «Schwert» umbenannt (abgerissen 1998). An Gasthäusern bestanden 2006 noch das «Rössle» (seit etwa 1875) und das 1968 eröffnete «Café Oehri», während der «Sternen» 1989 geschlossen worden war. Der wirtschaftliche Strukturwandel erfolgte in Ruggell später und weniger ausgeprägt als in den meisten anderen liechtensteinischen Gemeinden. 1965 waren noch 72 % aller Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe Landwirtschaftsbetriebe (Landesdurchschnitt: 46 %); 64 % der Voll- und Teilzeitbeschäftigten waren im 1. Sektor tätig (Landesdurchschnitt: 19 %). 2005 machten die Betriebe des 1. Sektors noch 6 % aus (Landesdurchschnitt: 4 %), die dort Beschäftigten 2 % (Landesdurchschnitt: 1 %). Der Anteil des 2. Sektors (produzierendes Gewerbe und Industrie) verdoppelte sich in diesem Zeitraum sowohl hinsichtlich der Betriebe (13 % 1965 resp. 25 % 2005) als auch der Beschäftigten (25 % 1965 resp. 51 % 2005). Noch stärker wuchs der 3. Sektor (Dienstleistungen). Der Anteil der in diesem Bereich tätigen Betriebe stieg von 15 % 1965 auf 69 % 2005, jener der dort Beschäftigten von 12 % auf 47 %.

Die 1946–74 bestehende «Textilia Wirkwarenfabrik» (Produktion von Strümpfen und Strumpfhosen, 20–30 Beschäftigte) blieb bis in die 1960er Jahre der einzige Industriebetrieb. 2005 bestanden 35 Arbeitsstätten des 2. Sektors, davon 15 im Baugewerbe, weitere u.a. in den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, Metallverarbeitung, chemische Industrie und Nahrungsmittelproduktion. Von den 98 Arbeitsstätten des 3. Sektors (2005) gehörten über ein Drittel zum Bereich Immobilien, Informatik und Dienstleistungen für Unternehmen; ebenfalls vertreten waren die Bereiche Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Gesundheits- und Sozialwesen, Rechtsberatung und Treuhandwesen, Kredit und Versicherung.

Deutlich über dem liechtensteinischen Durchschnitt liegt der in den letzten Jahrzehnten stark angestiegene Anteil der Wegpendler: 60 % der insgesamt 920 erwerbstätigen Ruggeller Einwohner arbeiteten im Jahr 2000 in anderen liechtensteinischen Gemeinden (1970: 43 %), 9 % im Ausland (1970: 5 %), nur 22 % in Ruggell selbst (1970: 52 %); bei 9 % war der Arbeitsort unbekannt. Umgekehrt pendelten 164 Personen aus anderen liechtensteinischen Gemeinden nach Ruggell zur Arbeit (1970: 12).

Kirche

Da die Seelsorge durch den Benderer Pfarrer in Ruggell nach wie vor nur sehr unregelmässig erfolgte, die Benderer Kirche zudem eine Gehstunde von Ruggell entfernt war, erklärten 1841 65 «achtbare Bürger» der Gemeinde Ruggell schriftlich ihren Willen zur Errichtung einer eigenen Kuratie (Seelsorgebezirk mit eigenem Geistlichen). 1842 verpflichteten sich 38 Bürger zu einer Spende von zusammen 1084 Gulden und 1843 beschloss die Gemeindeversammlung die Errichtung einer Kuratie. Die Gemeinde stiftete das Ablösegeld aus der Atzungsrechtsaufhebung (9419 Gulden) für den Unterhalt des Kuraten. Fürst Alois II. bewilligte 1843 – vorbehaltlich der Zustimmung des bischöflichen Ordinariats – die Errichtung der Kuratie und erklärte sich u.a. bereit, das Kirchenpatronat zu übernehmen. Zwar waren auch das bischöfliche Ordinariat und der Pfarrer von Bendern grundsätzlich einverstanden, aus finanziellen Gründen gelang aber 1854 nur die faktische Einrichtung einer provisorischen Kuratie. Ruggell blieb Teil der Pfarrei Bendern, erhielt aber einen eigenen Seelsorger, für den sie 1856/57 ein Pfrundhaus errichtete, und einen Friedhof. Streitigkeiten zwischen Ruggell, der Pfarrei Bendern und der österreichischen Patronatsbehörde (die Kirche Bendern war 1814 an Österreich gekommen) um die Bau- und Unterhaltspflicht der Ruggeller gegenüber der Kirche Bendern sowie die Weigerung des Fürsten, die vollen Patronatslasten der Ruggeller Kirche zu übernehmen, verzögerten die Abkurung weiter. Erst 1874 wurde Ruggell mit dem «Statut über die definitive Abkurung der Curatiegemeinde Ruggell von der Mutterkirche Bendern» zur eigenen Pfarrei St. Fridolin; die formale bischöfliche Zustimmung zur Umbenennung von «Kuratie» in «Pfarrei» erfolgte 1875.

Die alte, 1851 vergrösserte Kapelle befand sich nordwestlich der heutigen Pfarrkirche St. Fridolin. Sie wurde 1900 oder 1901 abgebrochen; an ihrer Stelle stand bis 1968 ein Erinnerungskreuz (im Jahr 2000 gegenüber dem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt). Nach der Gründung der Pfarrei wurde mit der Geldsammlung für einen Kirchenneubau begonnen, der 1897–1903 nach Plänen von Gustav von Neumann ausgeführt wurde; schon an Weihnachten 1899 konnte darin Gottesdienst gehalten werden, die Einweihung erfolgte 1911. Die Gemeinde leistete die Hand- und Transportarbeiten und zahlte gemeinsam mit privaten Spendern 63 000 Kronen; Fürst Johann II. spendete 90 000 Kronen. Renovationen und Erweiterungen der Kirche erfolgten 1962, 1982 und 1999; 1984/85 entstand ein neues Pfarrhaus. 1974–88 gehörten die Ruggeller Pfarrer der in Schellenberg tätigen Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut (CPPS) an.

Als Inhabern des Patronats über die Ruggeller Kirche stand den Fürsten von Liechtenstein das Präsentationsrecht des Ruggeller Pfarrers zu. Nachdem die Pfarrei Ruggell 1997 Teil des neuen Erzbistums Vaduz geworden war, verzichtete Fürst Hans-Adam II. 1999 zugunsten des Erzbischofs von Vaduz auf dieses Recht.

Kultur und Schule

Das kulturelle Leben war traditionell vom bäuerlichen Brauchtum und der Kirche (Festtage, Prozessionen usw.), der Fasnacht und Festen wie Kirchweih «Kelbi» geprägt. Ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde es durch Ortsvereine belebt. Als erster Verein entstand 1870 der Gesangverein. Es folgten 1874 ein gemischter Kirchenchor (seit 1918 Männerchor), 1881 die Freiwillige Feuerwehr und der Jungfrauenbund (Marianische Kongregation), 1885 der Musikverein «Blechinstrument Frohsinn» und 1919 der Radfahrerclub. Ein neuer Saal im Gasthaus «Sternen» diente den Vereinen ab 1904 für Musik- und Theateraufführungen. Im 20. Jahrhundert kam eine ganze Reihe weiterer Vereine dazu, so 1931 der Fussballclub (Neugründung 1958), 1934 die Pfadfinder, 1953 der Veloclub (Organisator der Internationalen Schellenbergrundfahrt) usw. 1979/80 errichtete die Gemeinde ein Gemeindezentrum mit Dorfsaal und Turnhalle, 1987 folgte ein Vereins- und Jugendhaus, 2002 das Kulturhaus «Küefer-Martis-Huus» (Museum und Veranstaltungsort) und 2009 das Musikhaus. Von den Ruggeller Kulturschaffenden traten u.a. der Heimatdichter Josef Hoop (1892–1918) sowie die Künstler Gertrud Kohli-Büchel (*1945) und Arno Oehri (*1962) hervor.

Ab 1773 sind Stiftungen einzelner Bürger für die Ruggeller Schule belegt. Trotz der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Liechtenstein 1805 wurde in Ruggell der geregelte Schulbetrieb erst 1807 aufgenommen, womit Ruggell zusammen mit Schellenberg die letzte Gemeinde war. Bis zum Bau eines Schulhauses 1836 wurde in einem Privathaus unterrichtet. 1926–76 waren Zamser Lehrschwestern an der Ruggeller Schule tätig. Die Einnahmen aus zwei Finanzeinbürgerungen ermöglichten 1938/39 den Bau eines neuen Schulhauses, das auch eine Bühne für Vereinsveranstaltungen aufwies. Der 1952 im Schulhaus eingerichtete Kindergarten erhielt 1974 ein eigenes Gebäude. 1989 wurde die Schule vergrössert. In Eschen können Ruggeller Schüler die Realschule (seit 1906) und die Oberschule (seit 1973) besuchen. Ins Gymnasium gingen Ruggeller ursprünglich meist nach Feldkirch, seit 1937 auch nach Vaduz.

Ereignisgeschichte

Nach verheerenden Überschwemmungen im Hungerjahr 1817, im September 1829, im Jahr 1839, im Sommer 1846 und im Oktober 1872 brachte der ab den 1880er Jahren erfolgte Bau der Rhein-Hochwuhre für Ruggell endlich eine bedeutende Verbesserung der Hochwassersicherheit. Allerdings kam es am 25.9.1927 zur bislang letzten schweren Rheinüberschwemmung in Liechtenstein, von der die Gemeinde Ruggell am stärksten betroffen war. Die Bevölkerung floh samt Vieh in das höher gelegene Studa und weiter nach Schellenberg und Gamprin. Rund 300 eingeschlossene Personen mussten von österreichischem und schweizerischem Militär mit Booten aus den Häusern gerettet werden, was z.T. erst nach mehreren Tagen gelang. An den teils bis Dezember unter Wasser stehenden Häusern und Fluren entstand ein riesiger Schaden, die Ernte war vernichtet. Ende Oktober 1927 wohnten nur mehr 131 Personen in Ruggell selbst, 305 waren in anderen liechtensteinischen Gemeinden untergebracht, rund 100 in der benachbarten Schweiz und in Vorarlberg; die Rückkehr war z.T. erst im Januar 1928 möglich. Die Entfernung des Geschiebes von den Feldern, das Instandstellen der Riedgräben und Strassen usw. dauerte trotz internationaler Hilfe noch Monate.

Von Mai bis Dezember 1945 bestand in Ruggell ein Internierungslager für die am 2./3.5.1945 aus dem zusammengebrochenen Deutschen Reich nach Liechtenstein geflüchteten rund 500 Exilrussen, die auf deutscher Seite gegen die Sowjetunion gekämpft hatten. Ende Dezember 1945 wurde das Lager von Ruggell nach Schaan verlegt (→Russische Nationalarmee)

Jens Gassmann, Fabian Frommelt

Archive

GAR; PfAR; LI LA.

Quellen

Schädler: Regesten, 1908; LUB I, LUB II; Orientierung über Gemeindeprobleme [verschiedene Titel], Hg. Gemeinde Ruggell, 1966–; Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, Anhang, 1972; Schuppler/Ospelt: Beschreibung 1815, 1975; StatJb 1977–.

Literatur

Ur- und Frühgeschichte:
E. Vonbank: Liechtensteiner Bodenfunde im Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz, in: JBL 54 (1954), 107–128; Poeschel: Kunstdenkmäler, 1950, 267; J. Bill: Der Beginn der Bronzezeit im Fürstentum Liechtenstein, in: HA 9 (1978), 113–119; J. Speck: Bronzefunde der Spätbronze- und Eisenzeit aus dem Fürstentum Liechtenstein, in: HA 9 (1978), 120–129; Overbeck: Alpenrheintal 2, 1973, 158f.

Mittelalter bis 21. Jahrhundert:
Büchel: Bendern, 1923; Poeschel: Kunstdenkmäler, 1950, 267–274; Büchel: Gemeindenutzen, Ms. 1953 [LBFL], bes. 16f., 154–156; A. Ospelt: 100 Jahre Pfarrei Ruggell, 1974; 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ruggell, 1981; W. Büchel: 25 Jahre FC Ruggell, 1983; 50 Jahre Pfadfinder, Pfadfinderinnen Ruggell, Red. B. Öhri-Hoop et al., 1984; V. Gschwenter, A. Kind: 100 Jahre Musikverein Frohsinn Ruggell, 1985; Vereins- und Jugendhaus Ruggell, 1987; Flurnamen der Gemeinde Ruggell (Karte, Begleitheft), Bearb. L. Jehle, 1988; H. Kind: Schulgeschichte von 1806 bis heute, 1989; A. Ospelt: Das Ruggeller Riet, in: Bericht BZG 18 (1990), 39–53; J. Spalt, P. Büchel: Stammtafeln der Bürgerfamilien von Ruggell, 1990; J. Oehry et al.: Ruggell am Rhein, 1994; Politische Arbeit für Ruggell, Hg. VU, 1994; Posterweiterung und Rathaus-Neubau Ruggell, 1995; FLNB I/4; C. Feurstein et al.: 125 Jahre Pfarrei Ruggell, 2002; P. Büchel: Von alten Häusern und Menschen (DVD-Video), 2005; P. Albertin: Ruggeller Bau- und Siedlungsgeschichte, in: Nordwind 116 (2005)–; P. Albertin: Das Ruggeller Zoll- und Gasthaus «Schwert», in: JBL 105 (2006), 169–183.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Jens Gassmann, Fabian Frommelt, Ulrike Mayr, «Ruggell», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Ruggell, abgerufen am 14.10.2019.

Medien

Gemeindewappen, seit 1956 (Gemeinde Ruggell). Das Gemeindewappen zeigt auf rotem Grund ein blaues, silberbordiertes Wellenband, darüber eine aufrechte, goldene Ähre. Die Ähre versinnbildlicht den siegreichen bäuerlichen Kampf über die Urgewalt des Rheins, der nun unterworfen und eingedämmt vorbeifliesst. Das Wappen wurde 1956 vom Landesfürsten verliehen.
Gemeindegebiet Ruggell
Karte des Gemeindegebiets Ruggell (Ausschnitt). Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (BA120404). Kartografie: Andreas Bachmayr, Uttendorf.
Frühlatènezeitliche Fibel aus Bronze, Ruggell 4.–3. Jahrhundert v.Chr. (Bildarchiv Amt für Kultur, Abteilung Archäologie). Foto: Sven Beham / LLM. Der Fundort im Ruggeller Riet ist nicht gesichert.
Ansicht von Südost, Mitte 1920er Jahre (GAR).
Die alte Fridolinskapelle, um 1890 (PfAR).
Bevölkerung (Volkszählungen), 1784–2015
Gemeindevorsteher, ab 1864
Seelsorger (1854–74 Kuraten, ab 1874 Pfarrer)
Wirtschaftsstruktur, 1965–2015