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Schädler, Albert

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Autor: Rudolf Rheinberger | Stand: 31.12.2011

Landtagspräsident. *24.12.1848 Vaduz, †17.6.1922 München, von Eschen. Sohn des Landtagspräsidenten und Arztes Karl und der Katharina, geb. Walser, acht Geschwister, u.a. Landtagspräsident und Arzt Rudolf und Landtagsabgeordneter und Ingenieur Karl.  16.4.1872 Albertine Berl (*6.10.1847, †2.3.1899), Tochter des Feldkircher Postmeisters Theodor Berl, zwei Kinder. 1859–67 Gymnasium in Feldkirch, Mehrerau (Vorarlberg) und Schwyz (SZ), 1867–68 Priesterseminar in Mainz, 1868–71 Studium der Medizin in Wien, Zürich und Giessen (Hessen), 1871 Dr. med., 1871–72 klinische Kurse in Wien, 1879 Sprachstudien in Paris und Lyon sowie 1887 in London. 1872–1910 führte Schädler gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf die vom Vater übernommene Arztpraxis in Vaduz. 1873–90 wirkte er jeweils von Mai bis September als Kurarzt in Ragaz (SG) und Pfäfers (SG). Zu diesem Zweck erwarb er 1877 das eidgenössische Konkordatsdiplom. 1886 verfasste Schädler die Schrift «Ragaz-Pfäfers, die Heilwirkungen seiner Therme, Lage und Klima». 1900–10 zog die liechtensteinsiche Regierung Schädler als medizinischen Experten bei. Er wurde zur Verbesserung der Wasserversorgung in den Gemeinden konsultiert und setzte jährliche Fortbildungskurse für Hebammen durch. 1914 wurde Schädler mit der Stellvertretung von Landesphysikus Felix Batliner betraut, der freiwilligen Dienst in einem österreichischen Lazarett leistete. 1872–73 baute er zusammen mit seinem Bruder Rudolf anstelle des Tschaggaturms das Schädlerhaus in Vaduz.

1882–86 und 1890–1919 Landtagspräsident, Vorsitzender der Finanzkommission und des Landesausschusses, 1886 lehnte er die Annahme der Wahl aufgrund seiner Tätigkeit in Ragaz ab. Schädler prägte die Arbeit des Landtags stark. Er präsidierte die meisten Landtagskommissionen und trat als deren Referent auf. Das Verhältnis Schädlers zu den jeweiligen Landesverwesern war korrekt, aber nicht immer ungetrübt. Wiederholt verteidigte er die von der Verfassung garantierten Freiheitsrechte, so etwa 1894–95, als Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion die Befugnisse des Landtags bzw. des Landesausschusses einschränken wollte und eine Pressezensur verhängte. Schädler setzte sich in Anlehnung an die Enzyklika «Rerum novarum» für Verbesserungen in der Sozialgesetzgebung (z.B. Gewerbegesetz 1910) ein. 1909 empfahl er die Einführung einer staatlichen Alters- und Invalidenversicherung.

Um Schädler sammelten sich im Landtag ab 1914 die Gegner der Gruppe um Wilhelm Beck. Sein Gedankengut floss 1918 in die Gründungsideen der FBP ein. Bei den ersten direkten Wahlen 1918 stand Schädler, der die Bildung von Parteien ablehnte, auf der Vorschlagsliste des «Liechtensteiner Volksblatts». Er erreichte nicht die nötige Stimmenzahl für ein Mandat, wurde dann jedoch von Fürst Johann II. zum Landtagsabgeordneten ernannt. Wie alle drei fürstlichen Abgeordneten legte Schädler nach dem Novemberputsch (7.11.1918) aus Protest gegen die verfassungswidrigen Vorkommnisse sein Mandat vorübergehend nieder. Am 30.3.1919 zog er sich endgültig aus der liechtensteinischen Politik zurück, da er die innenpolitische Entwicklung nicht guthiess. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schädler bei seiner Tochter in München.

Schädler förderte das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Liechtenstein. Er organisierte 1879 zusammen mit seinem Bruder Rudolf das 1. liechtensteinische Sängerfest, schrieb Gedichte und trat bei vielen öffentlichen Anlässen als Redner auf. 1873–78 schrieb er Beiträge in der Zeitung seines Bruders Rudolf, der «Liechtensteiner Wochenzeitung». Schädler war Mitgründer des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein (1901) und 1901–22 dessen erster Präsident. Er publizierte im Jahrbuch des Historischen Vereins zahlreiche bedeutende Arbeiten zur liechtensteinischen Geschichte, u.a. «Die Tätigkeit des liechtensteinischen Landtages» (JBL 1, 3, 4, 12, 13, 21), und die erste rein liechtensteinische Sagensammlung (JBL 16). Schädler war Vizepräsident der Historischen Kommission für Vorarlberg und Liechtenstein. Seine Sammlung historischer Akten und Urkunden vermachte er dem Land («Schädler-Akten»), womit er den Erhalt wichtiger liechtensteinischer Geschichtsquellen sicherte. Nach dem Tod ihres Bruders Karl 1907 erbten Albert und Rudolf Schädler das «Kurhaus Gaflei». Eine von Albert Schädler mit einem Kapital von 40 000 Kronen gegründete Stiftung für den Betrieb einer Haushaltungsschule kam aufgrund der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg nicht zum Tragen.

Schädler wurde 1911 als erstem gebürtigem Liechtensteiner der Titel eines Fürstlichen Rats verliehen («Fürstlicher Sanitätsrat»). Er war ein weltgewandter Mann, der viele Reisen unternahm und Englisch sowie Französisch sprach. Er genoss als Arzt, Historiker und Politiker hohes Ansehen. Schädler prägte die liechtensteinische Landespolitik mehr als drei Jahrzehnte lang. Er galt als fähig und sachkundig, war konservativ-klerikal, vertrat aber auch christlich-soziale Ideen. In seiner Heimatgemeinde Eschen ist eine Strasse nach ihm benannt.

Literatur

R. Rheinberger: Dr. med. Albert Schädler, in: JBL 94 (1997), 101–150; A. Ospelt: Zum Gedenken an die verstorbenen Vorsitzenden des Historischen Vereins, in: JBL 100 (2001), 160–204, besonders 162–169 (beide mit Werkverzeichnis).

Zitierweise

Rudolf Rheinberger, «Schädler, Albert», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Schädler,_Albert, abgerufen am 23.2.2019.

Medien

Albert Schädler mit seiner Gemahlin Albertine. Fotografie, um 1875 (Familienarchiv Rheinberger).