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Schaanwald

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Autor: Fabian Frommelt | Stand: 31.12.2011

Zur Gemeinde Mauren gehörender Weiler im liechtensteinischen Unterland, Kirche auf 465 m ü.M. Lage am Fuss des Maurerbergs, von Mauren getrennt durch das Maurer Riet. 2011 zählte Schaanwald 818 Einwohner.

Von Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. bis ins 3./4. Jahrhundert stand in Schaanwald nahe der Römerstrasse Mailand–Bregenz eine römische Villa mit Badeanlage.

Ab 1390 erscheint der Name Schaanwald in Grenzbeschreibungen der Herrschaften Jagdberg, Feldkirch und Schellenberg. 1652 erwarb die Dorfgemeinde Mauren von Graf Franz Wilhelm von Hohenems eine unlängst von ihr gerodete Wiese in Schaanwald und teilte sie an ihre 55 Genossenhaushalte aus. Das Urbar der Herrschaft Schellenberg (1698) verzeichnet den «gross Schanwaldt» unter den herrschaftlichen Wäldern.

Die Siedlung Schaanwald entstand erst im 19. Jahrhundert. Zwar wird im späten 14. Jahrhundert (vor 1384) und im 15. Jahrhundert der sogenannte Schmelzhof erwähnt (im Besitz von Feldkircher Bürgern), aber noch Mitte 19. Jahrhundert befanden sich in Schaanwald erst eine Mühle mit Gasthaus, zwei Privathäuser, eine «Zuschg» und ein Zollhaus. Nach der Aufhebung des allgemeinen Bauverbots in den 1840er Jahren und begünstigt durch die Errichtung einer Buntweberei im benachbarten Gallmist/Tisis (Vorarlberg) 1866 wuchs Schaanwald zum Strassendorf mit 27 Häusern um 1900. Aufgrund der gestiegenen Einwohnerzahl erhielt Schaanwald 1899 eine eigene Schule (Neubauten 1955 und 1989). Die Tätigkeit eines 1935 gegründeten Kirchenbauvereins ermöglichte 1936–39 den Bau der zur Pfarrei Mauren gehörenden Theresienkirche (→ Kapelle St. Theresia von Lisieux). 1970 erhielt Schaanwald eine Post, 1972 einen Kindergarten, 1971 einen Naturlehrpfad. 2010 wurde das multifunktionale Zentrums- und Begegnungsgebäude «Zuschg» eröffnet.

Einige Bedeutung erwuchs Schaanwald aus seiner Lage an der Grenze zu Österreich und an der Reichsstrasse Lindau–Mailand. Schon zu der 1483 als Erblehen Freiherr Sigmunds von Brandis erwähnten zweiteiligen Mühle gehörte eine Taverne. Die obere Mühle war bis 1888, die untere bis 1932 in Betrieb. Die im 19. Jahrhundert unter dem Namen «Schaanwald» geführte ehemalige Taverne wurde 1956 abgebrochen. An gleicher Stelle entstand das Gasthaus «zum Alten Zoll» (seit 1991 im Besitz der Gemeinde Mauren). Eine im 18. Jahrhundert errichtete «Zuschg» diente dem Transportgewerbe auf der Strecke Feldkirch–Chur (abgebrochen 1954). 1782–1870 war Schaanwald Weggeldstation. 1802 wurde vorübergehend eine Übernahmestelle für aus dem Ausland abgeschobene liechtensteinische Bettler eingerichtet. Nachdem in Schaanwald ab 1792 ein sogenannter Wehrzoll bestanden hatte, wurde 1808 die Zollstätte von Nendeln an den Grenzort Schaanwald verlegt. Während des Zollvertrags mit Österreich 1852–1919 war die Zollstation Schaanwald aufgehoben. Seit 1924 versehen Schweizer Beamte den Dienst am «Schweizerischen Zollamt Schaanwald im Fürstentum Liechtenstein». Mit ihnen liess sich eine grössere Anzahl evangelischer Personen nieder. 1939 gehörten von den 241 Einwohnern Schaanwalds rund 50 Personen den Familien des Zollpersonals an. Beim Kriegsende stauten sich im April/Mai 1945 am Grenzübergang auf österreichischer Seite Tausende von Flüchtlingen; in Schaanwald verpflegten liechtensteinische Pfadfinderinnen täglich 800–1000 eingelassene Personen.

Beim späten gewerblich-industriellen Aufschwung der Gemeinde Mauren kam Schaanwald eine wichtige Rolle zu. Seit 1839 betreibt die Gemeinde Mauren in Schaanwald eine Gemeindesäge. Auch die ersten, gescheiterten Ansiedlungsversuche von Fabriken im 19. Jahrhundert konzentrierten sich auf Schaanwald (Woll- und Baumwollwarenfärberei 1852, Zündholzfabrikation 1860, Schafwollkarderei 1862). Seit 1872 verläuft die Eisenbahnlinie Feldkirch–Schaan–Buchs durch Schaanwald (ab 1902 mit Haltestelle). Um die Jahrhundertwende gab es in Schaanwald Stickereilokale. Josef Kaiser betrieb 1918–24 eine Spinnerei und Weberei und ab 1925 eine mechanische Werkstätte, aus der die heutige Kaiser AG hervorging. Ausserdem wurde in den 1920er Jahren eine Schafwollweberei und in den 1930er Jahren eine Zwirnweberei betrieben. 1959 entstand als einer der ersten grösseren Betriebe die EMAX-Möbel AG. Die 1970 in Schaan eingerichtete Industriezone beherbergt heute einen Grossteil der Betriebe und Beschäftigten der Gemeinde Mauren.

Vom geplanten Bau einer Südumfahrung Feldkirchs (Letzetunnel) befürchtet die Bevölkerung eine Verschärfung des Verkehrsproblems: täglich rollen rund 15 000 Fahrzeuge durch Schaanwald.

Literatur

FLNB I/3, 486–488; J. Jäger: Aus Schaanwalds alten und neuen Tagen, o.J.; H. Jäger: Die alten Häuser von Mauren, 2001; Die Maurer Wiesen in Schaanwald, Red. L. Jäger, 2010; Zuschg, 2010.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Fabian Frommelt, «Schaanwald», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Schaanwald, abgerufen am 20.2.2019.

Medien

Grenzstein, 1693 (Bildarchiv LLM). Der Stein zeigt auf der Nordseite die Jahreszahl und den österreichischen Bindenschild, auf der Südseite die Jahreszahl und das Wappen der Grafen von Hohenems.