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Schaedler, Otto

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Autor: Jürgen Schremser | Stand: 31.12.2011

Landtagsabgeordneter. *9.6.1898 Balzers, †25.12.1965 Vaduz, von Eschen. Sohn des Landwirts Emilian Adolf und der Emerita geb. Gstöhl, 15 Geschwister. 27.5.1926 Maria Rheinberger (*10.2.1899, †21.7.1993), eine Tochter. Primarschule Balzers, 1910–17 Kollegium Maria-Hilf, Schwyz. 1918–23 Medizinstudium in München und Innsbruck, 1923 Dr. med. Schaedler eröffnete eine Arztpraxis in Eschen und übersiedelte 1930 nach Vaduz.

Schaedler war 1933 Mitbegründer der Oppositionsbewegung Liechtensteiner Heimatdienst (LHD) und führend in dessen Landesleitung. Dort bestimmte er zusammen mit Alois Vogt und Carl von Vogelsang das deutschvölkische und autoritäre Gepräge des LHD. Schaedler gehörte zum Jahreswechsel 1935/36 zu den Gründern der Vaterländischen Union (VU). Er war von Dezember 1935 bis zum Juni 1965 deren Parteipräsident. Als solcher setzte er sich erfolgreich für eine proportionale VU-Beteiligung an Regierungs-, Landtags- und Behördenmacht in Liechtenstein ein (Koalition 1938). 1943–44 zusammen mit Gustav Schädler Redaktor der Parteizeitung «Liechtensteiner Vaterland».

1936–45 und 1962–65 Landtagsabgeordneter (VU) und Landtagsvizepräsident, zeitweilig Mitglied der Finanzkommission und des Landesausschusses. 1931–35 und 1942–59 Mitglied des Liechtensteinischen Staatsgerichtshofs (1942–59 Vizepräsident). Schaedler übte während und neben seiner politischen Karriere den Arztberuf aus und engagierte sich in berufsständischen und sozialmedizinischen Belangen. 1945–65 Mitglied der Sanitätskommission, stv. Landesphysikus und Präsident des Liechtensteiner Ärztevereins. 1950–60 Mitglied des Landesschulrats. Fürst Franz Josef II. verlieh Schaedler 1939 das Komturkreuz des fürstl. liecht. Verdienstordens und 1956 den Titel «Fürstlicher Sanitätsrat».

Schaedler war ein profilierter, in den 1930er Jahren dem NS-Regime zugeneigter Landespolitiker. Als LHD-Führer entstand um ihn ein an die NSDAP und ähnliche Bewegungen angelehnter Personenkult («Heil Otto!») mit militantem Auftreten der LHD-Gefolgschaft (LHD Sturmtrupp). Im LHD und später auch im Landtag agitierte Schaedler als prononcierter Antisemit. Schaedler unterhielt als LHD- und VU-Repräsentant Kontakte mit nationalsozialistischen Stellen, so zum Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) in Württemberg und zur 1937 eingerichteten Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi). Schaedler nutzte sein Nahverhältnis zum NS-Staat, um nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 Druck in Richtung auf eine institutionelle Machtbeteiligung der VU in Liechtenstein auszuüben. Diesbezügliche Forderungen deponierte er bei Regierungschef Josef Hoop und gelegentlich eines Berlin-Besuchs bei der VoMi am 19.3.1938. Nach dem Zustandekommen einer FBP-VU-Koalitionsregierung war Schaedler um die Absicherung des Parteienproporzes bemüht. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die «deutschfreundlichen» Kontakte der VU-Führungsspitze zusehends von dem mit Schaedler verwandten Alois Vogt gestaltet. Wie Vogt stellte sich Schaedler 1940 bis Anfang 1943 auf eine grossdeutsche Hegemonie in Europa ein. Zur nationalsozialistischen Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein (VDBL), als deren erster Leiter er noch im Gründungsjahr 1938 vorgesehen war, ging Schaedler im Lauf des Kriegs auf Distanz.

Literatur

Geiger: Krisenzeit, 22000, Bd. 1, 370, 392, 426, Bd. 2, 99–101, 121–132, 163–167, 194; Geiger: Kriegszeit, 2010.

Zitierweise

Jürgen Schremser, «Schaedler, Otto», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Schaedler,_Otto, abgerufen am 16.2.2019.

Medien

Rede des Landtagsvizepräsidenten Otto Schaedler zur Fürstenhuldigung, 1939 (LI LA). Foto: Adolf Buck, Schaan.