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Schellenberg (Burgen)

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Autorin: Verena Hasenbach | Stand: 31.12.2011

Die Obere Burg Schellenberg und die Untere Burg Schellenberg liegen auf dem Höhenzug des Eschnerbergs im Gebiet der Gemeinde Schellenberg. Benannt sind sie nach den Herren von Schellenberg, die sie ab Ende 12. Jahrhundert zur Sicherung der nach Italien führenden Durchgangsstrasse erbauen liessen. 1317 verkaufte Marquard von Schellenberg die Burgen samt Herrschaftsrechten an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Ihnen folgten als Besitzer 1412 Graf Wilhelm von Montfort-Tettnang, 1437 die Freiherren von Brandis, 1507 die Grafen von Sulz, 1613 die Grafen von Hohenems, 1699 das Fürstliche Haus Liechtenstein und 1956 der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein.

Anfang des 16. Jahrhunderts dürfte zumindest eine der Burgen noch intakt gewesen sein, da sich Ludwig von Brandis 1505 verpflichtete, eine nicht näher bestimmte Burg Schellenberg dem Haus Österreich im Kriegsfall offen zu halten. Als «zerbrochen» werden sie 1616 in der «Emser Chronik» bezeichnet.

Die Obere Burg wurde ursprünglich als Alte (Burg) Schellenberg, die Untere Burg als Neue (Burg) Schellenberg bezeichnet, was nach archäologischen Erkenntnissen korrekt ist. Im 18. Jahrhundert kam es zu einer Vertauschung der Zuordnungen von «alt» und «neu» zu den beiden Burgen. Erst archäologische Grabungen konnten den Irrtum aufklären. Heute haben sich die von Jakob Bill geschaffenen Hilfsbegriffe Obere Burg Schellenberg und Untere Burg Schellenberg durchgesetzt.

Obere Burg Schellenberg

Die auch (fälschlich) Neu-Schellenberg genannte Burg liegt ca. 700 m nordöstlich der Pfarrkirche Schellenberg auf 668 m ü.M. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt 1348. Die Anlage wurde 1960–64 unter David Beck ausgegraben und konserviert. Heute präsentiert sich eine dreieckige, im Süden durch einen weiten Halsgraben und eine breite Trockenmauer geschützte Anlage. Erhalten sind bauliche Überreste des Zwingers, der Schildmauer, des Bergfrieds, des Palas und anderer Gebäude sowie der Zisternenanlage. Es wurden verschiedene Bauphasen festgestellt. Mauern im Kernbereich der Burg und eine Mörtelmauer des Berings zählt der Ausgräber zum ersten Bau (Ende des 12. Jahrhunderts). Brandschichten im Befund werden in Zusammenhang mit Zerstörungen im Appenzellerkrieg von 1405 gebracht. Die Ausgrabungsfunde datieren aus der Zeit vor der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 16. Jahrhundert, der grösste Teil davon aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Gefunden wurden auch prähistorische Artefakte aus vermutlich sekundärer Lagerung.

Untere Burg Schellenberg

Die auch (fälschlich) Alt-Schellenberg genannte Burg liegt ca. 400 m nördlich der Pfarrkirche Schellenberg auf 595 m ü.M. Die erste Nennung erfolgt 1364. 1978–80 wurde die Anlage unter Jakob Bill ausgegraben, und Teile des Bergfrieds im Nordosten, die Ringmauer mit daran angebauten Räumen und einem rekonstruierten Backofen, sowie das durch einen Halsgraben getrennte Vorwerk im Südwesten wurden konserviert. Verschiedene bauliche Veränderungen konnten für die Zeit zwischen der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und dem 15. Jahrhundert nachgewiesen werden. Für eine Brandschatzung während des Appenzellerkriegs fehlen Indizien. Prähistorische Artefakte wurden geborgen, Siedlungsstrukturen aber keine festgestellt.

Literatur

D. Beck: Neu-Schellenberg, in: JBL 62 (1962), 1–49; J. Bill: Schellenberg «Untere Burg», in: Ergrabene Geschichte, 1985, 22–33; H.R. Inhelder: Die Burgen, Befestigungen und Ansitze Unterrätiens, in: Werdenberger Jahrbuch 1994, Jg. 7 (1993), 28–69, besonders 49f.; FLNB I/4, 174–176.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Zitierweise

Verena Hasenbach, «Schellenberg (Burgen)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Schellenberg_(Burgen), abgerufen am 15.2.2019.

Medien

Luftaufnahme der Anlage der Oberen Burg Schellenberg, 2007. © Amt für Kultur – Bruno De Boni, Schaan.
Grün glasierte Kranzkachel mit Kopfaufsatz aus der Unteren Burg Schellenberg, Ton, um 1400 (Bildarchiv LLM). Die Figur war oben am Ofen als Kranzkachel angebracht, das Haar ist im Gegensatz zu den stark hervorstehenden Augenbrauen nicht ausgeformt.