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Schlegel, Wilhelm

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Autor: Rudolf Rheinberger | Stand: 31.12.2011

Landtagspräsident. *18.11.1828 Schaan, †24.9.1900 Vaduz, von Triesenberg, später von Schaan. Sohn des Arztes Hannibal und der Josefa, geb. Kupferschmied, acht Geschwister.  13.6.1864 Rosa Gohm (*11.5.1838, †9.3.1899), zwei Kinder. 1847–49 Philosophicum in Freiburg i.Br., 1849–52 Studium der Medizin in Freiburg i.Br. und Wien, nach achtmonatigem Praktikum bei Ludwig Grass in Vaduz am 21.5.1853 Promotion zum Dr. med. in Freiburg i.Br. 1853 gründete Schlegel eine Praxis in Schaan, die er 1854 nach Nendeln (Gemeinde Eschen) verlegte und trat nach der Resignation von Ludwig Grass 1857 dessen Nachfolge in Vaduz an. 1874–1900 war Schlegel Landesphysikus und als solcher mit der Überwachung des öffentlichen Gesundheitszustands, der Aufsicht über sämtliche Medizinalpersonen sowie über das Entbindungs- und das Impfwesen und mit der Ausbildung der Hebammen beauftragt. Er fungierte auch als Gerichtsarzt und behandelte kranke Arme umsonst. Für letztere Aufgabe erhielt er ab 1889 ein Wartegeld von 500 Gulden. Schlegel liess 1879–80 das sogenannte Schlegelhaus in Vaduz nach Plänen des Architekten Ignaz Bankó errichten.

Schlegel war 1869–72 Mitglied des Landesschulrats. 1862–67 stv. Landtagsabgeordneter, 1867–82 und 1886–1900 Landtagsabgeordneter (1867, 1874 und ab 1886 vom Fürsten ernannt), 1882 lehnte er die Annahme der Wahl ab. 1868–71 und 1890–91 Landtagsvizepräsident, 1871–76, 1878–81 und 1886–90 Landtagspräsident, Vorsitzender der Finanzkommission und des Landesausschusses. Schlegel leitete 1872 eine Landtagsdelegation, die Fürst Johann II. auf Schloss Eisgrub ersuchte, in Liechtenstein eine Spielbank (→ Spielbanken) zu konzessionieren. Dieser lehnte ab, gewährte dem Land aber ein zinsloses Darlehen von 125 000 Gulden für den Rheinwuhrbau. 1877 legten Schlegel, Johann Schlegel und Christoph Wanger ihre Mandate nieder, weil sie die aufgrund der Münzwirren notwendig gewordene Neuwahl des Landtags für ungültig hielten. Schlegels Vorschlag von 1894, die Verpflegung von Waisenkindern nicht mehr zu versteigern, sondern diese gegen Entgelt in vertrauenswürdigen Familien unterzubringen, eilte seiner Zeit weit voraus. In der Auseinandersetzung des Landtags mit Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion 1894–95 um die Kompetenzen des Landesausschusses sowie die Pressezensur unterstützte Schlegel als einziger Landtagsabgeordneter den Landesverweser. Am 24.8.1900 legte er sein Mandat aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über den Standort des geplanten Regierungsgebäudes nieder. Der Landtag akzeptierte Schlegels Rücktritt jedoch nicht.

Der in seinem Beruf sehr erfolgreiche Schlegel – er war ein beliebter und vielbeschäftigter Arzt – konnte sich im Landtag mit seinen Anliegen oft nicht durchsetzen. Er stand häufig in Opposition zu den Brüdern Albert und Rudolf Schädler und stellte sich wiederholt gegen die allgemeine Meinung in Liechtenstein.

Literatur

R. Rheinberger: Dr. med. Wilhelm Schlegel, in: JBL 91 (1992), 167–206.

Zitierweise

Rudolf Rheinberger, «Schlegel, Wilhelm», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Schlegel,_Wilhelm, abgerufen am 19.2.2019.

Medien

Wilhelm Schlegel. Fotografie, um 1870 (Familienarchiv Rheinberger). Foto: Kuhn & Gut, St. Gallen.