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Schmid von Grüneck, Georg

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Autor: Franz Xaver Bischof | Stand: 31.12.2011

Bischof. *21.11.1851 Sumvitg (GR), †6.5.1932 Chur. Theologiestudium in London (unter dem Einfluss des ultramontanen Erzbischofs Henry Edward Manning von Westminster) und Chur, 1875 Priesterweihe, 1876–78 Studium des kanonischen Rechts in Rom, 1878 Dr. iur. utr. und Sekretär des Thomisten Constantin von Schäzler SJ , 1880–89 Prof. für Kirchenrecht und Exegese am Priesterseminar in Chur, 1889–98 bischöflicher Kanzler, 1898–1908 Generalvikar des Bistums Chur und Regens des Priesterseminars. 1908 Wahl und Weihe zum Bischof von Chur.

Schmid von Grüneck war ein scharfer Gegner des Sozialismus und Liberalismus sowie der vom Liberalismus getragenen, modernen Geisteshaltung. Im Modernismusstreit vertrat er kompromisslos die römische Linie, auch gegenüber seinem Diözesanpriester und Schriftsteller Heinrich Federer, den er 1910 zu einer antimodernistischen Artikelserie in den «Neuen Zürcher Nachrichten» nötigte. Doch verteidigte er seinen Regens und Dogmatikprofessor Anton Gisler, als dieser von integralistischer Seite angegriffen wurde. 1917 wurde der sprachgewandte und weit gereiste Bischof von Papst Benedikt XV. in die erfolglos gebliebenen vatikanischen Friedensbemühungen einbezogen.

Schmid von Grüneck vertonte das von Johann Baptist Büchel verfasste liechtensteinische Fürstenlied. In seinem Hirtenbrief vom 12.11.1918, den er zum 60. Regierungsjubiläum des Fürsten erliess, erinnerte der Churer Bischof die liechtensteinischen Gläubigen an ihre Christenpflichten und forderte sie vor dem Hintergrund der innenpolitischen Vorgänge vom 7.11.1918 zum Gehorsam gegenüber der rechtmässigen Obrigkeit auf. Er drohte denen, die sich der monarchischen Staatsgewalt widersetzten mit der ewigen Verdammnis und warnte vor der liberalen Geisteshaltung, wie sie die um Stärkung der Volkssouveränität bemühte liechtensteinische Volkspartei vertrat. Bei der Einführung der neuen liechtensteinischen Verfassung von 1921 äusserte sich der Churer Bischof wiederholt kritisch, weil er hinsichtlich des Erziehungs- und Unterrichtswesens, der Stellung der kathotlischen Kirche und der Verwaltung der Kirchengüter die Rechte der katholischen Kirche nicht genügend gewahrt sah. Doch wurde seine Forderung, das Erziehungswesen vollständig der Kirche zu unterstellen, von der liechtensteinischen Regierung zum grössten Teil abgelehnt, und auch das Argument des «katholischen Staats» hielt aufgrund der gewährten Religionsfreiheit vor der Verfassung nicht stand. Das Erziehungswesen wurde der staatlichen Aufsicht unterstellt, jedoch unter Vorbehalt der Unantastbarkeit der kirchlichen Lehre. Am 8.9.1921 nahm der Bischof am Liechtensteiner Katholikentag in Vaduz teil, auf dem er erneut scharfe Kritik an der Verfassung übte.

Literatur

HS I/1, 504; H. Wille: Die Verfassung von 1921, in: Portrait, 1981, 93–118; Gatz: Bischöfe 1803–1945, 660–663; R. Quaderer: Der historische Hintergrund der Verfassungsdiskussion von 1921, in: Die liechtensteinische Verfassung 1921, Hg. G. Batliner, 1994, 105–140; H. Wille: Monarchie und Demokratie als Kontroversfragen in der Verfassung 1921, in: Die liechtensteinische Verfassung 1921, Hg. G. Batliner, 1994, 141–199.

Zitierweise

Franz Xaver Bischof, «Schmid von Grüneck, Georg», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Schmid_von_Grüneck,_Georg, abgerufen am 18.4.2019.

Normdaten

GND: 134892364

Medien

Georg Schmid von Grüneck. Fotografie (LI LA).