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Schwabenkinder

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Die sogenannte Schwabengängerei ist für Vorarlberg erstmals 1625, für Graubünden 1793 und für Liechtenstein in einem Bericht von Landvogt Josef Schuppler 1815 schriftlich bezeugt; sie ist aber älter. Arme, kinderreiche Familien schickten ihre Kinder, Buben und Mädchen, als landwirtschaftliche Arbeitskräfte vom Frühling bis Herbst nach Oberschwaben (meist von Februar/März bis Oktober/ November). Die Kinder zogen in Begleitung eines Erwachsenen in Gruppen zu Fuss, ab 1858 auch per Bahn und Schiff über Bregenz auf die Kindermärkte in Friedrichshafen und Ravensburg, wo sie als Hütebuben, aber auch für Feld-, Stall-, Haus- und Gartenarbeiten an Bauern verdingt wurden. Die Schwabenkinder mussten hart arbeiten, litten oft unter Heimweh und Sprachschwierigkeiten und blieben schulisch zurück. Am Ende der Saison wurden sie neu eingekleidet und erhielten einen geringen Lohn und ein Taschengeld, ehe sie gemeinsam den Heimweg antraten. Trotz dem mehrfach wiederholten Verbot der Auswanderung von Kindern nach Schwaben (u.a. 1833, 1842) endete die Schwabengängerei erst während des Ersten Weltkriegs. Für Liechtenstein war bis 1858 auch der Durchzug von Bündner Schwabenkindern von Bedeutung.

Quellen

Schuppler/Ospelt: Beschreibung 1815, 1975, 241; H. Wenaweser: Erlebnisse eines Schaanerbuben im Schwabenland 1912, in: Freude dem Alter, 1991, 87–96.

Literatur

O. Seger: Vaduz, 1956, 83f.; Quaderer: Geschichte, 1969, 143, 156f., 164–166; Bucher: Familienchronik Triesenberg 3, 1986, 198, 217–229; L. Seglias: Die Schwabengänger aus Graubünden, 2004; K.H. Burmeister: «Buab, ma tuat di is Schwoobaland», in: Menschen, Bilder und Geschichten 2, 2007, 44–72.