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Sevelen

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Autor: Mathias Bugg | Stand: 31.12.2011

Politische Gemeinde im Kanton St. Gallen, Wahlkreis Werdenberg, 4661 Einwohner/innen (2011). Umfasst neben dem Dorf Sevelen die Weiler Rans, Oberräfis, Välsli, Glat am Rand der Rheinebene und am Sevelerberg St. Ulrich, Hof, Steig und Hüseren. Um 1208 Seuellun, 1304 Sevelun, 1351 Sevelen.

Auf dem Pfäfersbüel und auf dem Geissberg liegen Siedlungen jungsteinzeitlicher Bauern (um 4200 v.Chr.). Diese Plätze sowie der in frühgeschichtlicher Zeit durch eine Mauer umgürtete Sonnenbüel wurden auch in der Bronze- und der Eisenzeit aufgesucht (Reste einer bronzezeitlichen Befestigung auf Sonnenbüel). Die heute fast ganz abgetragene Burg Herrenberg auf dem Storchenbüel südöstlich der Kirche wurde um 1255 vom Churer Bischof Heinrich III. von Montfort erbaut und kam 1304 pfandweise mit dem Hof Sevelen an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg; 1397 gelangte Sevelen ganz in deren Besitz. Spätestens 1404 ging Sevelen zusammen mit Grabs und Buchs an Graf Wilhelm V. von Montfort-Tettnang über. 1485 erwarb die Stadt Luzern die Grafschaft →Werdenberg mit Sevelen (somit erstmals unter eidgenössischer Herrschaft); 1517 gelangte Sevelen mit Werdenberg an Glarus. Die Landvögte auf Schloss Werdenberg hatten bis 1798 Gerichtshoheit und Kollatur inne. Sevelen wurde 1803 politische Gemeinde des Kantons St. Gallen (bis 1831 Bezirk Sargans, dann Bezirk Werdenberg bzw. seit 2001 Wahlkreis Werdenberg).

1235 ist erstmals ein Leutpriester in Sevelen erwähnt, das Patronatsrecht lag beim Churer Kloster St. Luzi. Vermutlich stand bereits im 9. Jahrhundert in Rans eine Kirche. 1529 nahm Sevelen den evangelischen Glauben an. Die gotische Kirche wurde beim grossen Dorfbrand 1892 mit Ausnahme des Chors zerstört. Der Pfarrer von Sevelen war bis zum Zweiten Weltkrieg auch für Evangelen Liechtenstein zuständig. 1946 konstituierte sich eine katholische Kirchgemeinde, die 1997 zur Pfarrei erhoben wurde.

Bis zur Industrialisierung herrschte Vieh- und Milchwirtschaft vor; nebengewerblich wurden Hanf und Flachs angebaut und verarbeitet. Vom 15. bis ins frühe 18. Jahrhundert sind Nutzungs- und Wuhrstreitigkeiten zwischen Sevelen und den benachbarten liechtensteinischen Gemeinden überliefert. Sevelen erhielt 1858 einen Bahnanschluss sowie 1850 durch eine Rheinfähre und 1871 durch eine hölzerne Rheinbrücke eine Verbindung nach Vaduz. Letztere wurde 1901 durch die heute noch bestehende Holzbrücke ersetzt; dem Autoverkehr dient die 1975 eröffnete Betonbrücke. 1929–38 bestand eine Postautolinie Sevelen–Vaduz–Triesenberg mit täglich drei Fahrten, seit 2004 gibt es eine Buslinie Sevelen–Vaduz–Triesen.

Mit der Fabrik Honegger & Hardegger (1874), gefolgt von Lindsay, Thompson & Co. (1887), setzte der Aufschwung der Stickereiindustrie ein; daneben arbeiteten viele in der Heimstickerei. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Niedergang der Branche zu grosser Arbeitslosigkeit. Diese sank mit der Ansiedlung neuer Industriebetriebe (Lampenfabrik Temde 1933, Tuchfabrik Sevelen 1936). Melioration und Güterzusammenlegung führten in der Nachkriegszeit zur Aussiedlung der wenigen verbliebenen Bauernhöfe in die Rheinebene; am Sevelerberg besteht weiterhin Vieh- und Milchwirtschaft.

Archive

GAS.

Literatur

H.G. Sulzberger: Die Geschichte der Gemeinde Sevelen, überarbeitet von U.F. Hagmann, 2 Bde., 1978/84; V. Vincenz: Die romanischen Orts- und Flurnamen von Buchs und Sevelen, 1983; W. Hagmann et al.: Sevelen, in: Unser Rheintal 48 (1991), 125–151; E. Rigert: Archäologie im St. Galler Rheintal, in: Werdenberger Jahrbuch 2005, Jg. 18 (2004), 238–254.

Zitierweise

Mathias Bugg, «Sevelen», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Sevelen, abgerufen am 20.2.2019.