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Siegel

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Autor: Paul Vogt | Stand: 31.12.2011

Ein Siegel (von lateinisch sigillum: kleines Bild bzw. Zeichen) ist der Abdruck eines Siegelstempels (Petschaft, Typars) in einem zunächst weichen, später erhärteten Material (v.a. Ton, Gold, Blei, Wachs, Lack und Papier). Siegel wurden zur Beglaubigung der Echtheit von Urkunden und seit dem 17. Jahrhundert auch der Unversehrtheit von Gegenständen (Briefen, Türen etc.) verwendet. Dank der Stellung des Siegelführers erhielten die Urkunden Rechtskraft. Ab dem 16. Jahrhundert finden sich auf den Dokumenten in liechtensteinischen Archiven neben den Siegeln auch eigenhändige Unterschriften. Die Berechtigung zur Führung eines Siegels war nicht streng geregelt, bis ins 18. Jahrhundert aber der oberen Schicht vorbehalten. In Liechtenstein führten neben Adeligen und Landvögten in der Regel nur Landammänner eigene Siegel. Signetsiegel (Verschlusssiegel) sind auch für einzelne Geistliche und adelige Damen belegt. Das Siegel konnte aufgrund der Umschrift und des Bildes einer Person zugeordnet werden. Die Umschrift enthielt den Namen des Siegelführers, oft angekündigt durch den Buchstaben «S». Die kleinen Signetsiegel haben nur eine Aufschrift mit den Initialen oder gar keine Beschriftung. Die weltlichen Siegel in liechtensteinischen Archiven sind alle rund und zeigen ein Wappen. Bei den geistlichen Siegeln gibt es auch andere Formen (oval, spitzoval) und andere Figuren (Heilige). Signetsiegel sind meist achteckig. Die Art der Befestigung hing vom Material ab (Wachssiegel wurden «angehängt», Lack- und Papiersiegel aufgedrückt).

Die Siegelsammlung des Liechtensteinischen Landesarchivs umfasst etwa 450 verschiedene Siegel, 270 davon aus der Zeit vor 1700. Die ältesten in Liechtenstein erhaltenen Siegel stammen von Bischöfen und Kardinälen (13. Jahrhundert) bzw. Adeligen (14. Jahrhundert). Die ersten Landammannsiegel stammen aus dem 15. Jahrhundert, die ältesten Behördensiegel aus dem 16. Jahrhundert (Vormundschaftsiegel) und 17. Jahrhundert (Kanzleisiegel). Seit dem 17. Jahrhundert verwendeten zunächst Notare und dann auch Behörden zunehmend (blauschwarze) Farbe, um den Stempel auf ein Papier aufzudrücken. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es solche Abdrücke auch von liechtensteinischen Gemeinden und Pfarreien.

Literatur

Liesching/Vogt: Siegel, 1985.

Zitierweise

Paul Vogt, «Siegel», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Siegel, abgerufen am 21.2.2019.

Medien

Geistliches Siegel des Johannes Dominici, Bischof von Bova (Italien), erwähnt 1412–1424. Ovales Wachssiegel (PfAT). Foto: Paul Frick/i.A. LI LA. Dominici siegelte damit am 16.11.1415 einen Ablassbrief für die Marienkapelle in Triesen. Die obere Bildhälfte zeigt eine Pietà, die untere einen auf den Knien betenden Bischof und ein Wappenschild. Umschrift: «S DNI IOHANIS EPISC [...] NENSIS.» 55 × 30 cm.
Hohenemsisch-vaduzisches Vormundschaftssiegel (Behördensiegel). Rundes Papiersiegel (GAS). Foto: Paul Frick/i.A. LI LA. Karl Friedrich Graf von Hohenems und Eleonora Katharina Gräfin von Fürstenberg siegelten damit am 27.12.1662 als Vormünder der unmündigen Grafen Ferdinand Karl und Jakob Hannibal III. von Hohenems die Urkunde einer Darlehensaufnahme. Das Bild zeigt die zwei ovalen Wappenschilde der Vormünder (von Ems sowie gespalten von Ems und Fürstenberg), überhöht von einer Grafenkrone und zwei nach aussen schauenden Vogelköpfen. Umschrift: «SIGILLVM TVTORUM EMBSIAN : VADVZIANUM :». 38 mm.
Signet des Landammanns Jakob Schreiber auf einer Urkunde vom 18.2.1676 über die Einquartierung und Verpflegung kaiserlicher Truppen. Achteckiges Lacksiegel (GAS). Foto: Paul Frick/i.A. LI LA. Das Bild zeigt in einem Halbrundschild einen Löwen, der ein N in den Pranken hält, oben begleitet von zwei Sternen; darüber die Initialen «I S». 14 × 11 mm.